14.09.2016, 15:00 Uhr

Das Hitzendorfer Distelfest

In Hitzendorf lebte im Jahr 1827 ein gewisser Konrad König, der als Keuschler nur einige Joch magere Felder besaß, auf denen Disteln hervorragend gediehen, was ihm den wenig schmeichelhaften Namen „Distelkönig“ einbrachte. Bei einem Wolle-Umtausch im Geschäft des Tuchhändlers Süß in der Grazer Schmiedgasse, fragte ihn dieser woher er wohl Disteln bekommen könne. Der Händler erklärte dem erstaunten König aus Hitzendorf, er suche Karden, Weberkarden, eine Distelart (dipsacus fullonum), deren Köpfe man früher zum Aufrauen und Aufkratzen des Gespinstes verwendete. „Bei uns pflanzt man sie kaum an und die französischen kosten viel Geld“. Konrad König und der Grazer Handelsherr vereinbarten einen Anbauvertrag für Weberdisteln und die Hitzendorfer staunten nicht wenig, als im nächsten Frühjahr aus den mageren Feldern des Konrad merkwürdige Gewächse kamen und hellviolette Blüten ansetzten. Das Jahr 1828 war regenarm und brachte schlechte Ernten, nur die Disteln Konrads gediehen prächtig und brachten gutes Geld. Der Fabrikant Süß fragte den Hitzendorfer, ob man nicht mehr Bauern zum Distelanbau gewinnen könnte. Um seine stolzen Bauern zum Umdenken zu bewegen, meinte Konrad König, man sollte im nächsten Sommer ein Distelfest geben, ähnlich wie bei der Weinlese mit Musik und Tanz. Der Fabrikant Süß meinte, er könnte für die besten Lieferanten noch Preise stiften. Neben billigerem Einkauf, war er bestrebt im Sinne Erzherzogs Johanns, die Landeskultur zu fördern. Bei der nächsten Tagung des Filialvereines der Landwirtschaftsgesellschaft trug ein Redner aus Graz, den der Erzherzog selbst zu den Hitzendorfern geschickt hatte, den Plan des Distelfestes vor. Das gefiel den Zuhörern und viele meldeten sich nun zum Kardenanbau mit Erntefeier und Preisverteilung.
Im nächsten Jahr konnte Süß mit der Lieferung zufrieden sein. Aber auch die Hitzendorfer kamen nicht zu kurz und am 28. Juli 1829 fand das versprochene Distelfest statt. Der Grazer Fabrikant ließ es sich etwas kosten und brachte viele Gäste in das Gemeindewirtshaus, das mit den Fruchtkapseln und Blättern der nun so geachteten Pflanze geschmückt war.
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.