03.11.2016, 16:12 Uhr

Geistergeschichten aus dem Geisttal

Die Bezeichnung dieses abgelegenen Tales geht nicht auf die Ziegenhaltung zurück. Der Name lässt sich aus dem Keltischen herleiten, als einen Ort mit außergewöhnlicher spiritueller Kraft. Vor 1173 nannte man das Tal „valle spiritus sancti“. In späteren Zeiten besaß das Stift Rein in dieser Gegend großen Einfluss. So hat auch der nahe „Münichhof“, ein Landgut, von seinen Namen von den Reiner Mönchen. Über das Tal kursieren etliche Geistergeschichten.

Es spukt im Münichhof:

Vor rund zweihundert Jahren sorgten außergewöhnliche Vorkommnisse in dem Münichhof für Aufsehen, die Tagesgespräch in der ganzen Steiermark waren. Schließlich begann sich sogar Erzherzog Johann für die Spukgeschichten zu interessieren. Der Verwalter des Eisenwerkes Kainach, Josef von Aschauer verfasste darüber „zum ewigen Gedächtnis“ folgenden Bericht:
Gegen Mitte Oktober 1817 begann es im Erdgeschoss. Es flogen in der Dämmerung kleine Steinchen durch die Luft, dann größere, bis das Treiben am 24. und den darauffolgenden Tagen ganz unheimliche Formen annahm.
„Es warf die Sechtsteine (Steine von 4 bis 10 Pfund Gewicht, die zum Erwärmen des Wassers heiß gemacht wurden), die unter einer Bank lagen, heraus und durch das gerade gegenüberstehende Fenster hinaus. Ein Wurf, den keine Kunst hervorbringt. Es fing aber nun an, alle in der Küche mobilen Gegenstände zu werfen, ohne Unterschied, ob solche aus Metall, Holz, Erde oder was immer waren, mit Wasser volle Schäffer usw., zerschlug oder zerwarf alle Küchenfenster. Viele der geworfenen Gegenstände, die vermöge ihrer Schwere und damit verbundenen unbegreiflichen Geschwindigkeit alles zerschlagen, durchstoßen und erst weit außer den Fensterscheiben hätten niederfallen sollen, blieben in den Fenstern stecken, oder fielen, wie augenblicklich entkräftet, senkrecht zu Boden, ohne das Fenster zu beschädigen, obwohl selbes tüchtig getroffen wurde. Man musste alles Mobile gleich aus der Küche schaffen, denn es stürzten die gusseisernen Töpfe, welche bei 12 Maß (rund 18 Liter) hielten, am Feuer um. Es wurden auch Menschen von den Würfen am Kopfe getroffen, aber ungeachtet der außerordentlichen Wurfgeschwindigkeit empfanden selbe doch auch von größeren Steinen keinen Schmerz, sondern nur eine leise Berührung und die Körper fielen nach dieser senkrecht nieder. Es waren aber nicht nur ein oder zwei Menschen, sondern fünfzig bis sechzig gegenwärtig. Am 1. November stand ich mit zwei Personen in der Küche, als ein großer eiserner Schöpflöffel mit einem sehr langen Stiele im Gewichte von etwa 12 Lot (rund 21 dag) aus seinem durchlöcherten Brette heraus und neben mir stehenden vulgo Koglbauer zum Kopf flog, von da aber senkrecht herunter fiel. Ich fragt ihn, um die Wirkung, die Masse und Geschwindigkeit, welche unglaublich groß war, hätte bedeutend sein sollen, aber er beteuerte, nur eine leise Berührung empfunden zu haben. Die ganze Erscheinung war nicht mit dem mindesten Laut oder Geräusch oder Leuchten verbunden. Später wurden die Erscheinungen geringer, zwar wurden wieder viele Fenster eingeworfen mit Töpfen und Steinen, aber man konnte doch dadurch, dass man die beim Feuer stehenden Geschirre mit der Hand hielt, kochen, denn bei der früheren größeren Wirkung hatte es auch viele Gegenstände den Menschen aus den Händen geschlagen. Gegen halb vier Uhr nachmittags stand ich ganz rückwärts in der sechs Klafter (rund 11 Meter) langen Küche und auf der mir entgegengesetzten Seite war eine große Schüsselrehm (Schüsselbord), zwischen mir und dieser Rehm, die ich aber in Augen hatte, war kein Gegenstand. Plötzlich sah ich die größte kupferne, mit einem eisernen Reif umgebene Schüssel für etwa 10 Personen sich bewegen und blitzschnell fast in horizontaler Richtung gegen mich fliegen, so zwar, dass ich nicht Zeit hatte, den neben mir Stehenden darauf aufmerksam zu machen. Sie flog zwischen unseren Köpfen hindurch, dass unsere Haare vom Wind (Luftzug) bewegt wurden, und fiel mit großem Geräusch zu Boden, aber am Anfang und während der Bewegung war nicht der mindeste Laut oder Zischen zu vernehmen, auch kein Leuchten oder eigentümlicher Geruch wurde wahrgenommen.“ Das rätselhaften Umherfliegen von Sachen gingen in der Küche weiter, nahmen aber an Zahl und Stärke ab, bis nach etwa drei Monaten nichts mehr davon zu bemerken war. Der Berichterstatter Verwalter Aschauer war als seriöser und gebildeter Mann bekannt, war aber nicht in der Lage die Sache aufzuklären. Auch eine später von Erzherzog Johann angeordnete Kommission konnte die merkwürdigen Ereignisse nicht erhellen.
Der Aberglaube erhielt 1933 wieder neue Nahrung als ein „Zauberspuk“ in einem Bauernhaus die Bewohner der Gegend von Geisttal in Aufregung versetzte und das Eingreifen der Behörde nötig machte.

