01.11.2016, 15:08 Uhr

Erdbeben in der Steiermark

Vor Erderschütterungen ist kein Ort der Welt sicher, auch nicht die Steiermark. In unserer Gegend ist allerdings die Wiederkehrs-Periode wesentlich länger, als z. B. in Italien. Im Jahre 1885 kam es in der Gegend von Laibach zu einem schweren Erdbeben, das unsere Heimat ebenfalls verspürte. Das Epizentrum lag in Kindberg. Das Grazer Volksblatt vom 1. Mai 1885 berichtete darüber:

"Graz, 1. Mai 1885. Heute Nacht 12 Uhr 21 Minuten erfolgte eine heftige, mehrere Sekunden dauernde Erderschütterung. Wir haben noch keine wissenschaftliche Erörterung über das Ereignis erhalten können und berichten darum nach anderweitigen Beobachtungen. Ein Wasserglas, das unten nass war, bewegte sich nach vorwärts und ließ eine nasse Straße hinter sich; die Richtung der letzteren wurde durch die Bussole als eine von Südwest nach Nordost gehende bestimmt, was auch die Bewegungen bestätigen, welche die im Bett liegenden Bewohner machten, die je nach Richtung des Bettes entweder rutschten oder nach links oder rechts geschüttelt wurden. Die Erschütterung war eine sehr starke und hätte sich in dieser Stärke nicht wiederholen dürfen, ohne größeres Unheil anzurichten. Sie war mit einem gewaltigen donnerähnlichen Rollen begleitet und bewirkte ein unheimliches Krachen und Bersten in den Wohnungen; natürlich auch Gläsergeklirr, Stehenbleiben von Pendeluhren usw. Die Schwingungen waren so stark, dass einzelne Personen aus dem Bett fielen, die Kinder zu weinen begannen; selbst erwachsene Leute von Bangen erfüllt wurden.

Berichte, die wir von Andritz erhalten, scheinen darzutun, dass die Erdrevolution dort sich noch heftiger äußerte als in der Stadt. Ein Ofen wurde umgeworfen, ein Gebäude „wackelte“, die Leute flohen aus den Häusern, Dachziegeln flogen von den Dächern. Eine Frau wurde vor Schrecken krank.

Am Graben machte man die Beobachtung, dass die Amseln im Freien ängstlich pfeifend herum zu flattern begannen.

Semriach. 1. Mai 1885. Heute Nacht 12 Uhr 35 Minuten wurden die meisten Leute vom tiefen Schlafe durch eine kurze Zeit andauerndes mit heftigem Geräusch verbundenes Erdbeben geweckt.

Birkfeld. 1. Mai 1885. Heute halb ein Uhr nachts starke Erderschütterung in der Dauer von 10 Sekunden; Zimmer-Einrichtungen gerieten in heftige Schwingungen, das unheimliche donnerähnliche Rollen bei klarem Himmel nach die Richtung von West nach Ost.

Deutschlandsberg. 1. Mai 1885. Halb 1 Uhr Früh wurde ein Erdbeben wahrgenommen.

Bruck an der Mur. 1. Mai 1885. Heute Nacht 12 Uhr 16 Minuten verspürten wir ein Erdbeben mit bedeutendem unterirdischen Geräusch.
1. Mai 1885 um 10 Uhr 50 Minuten vormittags wird aus Bruck berichtet: Das neue Schulhaus in Kindberg wurde derart erschüttert, dass die Schulsperre verfügt wurde.
In Wartberg wurde das Kreuz auf dem Kirchturm gelockert.

Leoben. 1. Mai 1885. Heute genau halb 1 Uhr nachts erschreckte uns ein Erdbeben von bedenklicher Vehemenz. Es dauerte gut fünf Sekunden unter starker Detonation, und scheint die Bewegung eine westliche Richtung verfolgt zu haben. Die Möbel ächzten förmlich, Geschirre schlugen klirrend aneinander, der aufgespannte Deckel meines Waschkastens wurde zugeworfen.
Heute halb 1 Uhr Früh wurde Schreiber dieser Zeilen durch eine heftige Erschütterung und starkes Dröhnen des Erdbodens aus dem Schlaf geschreckt, ein mehrere Sekunden andauerndes Senken und Heben des Erdbodens, welches die Fenster klirren und die Zimmergegenstände krachen machte, ließ auf ein Erdbeben schließen; nach dem Hörensagen soll diese Erscheinung in ihrer Heftigkeit bis Knittelfeld hinauf verspürt worden sein, und gab sich dasselbe auch durch Herabfallen von Dachziegeln kund. Vor der Geißel des Erdbebens bewahre uns o Herr!

