14.07.2016, 14:17 Uhr

Ein schlimmes Jahr

Das Jahr 1960 war ein Schaltjahr, das nicht nur wettermäßig seinem schlechten Ruf gerecht wurde. Im ersten Halbjahr ging es durch verheerende Naturereignisse ziemlich turbulent zu:

Februar 1960:
Eine Kältewelle sucht die USA heim. 25 Menschen erfrieren.
Gleichzeitig erlebt Argentinien eine Hitzewelle mit Durchschnittstemperaturen von plus 40 Grad Celsius.
Eine Bienenhütte des Besitzers Anton Paulitsch wurde in Pößnitz (Bezirk Leibnitz) von einem Sturmwind über einen Abhang geschleudert und mit zehn Bienenvölkern zerstört.

April 1960:
Im Ottersbachtal spielt der Aprilfrost von 1960 den Besitzern von Pfirsichkulturen übel mit.

Mai 1960:
Das bis dahin schwerste Erdbeben der Menschheitsgeschichte verwüstete am 22. Mai 1960 die chilenische Küste. Das Beben dauert 3 Minuten und hat die unglaubliche Stärke von 9.5 nach Richter. Der Erdboden sei plötzlich wie eine Seifenblase in die Höhe gestiegen, um dann teilweise bis zu 300 Meter tief einzusinken. Weite Teile Südchiles sind total verwüstet. Schwere Tsunamis verwüsten weltweit die Küstengebiete. Vulkantätigkeit und Springfluten fordern schätzungsweise zehntausend Opfer. Nach Augenzeugenberichten seien zwei Vulkane entstanden, eine ganze Stadt im Meer versunken.
Das Leibnitzer Wetter vom 1. bis 29. Mai 1960: Höchste Temperatur am 17. mit plus 29.2 Grad C., tiefste am 2. mit minus 1.6 Grad C. Wärmster Tag war der 19. Mit 23.1 Grad C. Tagesdurchschnitt. Kältester Tag war der 1. mit 5.4 Grad C. Tagesdurchschnitt. Monatsmittel der Temperatur 14 Grad C. (12jähriger Durchschnitt: 14.5 Grad C.)

Juni 1960:
Anfang Juni 1960 trifft eine Unwetterserie nicht nur die gesamte Steiermark, sondern auch andere Länder.
Heftige Unwetter in vielen Teilen Portugals haben sechs Todesopfer und mehrere Verletzte gefordert. Die wolkenbruchartigen Regenschauer haben schwere Überschwemmungen angerichtet. Das Wasser steht stellenweise einen Meter hoch. Telefon- und Telegrafenverbindungen wurden unterbrochen.
Über dem oberen Murtal ging ein schweres Gewitter nieder, wobei der Blitz in das Wirtschaftsgebäude des Besitzers Maximilian Ehgartner in Baierdorf bei Neumarkt einschlug. Das Objekt wurde durch das Feuer bis auf die Grundmauern vernichtet. In der Nähe der Diktlhube bei Neumarkt wurden von einem Blitz sechs Rinder, die unter einer Fichte Unterstand gesucht hatten, getötet.
In einem Hochwald im Mugelgebiet in Niklasdorf, Bezirk Leoben, wurden durch Blitzschlag drei trächtige Kalbinnen und zwei Jungochsen des Besitzers Leopold Oberer aus Niklasdorf getötet.
Im Gemeindegebiet Fladnitz auf der Teichalpe, Bezirk Weiz, wurden auf der Greithbauernwiese zwei Ochsen und eine Kuh und auf der Hubenweide ein Pferd durch Blitz erschlagen.
Über dem Laintal, in der Gemeinde Hanfning, ging ein schweres Unwetter nieder. Der Lainbach trat bei Trofaiach aus seinen Ufern und überschwemmte das Gehöft der Besitzerin Isabella Brandl.
Auch der Schließerbach in Hinterradmer vermurte die Gemeindestraße beim Gehöft des Besitzers Christian Reitbauer mehrere Wiesen und gefährdete den Bauernhof selbst.
In Prentlgraben, Gemeinde Proleb bei Leoben, ging am Montagnachmittag ein wolkenbruchartiger Gewitterregen mit Hagelschlag nieder.
Über Teile der Gemeinde St. Nikolai ob Draßling, Bezirk Leibnitz, ging ein schweres Unwetter mit Hagelschlag nieder. An den landwirtschaftlichen Kulturen entstand ein Schaden von bis zu 50 Prozent.
Ein Blitz schlug in den Turm der Ortskapelle in Maierhofen, Bezirk Fürstenfeld, ein. Der Turm geriet in Brand und wurde vom Feuer vernichtet.
Sechs Jungrinder wurden während eines Gewitters von einem Blitz getötet, der in den Stall der Hütte der Niederalm einschlug. Die Sennerin Maria Rupprechter, die sich in einem benachbarten Raum befand, wurde einige Meter durch die Luft geschleudert, trug aber außer einem Schrecken keinen weiteren Schaden davon.
Von einem Blitz getroffen und getötet wurde ein Landwirt aus Gols. Er war von einem aus drei Richtungen heranziehenden Trockengewitter überrascht worden.
Über dem Gebiet der Gemeinde Pöttschnig, Bezirk Mattersburg, ging ein wolkenbruchartiges Gewitter nieder. In kurzer Zeit standen die Hauptstraße und der Großteil der im oberen Ortsteil liegenden Gehöfte bis zu einem Meter unter Wasser.
Auch in den Gemeinden Neutal, Draßmarkt und Kaisersdorf, Bezirk Oberpullendorf, entlud sich ein heftiges Gewitter, so dass die öffentliche Kanalisation die gewaltigen Wassermassen nicht fassen konnte und dadurch die Bundesstraße 50 bis zu 30 Zentimeter unter Wasser gesetzt wurde.
Über Manila geht ein Regen mit hohem Schwefelgehalt nieder, der einen starken Schwefelgeruch verbreitet. Dafür verantwortlich gemacht wird unter anderem der Ausbruch einer ganzen Reihe südamerikanischer Vulkane mit außergewöhnlicher Gewalt.

