04.04.2017, 16:59 Uhr

Der Leibnitzer Uhrmacher Rupert Hettl

In ihrer Ausgabe vom 22./23. März 2017 berichtete die “Woche“ unter der Überschrift „Sie tickt genau wie keine andere“ über den Leibnitzer Uhrmacher Rupert Hettl, dessen Pendeluhr in einer Auslage im Haus am Hauptplatz Nr. 20 angeblich 1890 hing.

Ein Faktencheck über den Uhrmacher Rupert Hettl brachte folgende zusätzliche, für die Stadtgeschichte relevante, Informationen:
Am 3. Juli 1893 fand in der Grazer Herz-Jesu-Kirche die Hochzeit des Fräuleins Johanna Rußheim, Apotheker- und Hausbesitzerstocher in Leibnitz, mit Herrn Rupert Hettl, Juwelier und Uhrmacher in Leibnitz, statt. Heute nennt sich dieses Haus „Hirschen-Apotheke“.

Am 26. Juli 1893 wurde beim Uhrmacher Rupert Hettl in Leibnitz zwischen 9 und 11 Uhr abends in seinem Laden eingebrochen. Bei dem frechen Einbruchdiebstahl stahlen die Täter mehrere Gold- und Silberuhren, die ihm zur Reparatur übergeben worden waren, neben einer schweren Silberkette und 7 Gulden Kleingeld. In Verdacht standen mehrere Taglöhner, die längere Zeit im Haus gearbeitet hatten. Die Gendarmerie leitete sofort Ausforschungen ein.

Es erhebt sich die Frage, warum keine neuwertigen Zeitmesser geklaut worden sind, wie die z. B. sicher sehr wertvolle Pendeluhr oder Schmuck, vielleicht weil Hettl erst später damit zu handeln begann.

Im Februar 1895 meldete Rupert Hettl in Leibnitz, Hauptplatz Nr. 20, bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft Leibnitz einen Handel mit Gold- und Silberwaren an.
Rupert Hettl war in die bürgerliche Gesellschaft in Leibnitz gut integriert und interessierte sich auch für die Ortspolitik. Im Oktober 1899 sammelten Leibnitzer deutschfreiheitliche gesinnten Bürger für die im Krieg befindlichen Buren in Südafrika. Uhrmacher Rupert Hettl spendete 60 Heller.

Am Samstag um 4 Uhr nachmittags, 1. August 1910, nahm Hettl am Begräbnis des Steinbruchbesitzers Franz Dieber in Leibnitz teil und besorgte einen Trauerkranz.
Bei den Gemeindeausschusswahlen in Leibnitz, die im November 1910 stattfanden, kandierte Hettl ebenfalls. Als Kandidat der Bürgerpartei erhielt der Uhrmacher Rupert Hettl als Ersatzmann für den zweiten Wahlkörper 321 Stimmen. Seine Bürgerpartei siegte.

Als Ausschüsse (Gemeinderäte) wurden gewählt:
Alois Aßmann, Fabrikbesitzer,
Gustav Caprez, Fabrikbesitzer,
Othmar Götz, Kaufmann,
Hans Leitner Weinhändler;
Alois Landvogt, Postverwalter,
Alfred Obsieger, Kaufmann;
Karl Osterer, Spediteur,
Johann Tinnacher, Gastwirt.
Als Ersatzmänner wurden gewählt:
Karl Kada, Kaufmann,
Paul Ulbel, Eisenwarenhändler,
Dr. Arnold Genal, Arzt,
Friedrich Winterhoff, Buchbinder und Papierhandel.
Während des Ersten Weltkrieges traf die Familie Hettl ein schwerer Schicksalsschlag: Am 11. Juni 1916 erlag in einem Malteser Spital der Gefreite Rupert Hettl, der Sohn des Uhrmachermeisters Rupert Hettl in Leibnitz, einer schweren Schrapnellverletzung.
Der Tod des Sohnes mag auch der Anlass gewesen sein, das Gewerbe 1923 aufzugeben.

Quellen:
Grazer Volksblatt vom 23. Juni 1893.
Grazer Volksblatt vom 29. August 1893.
Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz Nr. 8 vom 23. Februar 1895.
Grazer Volksblatt vom 27. Oktober 1899.
Grazer Volksblatt vom 3. August 1910.
Grazer Volksblatt vom 16. November 1910.
Grazer Volksblatt vom 20. November 1910.
Grazer Volksblatt vom 3. Juli 1916.
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Waltraud Fischer aus Leibnitz | 05.04.2017 | 08:17   Melden
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