10.04.2017, 12:40 Uhr

„Nach einer wahren Begebenheit“

(Foto: © tatiana lecomte)

Eine junge, sehr spannende Künstlerin vorstellen, die in Lyon, Graz, Wien und Amsterdam studiert hat, stellt ab 21. April (Eröffnung um 19 Uhr) in der Galerie Marenzi in Leibnitz aus.

Tatiana Lecomte, geb. 1971 in Bordeaux, beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen des bildlichen Gedächtnisses. Wie lässt sich traumatische Geschichte in Bildern verarbeiten? Lecomte untersucht, wie sich Abbildungen zur Vermittlung von Erinnerung eignen. Was Bilder zeigen und was sie nicht zeigen (können) ist Thema ihrer Arbeit: Das „Undarstellbare“, das jeder fotografischen Repräsentation innewohnt. Sie bedient sich dabei hauptsächlich gefundener Bilder oder vorliegender Reproduktionen, die sie analog vergrößert und bearbeitet. Ihre Fotografien verweisen immer wieder auf (traumatische) historische Ereignisse (den Krieg, die Vernichtung, Mensch und Gesellschaft als Laboratorium von Macht und Gewalt), deren Bedeutung sich nicht auf abbildbare Wirklichkeitselemente reduzieren lassen. Daher muss ihre Arbeit weniger ästhetisch als politisch gelesen werden: Als Befragung fotografischer Repräsentation, als Zweifel an der Angemessenheit von Sichtbarmachung, d. h. als Bildpolitik, die die Festschreibungen von Bedeutungen unterhöhlt. Kaum etwas ist in den Arbeiten von Lecomte als Spur von Wirklichkeit zu sehen, alles hat aber mit Spuren dieser Wirklichkeit zu tun – als Ergebnis einer fotografischen Praxis selbst. (Reinhard Braun)
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