08.02.2017, 12:31 Uhr

Der Monatsname Hornung

Als Walther von der Vogelweide um 1215 von Kaiser Friedrich II. sein Reichslehen bei Würzburg erhielt, jubelte er: „Ich hab´ mein Lehen, alle Welt! ich hab´ mein Lehen!
Und will die bösen Herren desto minder flehen.
Nun fürcht´ich nimmermehr den Hornung an den Zehen.
Der König mild hat mich so wohl beraten,
Dass ich im Sommer immer Luft und im Winter Wärme haben kann.“

Ja, der Hornung hat es in sich. Er verdankt seinen Namen seinem größeren, ihm vorangegangenen Bruder, den wir heute mit einem Fremdwort Januar nennen, der aber einst im deutschsprachigen Raum auch Horn (Frost und Frostmonat) genannt wurde. Aber der kleine Horn, Hornung, ist nur körperlich kleiner, wie man wohl in Bezug auf einen nur aus Tagen bestehenden Monat sagen kann, denn er hat nur 28 Tage und bringt es in Schaltjahren auf 29 Tage, während sein größerer Bruder 31 sein Eigen nennen kann. In Bezug auf die Winterkälte ist aber der Hornung seinem längeren und älteren Bruder meistens überlegen.
Auch die Landbevölkerung schenkte dieser Tatsache seit jeher besondere Beachtung, ja, sie maßen ihr eine besonderes günstige Prognose für den bevorstehenden Frühling und Sommer zu. Ein milder Februar bedeutet in den Bauernregeln gewöhnlich ein schlechtes Jahr. Dagegen:
„Im Hornung Schnee und Eis macht den Sommer heiß.“
Andere Sprüche besagen:
„Wenn der Winter sich nicht im Hornung stellt ein, wird´s um Ostern grimmig sein.“
„Wenn im Hornung die Mücken schwärmen, muss man im März die Ohren wärmen.“
„Wenn´s der Hornung gnädig macht, bringt der Mai den Frost bei Nacht.“

Ein netter, in der Schweiz verbreiteter Spruch lautet:
„Wenn im Februar die Stürme fackeln,
Dass dem Ochsen die Hörner wackeln,
Das hab en die Bauern von Bern
Sehr gern …“

Noch vor hundert Jahren traf man noch meistens die Bezeichnung Hornung gegenüber Februar an. Heute ist auch in den ländlichen Gegenden die Bezeichnung Hornung für den Februar verschwunden. Das Amtsdeutsch hat den alten deutschen Monatsnamen nicht übernommen und die lateinische Bezeichnung bevorzugt.
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 08.02.2017 | 14:31   Melden
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 09.02.2017 | 07:58   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 09.02.2017 | 14:47   Melden
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