Juli 1960:
Während eines Gewitters fuhr ein 16jähriger Hauptschüler aus Gleisdorf mit seinem Fahrrad durch die Friedhofgasse. Da schlug plötzlich in der nächsten Nähe ein Blitz ein, der Bub geriet in den Stromkreis und durch den Schock setzte sein Herz aus. Obwohl innerhalb kürzester Zeit zwei Ärzte am Unfallort eintrafen und sich gemeinsam mit aller Anstrengung um das junge Leben bemühten, blieb jede Hilfe umsonst. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.
In Eisenerz wurde von Kraftfahrern am Rande der Präbichlstraße der 65 Jahre alte Rentner Josef Kuhn aus Graz tot aufgefunden. Kuhn, der mit seinem Moped nach Leoben unterwegs war, dürfte sich wegen Übermüdung an den Straßenrand gesetzt und dabei einen Hitzschlag erlitten haben.
Ein Meteorit gibt in Graz im Juli 1960 ein Himmelsschauspiel.
Ein Taifun hat im Juli 1960 mit verheerender Gewalt die Philippinen heimgesucht. Nach den ersten Berichten haben 127 Menschen den Tod gefunden, mehr als 40 werden noch vermisst. Wenigstens 10.000 sind obdachlos geworden. Die Nachrichtenverbindungen sind weitgehend unterbrochen. Ein italienischer Frachter ist im Hafen von Albany gesunken.
Über einundzwanzig Dörfer in Südjugoslawien gingen fürchterliche Unwetter nieder, wobei über 40 Deka schwere Hagelschlossen Riesenschäden an Häusern und Dächern anrichteten.
1960 Julischnee im Erzgebirge. Erstmals seit Menschengedenken gab es auf dem Fichtelberg im Erzgebirge an einem Julitag Schnee. Schneeflocken fielen so dicht wie im Winter. Auf dem 1214 Meter hohen Gipfel tobte gleichzeitig ein schweres Gewitter, die „Julitemperatur“ sank auf ein Grad über Null.
Schwere Unwetter, die Anfang Juli 1960 über Italien wüteten, forderten mehrere Tote und Verletzte. Ein Blitzschlag, der eine Gruppe von Pilgern auf dem Monte Salto bei Cuneo traf, tötete vier Pilger. 30 weitere werden verletzt. Etwa 2000 Pilger hatten den 2400 Meter hohen Berg bestiegen, um auf dem Gipfel eine Marienstatue aufzustellen. Bald brach ein Unwetter los, und ein Blitz schlug in ein großes Holzkreuz, unter dem eine Gruppe von Pilgern Schutz gesucht hatte.
Durch ein Erdbeben, das im Raum Eisenkappel verspürt wurde, stürzten in der Trogener Klamm etwa 1000 Kubikmeter Felsen auf die Straße nieder. Der Verkehr war dadurch etwa zwei Stunden unterbrochen. In der Stadt Terni, rund 100 km nordöstlich von Rom, kam es zu einem heftigen Erdbeben. Dumpfes Grollen zeigte den Beginn der Erdstöße an. Einige Schornsteine stürzten ein, doch wurde niemand verletzt. Zahlreiche Einwohner, stürzten von Panik ergriffen, auf die Straße. Schrecken und Panik herrschten in Sizilien: der Ätna, der größte Vulkan Europas, war unter wildem Donnern ausgebrochen. Aus dem mittleren Krater des schneebedeckten Vulkans schoss eine Wolke heißer Asche und glühender Lava. Die Sonne verschwand, während der Aschenregen niederging.
Von schweren Gewitterstürmen wurden Anfang Juli 1960 in den Vereinigten Staaten die Ortschaften zwischen Neu-England und Colorado heimgesucht. In Morehead im Staat Kentucky wurden 100 Familien durch Überschwemmungen aus ihren Wohnungen vertrieben, nachdem es innerhalb einer Stunde 85 Millimeter Regen gefallen waren. In Denver, im Bundesstaat Colorado, lagen nach einem Gewitter Hagelkörner in Erbsengröße 15 Zentimeter hoch in den Straßen, während ein viertelstündiger Regen in der ganzen Umgebung Keller unter Wasser gesetzt hatte.
Ein überaus schweres Erdbeben, dessen Zentrum im Gebiet der äußeren Aleuten lag, registrierten die Seismographen der Universität Kalifornien.
Die Funkverbindungen auf der ganzen Welt waren Ende Juli 1960 unterbrochen. Schuld daran ist das Auftreten riesiger Eruptionen auf der Sonnenoberfläche.

Diese Aufzählung von Naturereignissen ist nicht erschöpfend, gibt aber doch eine Vergleichsmöglichkeit mit dem bisherigen Verlauf des Jahres 2016.
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.