06.06.2017, 11:39 Uhr

Ein heimischer Brauch

Das Sonnwendfeuer im österreichischen Brauchtum:
Schon im frühesten Mittelalter, in der Zeit, als das Christentum nach Mitteleuropa drang, war jenes Volksfest so tief im alten Glauben verwurzelt, dass die Kirche den Tag des Johannes des Täufers auf den altdeutschen Sonnwendtag, nämlich den 24. Juni und die Vigilia Sti. Joannis Baptist in die Nacht auf den 23. auf den 24. Juni verlegt. Nicht der Kirchenkalender, sondern das Volk hat diesen Tag bestimmt. Und es ist daher nicht ein Verstoß gegen die Kirche, sondern ein grober Verstoß gegen den alten Volksbrauch, wenn man heute das Sonnwendfest der mathematischen Astronomie zuliebe auf den 21. Juni setzte. Dann man hat damit einen durch anderthalb Jahrtausende nachweisbaren Brauchtag des keltischen Volkstums verworfen. Bis in das 19. Jahrhundert war die Nacht vom 23. auf den 24. Juni der überall eingehaltene Zeitpunkt: von Skandinavien bis Mazedonien, Irland bis Ungarn und bei den Slawen. Wer diesen alten Brauch wirklich nach alten Herkommen begehen will, muss auf dieses Datum zurückgreifen. Damit ist die Frage des richtigen Zeitpunkts geklärt.

Auch die wenigen Bräuche dieses Monats, die in die Wochen vor dem Sonnwendtag fallen, sind nichts anderes als Vorfeiern für diesen Hochtag uralten Brauchtums. Nach dem Julianischen Kalender war deshalb schon St. Cyrillustag der kirchliche Sommeranfang. Auch der Margarethentag und der Antonitag nahmen im Volksglauben da und dort jene Stellung ein. Besonders aber gilt dies für den St. Veitstag, von dem das Volk schon im 13. Jahrhundert sagte: „Hier mag die Sunn nit höher.“ Was der Nikolaustag für das Christfest, das ist der Veitstag für das Sonnwendfest.

Es ist ein alter deutscher Bauernbrauch, den wir da begehen. In der Tat zeigt sich’s denn auch, dass der ursprüngliche Sinn des alten germanischen Sonnwend-Notfeuers und aller mit ihm zusammenhängenden Sonnen- und Feuerzauber, wie der der glühenden Räder und Scheiben, nirgends und in keiner Form ursprünglicher beibehalten blieb als in unserem bäuerlichen Johannisfeuer, oder wie unsere steirischen Bauern sagen, in unserem „Sunnawendhansl-Frohfeuer“.

An vielen Orten war es Sitte bei den Oster- oder Sonnwendfeuern ein mit Stroh umwundenes Wagenrad brennend über den Berg laufen zu lassen. Bei Viehseuchen wurde dem Fro (Freyja) ein Notfeuer angezündet und das Vieh durch dieses (Gasse) getrieben. Das Feuer wurde aber durch Reibung eines Rades in Richtung des Sonnenlaufes (Ost-West) zu Wege gebracht.

Zu den lodernden Flammen auf den Plätzen gesellte sich ringsum ein Lichterkranz der Höhenfeuer, die auf Hügeln und Bergspitzen, auf den Wiesen vor den Dörfern und bis hinauf auf die höchsten Gebirge der Alpen brannten und ihre Spuren noch in manchen Berg- und Flurnamen (Sonnwendstein, Sunnawendkogel, Sunnwetpeunt und anderen) hinterlassen haben.

Schon aus dem Mittelalter wissen wir ferner, dass gewisse Kräuter Beifuß und Rittersporn wird viel genannt, ins Feuer geworfen werden. Der Reigentanz ums Sonnwendfeuer, es sind noch etliche Johannisreigen in Wort und Weise erhalten, war in vielen Orten schon früh nachweisbar üblich. Auch von der Feuergefährlichkeit dieser Sitten haben wir Beispiele erfahren. Das Schlagen der glühenden Scheiben, das unsere Kärntner und St. Lambrechter Bauernburschen in ausgezeichneter Weise verstehen, muss geübt sein und gewährt ein prächtiges Schauspiel.

Und wie alt der Brauch des Feuersprunges, des Scheibenschlagens, des Radrollens und des Besenschwingens ist, der in Bauerngemeinden vielleicht noch in Kärnten, Salzburg und Steiermark geübt wird, ist bekannt:
Im Gleinalmgebiet kennt man das „Sunnawend-Raachen“.
In der Weizer Gegend werden die Haustüren am Johannisvorabend auch mit Birkenzweigen geschmückt.
In der Untersteiermark wird ebenfalls Farnkrautsamen gesammelt und nach der Farnkrautblüte geforscht.
In Lebing bei Hartberg gibt es am Johnnistage einen „Johannikirta“, und an der Erzbergspitze war früher an diesem Tag das große Kreuzfest mit Gottesdienst und Tanz im Freien. Krapfen und Hollerstrauben-Backen im Ausseerischen.
Der „Johanni-Met“ verleiht Schönheit und Kraft.
Vielenorts ist seit dem Mittelalter auch das Verbrennen einer Strohpuppe im Sonnwendfeuer üblich gewesen. Nicht nur in Deutschland, auch bei uns in den Alpenländern, wo die Vogelscheuche „Tattermann“ genannt wurde. Noch im 18. Jahrhundert zog beispielsweise die ganze Grazer Bürgerschaft mit einem solchen Tattermann in langer Prozession in die Karlau, wo dann die Puppe im Johannisfeuer verbrannt wurde. Es ist das ein Brauch, der ähnlich wie Todaustreiben, Winterverbrennen und anderes auf einen alten Abwehrzauber gegen feindliche Mächte zurückgeht.

Das Sonnwendfeuer soll überall so begangen werden, wie es in der betreffenden Gegend im üblich ist. Zumindest Besinnung, Ernst und Fröhlichkeit gehören zu altem Brauchtum. Ein Brauch ist kein Festwiesengetriebe mit Tingetangel oder Showeffekten.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 06.06.2017 | 14:49   Melden
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eva krawanja aus Bruck an der Mur | 06.06.2017 | 17:48   Melden
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