18.11.2010, 13:04 Uhr

Megastall für Gralla sorgt für Aufregung

Planen Ferkelzucht in Gralla (v.l.): Josef Höller (Landscha), Maria Huss (Gabersdorf), Tierarzt Peter Irgang, Karl Krasser (Landscha), Peter Holler (Leibnitz). Fischer
Gralla: Gralla | In dieser Woche wurde das Projekt „Landwirtschaftliche Ferkelzucht“ in Gralla präsentiert. Neben der Gemeinde Gralla melden auch die Leibnitzer Grünen Protest an:


Der Projektname „Landwirtschaftliche Ferkelzucht“ klingt wenig aufregend, doch bis mit dem Bau des Projektes definitiv begonnen wird, dürfte es vermutlich noch viel Aufregung geben – auch wenn die Betreiber es völlig anders sehen. Demnach planen vier Landwirte und ein Tierarzt in Gralla eine gemeinschaftliche Landwirtschaft für Ferkelzucht zu errichten. Ein Projekt in einer besonderen Größenordnung: Es soll zumindest ein Viertel des akuten Schweinebedarfs in der Steiermark aus dem Inland decken.

Die Projektplanung dauerte zwei Jahre, Herausforderung war dabei u.a. die Suche nach einem geeigneten Standort. „Zuletzt hat sich das betreffende Areal als klarer Sieger herauskristallisiert. Es handelt sich um eine 40.000 m2 große, in der Vergangenheit intensiv genutzte Fläche, von der knapp die Hälfte mit Gebäuden verbaut wird“, erläutert Tierarzt Peter Irgang, geschäftsführender Gesellschafter der PIG Ferkel GmbH.
Das Projekt sieht die Errichtung von sieben miteinander verbundener Stallungen an der Grenze zwischen den Gemeinden Gralla und Gabersdorf vor. Vorgesehen sind rund 2.080 Muttersauen mit rund 50.000 jährlich. Investitionsvolumen: 8,5 Millionen Euro.

Egal ob man das sensible Thema Wasser, Emissionen oder Gülle anspricht – Die Betreiber sprechen von einem „ökologischen Vorzeigeprojekt“ und betonen: „Es handelt sich um Österreichs erste Schweinezucht, die sich einer Umweltverträglicheitsprüfung stellt.“ So greife man im Bereich Wasser- und Emissionsschutz zu bundesweit noch nie dagewesenen Sicherheitsvorkehrungen. „Der Betrieb wird als erster Österreichs mit einer kompletten Abluftreinigung ausgestattet“, versucht Irgang allen Kritikern bereits im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen. Läuft es nach den Vorstellungen der Betreiber, so könnte bereits im kommenden Jahr mit der Errichtung des Projektes begonnen werden. Mit der UVP wartet allerdings noch eine große Hürde.


Gemeinde meldet Bedenken an:
Das Thema Wasser hat in der Gemeinde Gralla vor einiger Zeit für viel Aufsehen gesorgt, nachdem im Auftrag der PIG Ferkel GmbH eine Testbohrung durchgeführt wurde. „Die Wasserprobe wurde sechs Meter außerhalb des Projektareals entnommen. Wir bedauern den Vorfall ausdrücklich, haben die Folgen sofort beseitigt“, so Peter Irgang. Spannend wird es am Donnerstag, dem 25. November, um 18 Uhr, wenn das Projekt im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung im Buschenschank Gramm vorgestellt wird. – Ein Termin, der auch Bgm. Hubert Isker nicht kalt lässt, denn ein Gespräch mit ihm hat es zuletzt noch nicht gegeben, ist aber seitens der Betreibergemeinschaft geplant.

Der Ortschef bezieht klar Stellung: „Die Gemeinde Gralla hat einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss gefasst, indem man sich strikt gegen die geplante Schweinefabrik ausspricht. Dieser Industriebetrieb, so kann man ihn aufgrund der Größenordnung bezeichnen, liegt im Landschaftsschutzgebiet, angrenzend an ein Naturschutzgebiet, in der Nähe eines Trinkwasserreservoirs und im Hochwasserabflussgebiet. Das kommt einer tickenden Umweltbombe gleich.“ Die Gemeinde Gralla macht sich größte Sorgen um Lebensqualität, Tiere und Natur. „Darüber hinaus ist die kleinstrukturierte Landwirtschaft im herkömmlichen Sinne in ihrer Existenz bedroht. Wir werden alle Mittel ergreifen, um dieses Projekt zu verhindern. Auch tausende Menschen werden uns, wenn es notwendig sein sollte, auf diesem Weg begleiten. Davon bin ich überzeugt“, sagt Isker. Auch die Grünen prodestieren.

Grüne rufen zum Protest:
"Solche Projekte müssen verhindert werden! Es muss ein Symbol für ,Hainburg' in der Landwirtschaft werden! Mit Landwirtschaft hat dieses Projekt nichts mehr zu tun, Tierärzte und Geldgeber vernichten die Glaubwürdigkeit in der Landwirtschaft. Unter dem Schutzmantel der Landwirtschaft passiert die Enteignung in der Produktion, die Preise werden nun von Handel und solchen Produktionseinheiten festgeschrieben und diktiert! Die Gülle die entsteht, verschwindet nicht in einer Biogasanlage , das Gülleproblem wird nur woanders hin verlagert. Die Gefahr der Verunreinigung des Grundwasserkörpers steht im Raum, wir die Menschen haben ein Recht auf sauberes und sicheres Grundwasser!", so Otto Knaus, Bezirkssprecher der Leibnitzer Grünen.
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thomas allmer aus Leibnitz | 17.12.2010 | 00:04   Melden
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walter fartely aus Graz-Umgebung | 16.01.2011 | 14:45   Melden
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