27.04.2016, 13:13 Uhr

Frostschutz für landwirtschftliche Kulturen

Vor zweihundert Jahren kam es im steirischen Wein- und Obstbaugebieten zu verheerenden Frösten. Im Kärntner Lavanttal kam der Weinbau ab. Die Behörden reagierten mit Maßnahmen:
Seit den unvergesslichen Missjahren 1814, 1815, 1816, nachdem die verheerenden Folgen der Fröste sowohl auf Getreide, als auf Wein und Obst sich so schädlich gezeigt haben, ist aus freiem Antrieb der Landbevölkerung in Zusammenarbeit mit den Bezirksgerichten ein allgemeines Räuchern bei bevorstehenden Reifen sowohl im Frühjahr als im Herbst (des Heidens wegen) auf nachstehende Weise eingeführt und bisher allgemein durchgeführt worden.
Alle Gemeinderichter [Ortsvorstände] wurden belehrt und beauftragt, in ihrer Gemeinde zu dieser Zeit die Gemeindeinsassen zu bewegen, dass sich jedes Haus altes Holz und Reisig bereit halte, um auf ein gegebenes Zeichen dieses anzuzünden und mit Rasenstücken, etwas Dünger, oder andere nicht leicht brennende Sachen, die entfachten Feuer zum stärkeren Rauchen zu bringen.
Wenn man zur Zeit des ersten Triebes der Weinstöcke und der Obstblüte (Ende April oder Anfang Mai), oder zur Heidenblütezeit im September abends das Thermometer auf 4 Grad über Null herabsinkt, die Luft klar und heiter und der Himmel ohne Wolken ist, so wird vom Bezirksgericht jemand angewiesen, bei der Nacht oder vielmehr am frühen Morgen (um 3 Uhr) Acht zu geben, und, wenn das Thermometer nicht gestiegen ist, sondern 4 Grad oder noch weniger Wärme zeigt und der Himmel nicht bewölkt ist, so wird mit der Kirchturmglocke geläutet, und es werden auch einige vorbereitete Böller abgeschossen. Hierauf läuten im ganzen Tal die Kirchturmglocken, als Zeichen das mit dem Reifheizen zu beginnen ist und die Ortsrichter achten auf die tatsächliche Durchführung.
Dieses allgemeine Heizen mit kleinen Feuern erfüllt die Luft bis 9 Uhr und noch länger mit einem Nebel von Rauch, wodurch die Kulturen sowohl vor dem Reif als auch den sengenden Sonnenstrahlen geschützt werden.
Man kann im Großen eine sehr erfreuliche Wirkung beobachten und der Schutz der Kulturen ist mit wenig Mühe für den Einzelnen verbunden.
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