Mautern. 1. Mai 1885. Erdbeben. In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 1885, 12 Uhr 20 Minuten, fand hier ein mit zwei heftigen Erdstößen beginnendes, ondulatorisches Erdbeben statt, welches 8 bis 10 Sekunden andauerte und von starkem, dem Rollen eines nahen Donners vergleichbarem Getöse begleitet war. Der Boden war hiebei in so heftiger Wellenbewegung, dass die Dielen des hölzernen Plafonds krachten, die Gläser auf dem Tisch klirrten und die Möbel im Zimmer aneinander stießen.
Heute nachts 12 Uhr 20 Minuten momentane, jedoch namhafte Erderschütterung, sodass Fenster und Uhrfedern klirrten.

Kathrein in der Laming. 1. Mai 1885. Um 12 Uhr 25 Minuten gewaltiges, lang anhaltendes Erdbeben. Scheinbare Richtung von SSW nach NNO. Schäden sind nicht bekannt.

Wartberg im Mürztal. (Telegramm an das „Grazer Volksblatt“.) 1. Mai 1885, um 12 Uhr 16 Minuten nachts heftiger Erdstoß. Richtung Nord nach Süd. Die Kirche hat wenig, der Pfarrhof sehr stark gelitten, das Schulhaus gleicht einer Ruine.
Giebelmauern und Rauchfänge sind häufig gestürzt; zahllose Risse an jedem Haus.
Spital am Semmering. 1. Mai 1885. Heute Nacht 12 ¼ Uhr ein starkes Erdbeben; zuerst ein Stoß, dann eine wiegende Schaukelbewegung in der Richtung von Süd nach Nord, die zehn Sekunden anhielt, begleitet von einem gewissen Knirschen und Ächzen der Gebäude.

Weiz. 1. Mai 1885. Heute nachts um 12 Uhr 15 Minuten morgens wurde hier ein sehr heftiges Erdbeben und donnerähnliches Rollen wahrgenommen.

Gleisdorf. 1. Mai 1885. Heute nachts um 12 Uhr 20 Minuten wurde ein 10 Sekunden dauerndes starkes Erdbeben wahrgenommen. Die Bewegung war stoßweise von Nord nach Süd. Möbel wurden von der Stelle gerückt, auf Stellagen befindliche Gegenstände herabgeworfen, Fenster und Türen mit Getöse geschüttelt und die Stubenvögel flatterten in den Käfigen.

Gradenberg. 1. Mai 1885. Heute nachts 12 Uhr 20 Minuten wurde eine heftige, wellenförmige etwa fünf Sekunden andauernde Erdbewegung in der Richtung von Ost nach West wahrgenommen.

Deutschlandsberg. 1. Mai 1885. Das Erdbeben verursachte Sprünge an Hauswänden. Der Mörtel fiel vielfach ab. Das Beben wurde um 12 Uhr 20 Minuten wahrgenommen.
Übelbach. 1. Mai 1885. Heute nachts um 12 Uhr 20 Minuten wurde hier eine heftige, mit großem Getöse verbundene Erderschütterung in der Dauer von sechs Sekunden verspürt.

Krieglach: 1. Mai 1885. Um 12 Uhr 16 Minuten [nachts] Bahnzeit wurde ein heftiger Erdstoß in der Richtung von Südwest nach Nordost verspürt. Rauchfänge stürzten ein, Mauern zersprangen. Die Haustiere zeigten sich aufgeregt.

Mürzsteg. 1. Mai 1885. Um 12 Uhr 15 Minuten [nachts] wurden hier sehr heftige Erdstöße von West nach Ost verspürt-.

Burgau. 1. Mai 1885. Heute nachts um 12 Uhr 25 Minuten wurde hier eine heftige Erderschütterung wahrgenommen.

Köflach 1. Mai 1885. Heute nachts 12 Uhr 15 Minuten wurde ein ziemlich starkes Erdbeben mit unterirdischem donnerähnlichen Rollen in der Richtung Nordost nach Südwest wahrgenommen. Mondhelle Nacht. Barometer 736. Thermometer + 7 Grad R. (+ 8.75 Grad C.)"

Nach den Schadensmeldungen scheint es sich in der Steiermark um ein Beben von mindestens Stärke 5 nach der Charles Richter Skala gehandelt zu haben. Das schwere Erdbeben von Laibach 1885 veranlasste die Akademie der Wissenschaften im Kaiserstaat Österreich eine Erdbeben-Commission einzurichten.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 01.11.2016 | 16:28   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 02.11.2016 | 14:23   Melden
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