24.11.2016, 15:00 Uhr

Auf der Suche nach dem schwarzen Gold

Das Kohlevorkommen im Gebiet von Gamlitz ist offenbar nur von geringer Erstreckung. Wenngleich bisher immer wieder Bohrungen durchgeführt wurden, ist die Chance in diesem Bereich vor allem größere Flözmächtigkeiten vorzufinden, äußerst gering. Nach E. Geutebrücks Aussagen aus dem Jahre 1980 bestehen auch keinerlei Aussichten, durch etwaige Prospektionsarbeiten abbauwürdige Kohlenflöze nachzuweisen. Der Versuch des ehemaligen Bergmannes Franz Viher in Steinbach Kohle zu gewinnen scheiterte 1987. Ein Wassereinbruch führte damals zu unlösbaren Problemen.

Im Jahre 1977 begann der im Bezirk Landeck lebende Franz Viher aus Pians am Arlberg in Gamlitz Kohle zu schürfen. Diesmal nicht in Labitschberg, wo früher der Abbau stattfand, sondern in Steinbach. Schon rund 100 Jahre vor ihm, erhofften in Steinbach Schürfer Braunkohleflöze zu finden.

Er versuchte sich auf Grund der von der Berghauptmannschaft Graz erteilten Schürfgenehmigung auf dem Besitz der Familie Kolunder in Steinbach als selbständiger Gewerke. Der Grundbesitzer erhält von ihm eine kleine Entschädigung für die Unannehmlichkeiten, welche die Bohrarbeiten verursachen. Der alte Kolunder und der alte Viher werden kongeniale Partner: wenn der eine den Weingartenboden von oben hackt, bearbeitet der andere diesen von unten. Die Familie Kolunder überlässt dem Bergmann sogar ein Zimmer, wo er zwischendurch lebt. Seine Lebensgefährtin besucht ihn fallweise.

Der Traum des Bergmannes Viher von einem eigenen Bergwerk erfüllt sich nicht. Auch in Steinbach war die Kohlenmächtigkeit zu gering und unwirtschaftlich. Die Erschließungskosten für Grundablösen, Stromanschluss und Anschaffung von Maschinen waren so hoch, dass an einen rationellen Abbau nicht zu denken war. Ein Wassereinbruch in sechzehn Meter Tiefe erschwerte die Arbeit erheblich und machte die Anschaffung von Pumpen notwendig.

Im Großen und Ganzen musste der Tiroler, der aus Slowenien stammte, einsehen, dass sein Bergbau unwirtschaftlich war, und er gab schließlich seine ruinöse Tätigkeit auf und schüttete das Loch wieder zu. Seinen Altersitz nimmt er Pians am Arlberg, wo er als „Rosas Franz“ bekannt ist.

Die Fachleute hatten recht behalten, in Gamlitz Umgebung besteht keine Hoffnung, auf abbauwürdige Kohlenflöze zu stoßen. Franz Viher wollte diese Erfahrung aber selbst machen.

Bemerkenswert ist, dass dieser Mann zehn Jahre durchhielt, denn, obwohl er Kohle fand, hatte er mit denselben Problemen zu kämpfen, wie einst die Besitzer des Bergbaues Labitschberg, wo mancher schon nach viel kürzerer Zeit aufgab.

Die „Kleine Zeitung“, Gerlinde Lerchbaumer, berichtet am Donnerstag den 23. April 1987 von dem erfolglosen Schürfer, der im Sommer 1992 noch in Pians unter dem Rufnamen „Rosas Franz“ von mir interviewt wurde. Der 80jährige Mann war kurz vorher vom Kirschbaum gefallen und konnte nur schwer reden. Er überließ mir neben seiner Lebensgeschichte auch etliche schriftliche Dokumente zum Abbau in Steinbach.
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Otto Windisch aus Graz-Umgebung | 25.11.2016 | 16:36   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 26.11.2016 | 10:37   Melden
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