09.10.2016, 14:25 Uhr

Küchengeheimnisse eines Missionars

In den „katholischen Missionen“ erzählt Missionar Detten etwas über die mannigfaltigen Gaben, welche die kongolesische Tafel bietet: „An eigentlichem Wild findet man hier nur Holztauben, Turteltauben und einige Antilopen. Eines Tages hatte ich noch mehr Glück: Auf einem großen Baum saß ein dicker Affe, welcher gerade seinen Bart pflegte. Ein Schuss holte ihn herunter. Anfangs zögerte ich, ihn auf meine Schultern zu laden, so groß war sein Gewicht, indessen dachte ich, als Abwechslung sei er doch nicht zu verachten bei unseren täglichen Gerichten: Huhn und Ziegenfleisch. Mit nur wenige Ausnahmen taten die Tischgäste der Station dem Braten Ehre an. Das Ragout stand noch auf dem Tisch, als, von der Reise auf der langen Karawanenstraße ermattet, drei neu von Europa eingetroffene Agenten anlangten und mit wahrer Gier auf diesen „kostbaren Hasenpfeffer“ , wie sie es nannten, herfielen. Man ließ sie gern in den Glauben, als man ihren Appetit und Behagen sah. Der Erste, der sich endlich genug gütlich getan, fragte, ob man die vielen Hasen in der Ebene habe. Ein homerisches Gelächter war die Antwort. Aber um die Herren zu überzeugen, dass es wirklich Affe und nicht Hase gewesen, was sie verspeist, musste ihnen erst der Kopf des Affen vorgezeigt werden. Einer sprang darauf sofort auf und suchte das Weite – aber es wird sich schon machen mit der Zeit.

So gibt es hier noch mehr Leckerbissen, von denen man anfangs freilich zurückschreckt. So ist das Flusspferd beispielsweise ein ungeheuerliches Tier von vollendeter Hässlichkeit. Aber sein Fleisch ist vortrefflich, wenn es sich nicht gerade um ein zu altes Stück handelt. Selbstverständlich ist so ein Patriarch von hundert Jahren zähe (das Tier, das nur langsam wächst, erreicht ein hohes Alter), aber das Filet eines jungen Tieres ist so gut, wie das beste Rindfleisch. Die Füße, erst gekocht, dann in Zwiebeln gestopt, geben ein Gericht, das die Neger Mokoto nennen, und in welches der Weiße, wenn einmal gekostet, sich vernarrt. Das Flusspferd nährt sich nicht etwa , weil es sich im Wasser aufhält, von Schilfrohr, noch weniger von Fischen, wie ein Zimmer-Naturforscher einmal behauptete, vielmehr frisst es nachts am Lande wie das schlankste Reh zartes Gras und junge Baumsprossen. Vom Flusspferd zum Elefanten ist keine großer Schritt; beide Dickhäuter bewohnen dieselben Gegenden. Auf der französischen Mission in Brazzaville hatte ich einmal Gelegenheit, Elefantenrüssel zu essen. Der Gastronom Brillot-Savarin hätte sicher die Reise nach Afrika gemacht, wenn er dieses Gericht gekannt hätte, um daran sich einmal nach Herzenslust zu laben. Leider ist die Vorbereitung des Genusses etwas umständlich. Zunächst wird im Boden ein Graben gemacht, den man mit Holzkohlen ausglüht. In die noch glühende Grube oder Graben wird der Rüssel gelegt, mit Bananenblättern, einer Lage Sand und Kohlen bedeckt, die man 24 Stunden lang in Glut halten muss. Auch der Krokodilschwanz, lange Zeit gekocht und dann in Butter gebraten, ist – ich spreche aus Erfahrung – nicht zu verachten.
Wer bekommt da nicht Appetit?

Linzer Volksblatt vom 29. Mai 1896.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 09.10.2016 | 18:16   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 10.10.2016 | 16:47   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 10.10.2016 | 17:12   Melden
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