08.04.2017, 15:48 Uhr

Osterüberraschung im Jahre 1895

Die Bibel meldet bekanntlich, dass an jenem Tag, an welchem der Erlöser am Kreuz hing, zur Stunde seines Todes zu Jerusalem ein heftiges Erdbeben verspürt worden ist. „Die Gräber öffneten sich“ usw. Am Karfreitag 1895 befanden sich, die Himmelskörper das erste Mal in derselben Konstellation wie an dem Tage, an welchem Jesus Christus gekreuzigt wurde. Aber auch das Erdbeben blieb nicht aus, nur erfolgte es um zwei Tage später. Die Konstellation der Himmelskörper dürfte vielleicht nicht ohne Einwirkung auf dasselbe gewesen sein.

Erdbebenbericht aus Graz.
Am 14. April 1895, Ostersonntag, 23.17 Uhr, wurden die Grazer durch ein dumpfes Rollen aus dem Schlaf geweckt. Gläser und Krüge klirrten heftig; Lampen und Bilder kamen in Schwingungen und die Zimmerbalken krachten, so dass die Leute das Gefühl hatten, als ginge alles aus den Fugen, dazu hob und senkten sich die Gebäude. Die Erscheinung dauerte vier bis fünf Sekunden. Die Kanarienvögel flogen in ihren Käfigen ängstlich hin und her. Das Erdbeben wurde viel stärker empfunden als jenes vom 1. Mai 1885. Nach einer halben Stunde folgte ein viel schwächeres Nachbeben.

Erdbebenbericht aus Leibnitz.
Am 14. April 1895 um 23.10 Uhr saß ich an meinem Schreibtisch. Auf einmal hörte ich ein donnerartiges Rollen. Gleich darauf erfolgte eine Erderschütterung, welch 5 Sekunden währte. Nach 24 Uhr vernahm ich Hundegebell und gleichzeitig im angrenzenden Haus Pferdestampfen. Nicht lange darauf fand ein weiterer zwei Sekunden dauernder Erdstoß statt.

Erdbebenbericht aus Ehrenhausen.
Am 14. April 1895 um 23.20 Uhr fand hier ein heftiges Erdbeben, begleitet von donnerähnlichem Getöse, statt. Türen schlugen zu, Gläser in den Schränken klirrten und Uhren blieben stehen. Trotz der späten Nachstunde eilten die Marktbewohner erschreckt auf die Straßen und Plätze. Die Richtung des Stoßes war Südwest-Nordost. Am 15. April 1895 gegen 2 Uhr und 5 Uhr morgens wurden ebenfalls heftige Stöße verspürt. Im Stationsgebäude des Bahnhofes erlitt ein Plafond Sprünge. Auch in der Umgebung, besonders in Witschein (Svecina), war das Erdbeben deutlich wahrnehmbar.

Erdbebenbericht aus Wildon.
Auch in Wildon wurden am 14. April 1895 verschiedene Erdstöße wahrgenommen. Im Schloss Herbersdorf, Herrn Karl Fritscher gehörig, wurde ein Kamin herabgeschleudert. In dem Zimmer des Verwalters stürzte ein Spiegel herab und zertrümmerte.

Bei dem Beben vom Ostersonntag, den 14. April 1895, wurde das ganze Gebiet der südlichen und östlichen Alpen wurde in Mitleidenschaft gezogen. Epizentrum war Laibach (Lubljana) in Slowenien, wo kaum ein Gebäude unversehrt blieb. Das Beben erreichte dort die Stärke 8 auf der Mercalli-Sieberg-Skala. Zur wissenschaftlichen Untersuchung des Erdbebens vom 14. April 1895, das sich in Krain, der Südsteiermark und Küstenland ereignet hat, entsendet die geologische Reichsanstalt in Wien den Volontär Dr. Franz Eduard Sueß.
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 08.04.2017 | 16:00   Melden
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Sonja Hochfellner aus Leoben | 08.04.2017 | 17:11   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 08.04.2017 | 20:19   Melden
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renate krska aus Neubau | 08.04.2017 | 21:45   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 09.04.2017 | 10:36   Melden
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Marie O. aus Graz | 15.04.2017 | 18:26   Melden
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