17.06.2017, 14:26 Uhr

Aus der Mörtelkunde

Die Verwendung des Kalkes zur Herstellung von Mörtel stammt aus alter Zeit. Schon im 5. Buch Moses, Kapitel 27, Vers 2 finden wir ihn erwähnt, ebenso im Psalm 102 und bei Hesekiel, Kapitel 13. Bei Zisternenbauten in Jerusalem, die vor der Herrschaft Salomons angelegt sind, und auch auf der Insel Thera, etwa 700 v. Chr., ist seine Verwendung festgestellt. Die Bezeichnung „Mörtel“ stammt von den römischen Bauleuten, welche die Bindemasse aus Kalk und Sand zum Mauern „mortarium“ nannten. Mit der Einführung des Steinbaues in Mitteleuropa übernahmen wir diesen Begriff als „mortari“. Die Mundart formte das daraus Malter oder Gmalter, ein noch heute in der Umgangssprache übliche Bezeichnung für diesen Baustoff. Die Isländer sagen „malde“, ich habe zerstoßen, die Franzosen reden von „malther“, was kleistern bedeutet.
Vom Gebrauch des Kalkmörtels bis zur industriellen Herstellung des Zementes folgt noch ein langer Weg. Die Zementwerke südlich von Graz entstanden erst 1906 und 1908.

Vom Naturzement zum Portlandzement
Den Zuschlag zum Kalk, der diesem die Eigenschaft verleiht, unter Wasser zu erhärten, bezeichnete man früher ausschließlich mit dem Wort „das Cement oder Caement“, vom Lateinischen cementum, aus caedimentum, caedere fällen, behauen, ursprünglich auch Quader oder Bruchstein. Jeder in Wasser erhärtende Mörtel, im engeren Sinn eine Substanz, die mit gewöhnlichem gelöschten Kalk in Wasser erhärtenden Mörtel bildet.

Durch die Verwendung vulkanischer Tuffe, die Sand als Zuschlagsstoff ersetzten, fand man bereits in der Antike heraus, dass z. B. Santorinerde durch ihren Gehalt an freier amorpher Kieselsäure in einer Mörtelmischung wie Zement wirkte.
Das von den Römern verwendete Puzzolanmörtel und Trassmörtel war bis ins späte Mittelalter als hydraulisches Bindemittel in Verwendung. Goerree berichtet in seiner Baukunde, Amsterdam 1705, S. 92: „Die Alten haben aus vielerley Werksteinen, Flußsteinen, Kieseln, Tuffen und andern, durch Brennen, Trocknen, Mahlen, Kochen und Vermischen, guten Kalk und Cement gemacht“.

Einen eigenen Weg beschritt Smeaton (1724 bis 1792) in England, mit seiner Mörtelkunde, die grundlegende Bedeutung für die Zukunft hatte. Bereits 1796 erhält James Parker ein Patent für ein Erzeugnis, das später als „Roman-Zement“ bezeichnet wird. Bis 1818 dominierte der Parkersche Romanzement den Zementmarkt. Leider war der Rohstoff für dieses geschätzte Mörtelmaterial nicht in beliebiger Menge vorhanden. Jetzt erst begann der Aufschwung dieser Industrie mit der Suche nach Ersatzstoffen für die Naturzemente. Diesmal galt es, den letzten Schritt zu tun, den Smeaton unterlassen hatte, einen Wasserkalk aus einer Mischung von Kalk und Ton mit nachfolgendem Brennen technisch herzustellen. Diese industriell hergestellten Zemente nennt man Portlandzemente. Sein Wert beruht auf die Fähigkeit, nach dem Anmachen mit Wasser zu einer steinigen Masse zu erhärten, dessen Härte auch unter Wasser erhalten bleibt. Portlandzement ist wesentlich dichter als Romanzement, gibt daher auch einen festeren, dichteren Mörtel. Überdies kann er leichter von stets gleichbleibender Beschaffenheit hergestellt werden, bindet langsamer ab als Romanzement. William Aspidin brachte 1843 den ersten künstlichen Zement unter der Bezeichnung „Portlandzement“ in den Handel. Besondere Bedeutung für Wasserbauten erlangte der Zementbeton. Der Gärtner Joseph Monier erfand die Armierung des Betons und ließ sich seine Erfindung 1845 patentieren.
Quellen:
Etymologisches Wörterbuch der in Österreich üblichen Mundarten von Matthias Höfer, zweyter Teil, 1815.
Mayers Konversations-Lexikon, 17. Band, 1897.
Dr. Ing. Riepert, die deutsche Zementindustrie, 1927.
Deutsches Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm, Band 12.
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renate krska aus Neubau | 17.06.2017 | 15:31   Melden
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 17.06.2017 | 16:09   Melden
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Karl Aldrian aus Graz-Umgebung | 17.06.2017 | 16:24   Melden
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Johann Schweiger aus Weiz | 18.06.2017 | 06:26   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 18.06.2017 | 10:58   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 18.06.2017 | 11:07   Melden
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