07.09.2016, 14:57 Uhr

Fleischnot

In Deutschland löste der neu beschlossene Zivilschutzplan einige Unruhe aus, der eine Bevorratung mit den wichtigsten Haushaltswaren vorsieht. Auch der steirische Zivilschutzverband rät die Steirerinnen und Steirer, sich mit Artikeln des täglichen Bedarfs einzudecken, weil es keine Notfalllager mit Grundnahrungsmittel irgendwo gibt. Vor rund hundert Jahren traten ebenfalls kriegsbedingt gewaltige Versorgungsprobleme auf, welche die Behörden mit Rationierungsmaßnahmen zu lösen versuchten. Eine solche Maßnahme war die Fleischverordnung:
Laut „Grazer Tagespost“ vom Sonntag, den 1. April 1917 ersucht die Genossenschaft der Fleischauer um die Mitteilung, dass gestern unter die Mitglieder kein Vieh aufgeteilt wurde. Nur zwei Fleischhauer erhielten je ein Stück für die Spitäler. Gestern hätten 40 Rinder eintreffen sollen. Da die Mittwoch aufgeteilten 150 Stück nahezu aufgebraucht sind, wird heute nur sehr wenig Fleisch zu haben sein. Man hofft, dass Montag wieder eine Viehsendung eintreffen wird.
Der Leibnitzer Gemeinderat beschließt eine Lebensmittelkontrollstelle einzurichten und von 6. bis 12. Oktober 1919 eine fleischlose Woche anzuordnen. Weitere fleischlose Wochen, und zwar vom 26. März bis 2. April 1920 und vom 5. Mai bis 21. Mai 1920 folgen.
Nach einiger Zeit besserte sich das Warenangebot, doch die Bevölkerung hungerte weiter, denn die Leute verloren wegen der Weltwirtschaftskrise bald ihre Arbeitsplätze.
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