Der Poltergeist vom Sattelgregor-Kogel

Auf der Anhöhe dieses Berges besteht eine prachtvolle Aussicht nach Osten auf Maria Lankowitz. Dort steht ein altes, einzelnes Bauerngehöft, das um 1840 weithin bekannt ist und viele Schaulustige anzieht, weil dort der Böse durch längere Zeit sein Unwesen trieb, was sich die Menschen noch hundert Jahre lang als allgemein bekannte Tatsache gegenseitig erzählen. Damals wohnte auf dem Bauernhof eine Familie. Sie bestand aus drei Personen; der Vater hieß Anton Sattjahr, die Mutter Eva, geborene Hassmann, der Sohn Johannes Baptist; alle drei galten als fromme, rechtschaffene Christen, besonders war der Hansl ein eifriger Diener an der Filialkirche zu St. Johann. Diese Familie sah sich unerklärlichen Vorgängen ausgesetzt. Durch nächtliches Gepolter und verschiedene Erscheinungen, mitunter auch durch „hässliche“ Stimmen, besonders vor hohen Festtagen. Der Sohn hatte in seiner Schlafkammer einen Altar aufgerichtet und mit einem Muttergottesbild, ähnlich dem Gnadenbild zu Maria Lankowitz; gegen diese Altar ließ der böse Feind (Teufel) am öftesten seinen Unmut aus und schrie auch manchmal: „Hinweg mit diesem Bilde“ usw. Viele Leute aus nah und fern gingen auf den Berg hinauf zu dem Bauernhaus, um ihre Neugier zu befriedigen. Von geistigen und weltlichen Behörden wurden Untersuchungen abgehalten, und auch mit höherer Erlaubnis Benediktionen abgehalten. Auf kurze Zeit war es ruhig, aber desto ärger fing dann der Lärm wieder an. Bald geriet der Sohn selbst in Verdacht, der Urheber dieser Unruhen zu sein, um vom Vater den Hof recht bald und billig zu bekommen und heiraten zu können; er wurde deshalb einige Wochen in Voitsberg eingesperrt, aber dann als schuldlos entlassen, weil auch während dieser Zeit die „Geistereien“ fortgedauert hatten. Die arme Familie musste viel aushalten und betete auch viel und eifrig in der Kirche Maria Lankowitz, um endlich einmal von den unheimlichen, lästigen Gepolter befreit zu werden. Es wurden dafür auch Messen in Maria Lankowitz gelesen. Vier lange Jahre dauerten das Rumoren bis endlich die langersehnte Ruhe kam. Genau so merkwürdig wie das Gepolter begann, sollte es auch enden. Die drei Hausbewohner erzählten gemeinsam folgende Geschichte: Sie waren an einem Vormittag in der Fastenzeit 1844 gemeinsam in der Stube mit Arbeiten beschäftigt; da klopfte es an der Tür, sie sagten: „herein“; die Tür ging auf aber niemand war zu sehen; sie hörten nur eine hohle Stimme sprechen: „Gelobt sei Jesus Christus!“ alle drei antworteten: „In Ewigkeit. Amen“. Der Geist sagte dann weiter: „Verzeiht mir, ich bin schuld, dass der böse Feind euch durch mehrere Jahre beunruhigt hat; ich bin Zimmermann in Gößnitz gewesen, habe Hans geheißen und bin 85 Jahre alt geworden. Hundertfünfunddreißig Jahre habe ich bereits im Fegefeuer gelitten und zwar aus diesem Grunde: so oft ich als Zimmermann irgend eine Arbeit vollendet hatte, habe ich den unseligen Spruch getan: „Ich bin nun fertig, jetzt, Teufel, kannst einziehen; ich hab das Meinige getan, tue du das Deinige.“ Diesen Ausspruch habe ich nicht für Sünde gehalten; deshalb wurde ich nach meinem Tode aus gerechter Strafe Gottes verurteilt, so lange im Feuer zu bleiben, bis alles, was ich gemacht habe, zu Grunde gegangen sein wird. Von allen Arbeiten ist bloß diese Stubentür mehr übrig. Der böse Feind hat diese letzte Zeit benützt, um sein Unwesen zu treiben, insoweit es Gott zugelassen hat. Ich bitte euch also, entfernt diese Türe und lasst zwei heilige Messen für mich lesen. Alle drei versprachen das. Alles wurde sogleich dem damaligen Guardian des Klosters P. Joseph Maria Mair berichtet. Die heiligen Messen wurden am Gnadenaltar gelesen; P. Guardian gab die Läden für die neue Stubentür; die alte wurde in der Nacht vor dem Ostersonntag als Frohfeuer verbrannt. Noch einmal erschien der Geist, dankte den guten Leuten und fügte bei, nun kann ich eingehen in die ewigen Freuden des Himmels. Und so geschah es auch?!

