24.10.2016, 17:09 Uhr

Jagdherren gegen Weinbauern

Dass Füchse zu den notorischen Traubendieben zählen, erwähnt bereits die Parabel des Reineke mit den unerreichbaren Weintrauben. Viel größere Schäden als der Traubenfraß verursachten die Verwüstungen durch Hochwild und Wildschweine, die Bauern und die adeligen Jäger gegeneinander aufbrachten.
Besonders in den Weingärten um Ligist schaden die Wildschweine durch Umbrechen des Bodens den Bauern sehr, wenn sie nachts zu 20, 30 Stück, große und kleine, einfallen. Die Bauern um Graz klagen sie müssten tagsüber hart roboten und nachts ihre Landwirtschaft bewachen, und wenn sie dann vor Müdigkeit einnickten, sei in einer kurzen Viertelstunde die Arbeit von Wochen vernichtet. Der Versuch der Bauern, sich vor durch Zäune und Hunde vor Wildschäden zu schützen, nützte wenig. Die Forstknechte rissen die Wildzäune der Bauern ein und erschossen die Wach- und Hofhunde. Der Salzburger Pfleger auf Deutschlandsberg meldete, einer seiner Weinbauer sei von den Forstknechten so schwer mit über hundert Stockstreichen geprügelt worden, dass er heute noch daran zu leiden habe. Solche Gewalttaten sprachen sich schnell herum; so war es unmöglich Personal für den Hüterdienst zu finden.
Die Klagen der Bauern blieben nicht nur erfolglos, sondern der Landesfürst erließ eine bizarre Verordnung über die Hundehaltung:
Schon 1568 hat Erzherzog Karl dem Wildern der Bauernhunde durch eine harte Maßregel abzuhelfen versucht, in dem er verfügte: „...und nachdem Uns eure Rüdenhunde das Wildprät verjagen, auch beschedigen, und Uns also unsern landesfürstlichen Lust verderben und zerstören, und uns aber solches lenger zuzusehen oder gedulden nit gemeint, so ist Unser ganz ernstlicher Befelch und wöllen, das euer Yeder seinen Rüdenhunden den rechten vorderen Fueß in dem ersten glied abhackt, und solches bey Peen fünfzehn Kreuzer von ydem Hund, dem also der Fueß nit abgehackth, nit underlaßt.“
Nach mehr als zweihundert Jahren erfolgloser Bittgesuche an die Landesherren, den Wildbestand unter Kontrolle zu bringen, griffen die steirischen Bauern zur Selbsthilfe. 1739 brach in der Obersteiermark und 1740 in der Untersteiermark unter dem Landvolk ein Aufstand aus, der in der Gleinstättner Chronik als „Hirschensturm“ bezeichnet wird. Der Name deutet daraufhin, dass der Hauptexzess im Zusammenschießen des Rotwildes bestand. Dass der jährlich wiederkehrende Wildschaden den Bauern sehr gedrückt haben mag, steht außer Frage. Auffällig ist nur, dass Militär zur Unterdrückung desselben aufgeboten werden musste. Was konnte eine solche Aufregung bei dem sonst so geduldigen steirischen Landvolk bewirkt haben?
Vielleicht wirkten zwei Momente, ein psychologisches und ein somatisches, mit. Die Verarmung, die das Landvolk durch die Rinderpest in den letzten Jahren traf, hatte alle Bauern gleich arm gemacht. Da die Steuern und Gaben nicht geringer werden, wachsen der Groll und die Verbitterung gegen die Herrschaften enorm an. Dazu kamen noch wetterbedingte Krankheiten und Mangelernährung sowie die ständige Angst vor der Pestgefahr. Die Folge war, wie bei gleichen Anlässen in den vorausgegangenen Jahrhunderten, die Neigung zu Zank, Rauferei und Rebellion.
Letzten Endes sühnten etliche Bauern mit ihrem Leben den Widerstand gegen die Staatsgewalt. Sie wurden mit dem Richtschwert vom Leben zum Tode befördert.
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