08.09.2016, 18:41 Uhr

Erinnerungslücken

In einer Zeitschrift, genannt die „box“, las ich einen Beitrag über das 50. Weinlesefest in Gamlitz. In einem Artikel stellt der Autor oder die Autorin die Vermutung an, wie das traditionelle Ehrenhausener Traubenfest nach Gamlitz gekommen sei. Schuld daran habe ein Schlossbrand gehabt, der zu dieser Zeit sich ereignet habe. Diese Mutmaßung ist nicht zutreffend, denn die verheerende Brandkatastrophe, deren Beginn ich selbst beobachtete, fand am 31.August 1953 statt.
Das Traubenfest 1967 fand deswegen nicht in Ehrenhausen statt, weil ein verheerender Hagel im Grenzland die Traubenernte vernichtete. Das Weinlesefest 1967 im Dorf Gamlitz war eine selbständige Veranstaltung, die nicht auf die Fortführung traditioneller Ehrenhausener Herbstveranstaltungen durch die Gamlitzer abzielte.
Schon im kommenden Jahr setzten die Ehrenhausener Veranstalter ihr Traubenfest fort. Mit einem großartigen Umzug von 38 Wagen mit szenischen Darstellungen aus dem Leben der Winzer geschmückt und 1500 geladenen Sängern zeigte Ehrenhausen 1968 groß auf.
Die Gamlitzer Funktionäre mussten für das Weinlesefest 1967 Lehrgeld im wahrsten Sinne des Wortes bezahlen! Schöne Feste bergen auch organisatorische Probleme. Das schöne Oktoberwetter brachte eine hohe Besucherzahl und den Veranstaltern war ein erheblicher Gewinn beschieden. Das Kopfweh kam erst nach dem Abrechnen der Eintrittskarten: Ein einheimischer Kartenverkäufer war mit Eintrittsgeld für 100 Karten verschwunden, was ihm 12 Monate Kerker eintrug. Als die Gendarmerie ihn festnahm, hatte er die 1000 Schilling längst verzecht. Ob die Gamlitzer sich noch daran erinnern?
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