30.01.2018, 16:00 Uhr

Fern der Heimat

Der erste September ist jener Tag, an dem der Zweite Weltkrieg, als Fortsetzung des Ersten sozusagen, 1939 über die Welt hereinbrach. Auch die Steiermark blieb davon keineswegs verschont. Viele sollten ihr Leben verlieren oder lange Jahre in Kriegsgefangenschaft schmachten, um dann mit Leid geschlagen, in die Heimat zurückzukehren. Wie Erich Maria Remarque resümierte, tötet der Krieg auch jene, welche die Granaten überleben. (Im Westen nichts Neues).
Die Leidensfähigkeit der Steirerinnen und Steirer wurde auf eine harte Probe gestellt. Trotz der Tragik, oder vielleicht gerade deswegen, blieben kuriose Situationen nicht aus, das zumindest erbrachten Recherchen.

Rollentausch: 
Schon während des Ersten Weltkrieges spielte sich in der Weststeiermark eine groteske Geschichte ab: eine Bäuerin aus der Umgebung von Schwanberg, deren Mann im Osten seine soldatische Pflicht erfüllte, so schrieb ein zeitgenössisches Blatt, erhielt einen kriegsgefangenen Russen als Unterstützung für die schwere Landarbeit zugewiesen.
Eines Tages erhielt diese Bauersfrau eine Nachricht von ihrem im Krieg vermissten Ehegatten, der zwar lebte, sich aber in Gefangenschaft im Zarenreich befand. Der Bauer schrieb seinem Eheweib nach Schwanberg, er habe Glück gehabt, auf einer Landwirtschaft als Aushilfe unterzukommen, dessen Besitzer ebenfalls im Fronteinsatz stünde. Es ginge ihm gut, weil ihm seine russische Arbeitgeberin gut verpflege.
Voll Freude zeigte die Schwanbergerin „ihrem“ Ostarbeiter das schriftliche Lebenszeichen ihres Mannes. Als der Kriegsgefangene den Brief näher betrachtete, bzw. die Adresse las, geriet, der sonst schwerfällige Charakter des Osteuropäers, in Aufregung: Der Mann der Bäuerin lebte und arbeitete ebenfalls als Gefangener auf seinem Hof in Ukraine. Ob er den Antipoden jemals persönlich traf, ist nicht überliefert.

Emanzipation als Kriegsfolge: 
Eine anderes Phänomen, das alles andere als kurios ist, trat während des Krieges auf, und zwar die psychische Belastung, welche die Trennung der Ehepaare hervorrief. Frust schlägt sich in der Kriegskorrespondenz nieder. Das war aber nicht in jeder Beziehung der Fall. Wie ein deutsches Blatt berichtet, hätte manche Soldatenfrau die Abwesenheit ihres Gatten genutzt, sich zu emanzipieren.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 30.01.2018 | 16:44   Melden
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 30.01.2018 | 18:12   Melden
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eva krawanja aus Bruck an der Mur | 30.01.2018 | 18:43   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 31.01.2018 | 12:15   Melden
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