Die Familie erzählte diese Geschichte oft und beteuerte jedes Mal bei ihrem Seelenheil, die Sache hätte sich so zugetragen. Über Nachforschungen, ob es den 1624 geborenen und 1709 gestorbenen Zimmermann Hans aus Gößnitz tatsächlich gegeben habe, darüber wird nichts berichtet. Der Vater der Familie starb am 22. Juni 1861, 68 Jahre alt; der Sohn am 7. August 1863, 39 Jahre alt; die Mutter starb am 21. September 1866, 81 Jahre alt. Der Vater wäre 1793 geboren, die Mutter 1785, der Sohn 1824. Die Mutter war acht Jahre älter als der Vater und gebar einen Sohn als sie selbst das damals schon hohe Alter von 49 Jahre Lenzen. zählte. Als der „Poltergeist“ mit seinem Treiben begann, war der Sohn 16 Jahre alt, der Vater 47 Jahre und die Mutter 55 Jahre.

Waren Geister am Werk?

Die auf Betreiben von Erzherzog Johann eingesetzte Kommission, welche die Vorfälle in Geisttal untersuchte, soll die seltsamen Ereignisse einer Person zugeschrieben haben, die im betreffenden Haus lebte.
Im Jahre 2007 untersuchten Wissenschaftler zwei ähnliche Fälle, einen in Mannheim, den anderen in Rosenheim.
Von wackelnden, Lampen, ein- und ausgehenden Lichtern, sich selbst öffnenden Schubladen und sich von selbst bewegenden Gegenständen in einer Rechtsanwaltskanzlei in Mannheim wird berichtet. In Verdacht, diese Vorgänge zu verursachen, gerät eine Anwaltsgehilfin. Eine installierte Überwachungs-Kamera beweist, dass sich die Gegenstände heftig von selbst bewegen. Anne Schneider bewirkt das unbewusst mit ihren psychokinetischen Kräften, die mit Problemen verbunden sind, die starke Emotionen hervorrufen. Für undefinierte Geräusche und diffuse Erscheinungen kann Infraschall verantwortlich sein, der z. B von Ventilatoren verursacht wird und messbar ist.
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