29.01.2018, 15:12 Uhr

Sprachpolemik

Ein Bericht des Landes-Kulturausschusses, veröffentlicht im Grazer Volksblatt am 11. September 1888.

Steiermärkischer Landtag. Neunte Sitzung vom 10. September 1888:
Bericht des Landes-Cultur-Ausschusses über die Tätigkeit des Landes-Ausschusses, betreffend die Landes-Obst- und Weinbauschule in Marburg.
Als Referent fungiert Abg. Dr. Radey:
„Aus dem Tätigkeitsbericht des Landes-Ausschusses geht hervor, dass das k. k. Ackerbauministerium eine einheitliche Organisation der Ackerbau- und ähnlicher landwirtschaftlicher Schulen – somit auch der Landes Obst- und Weinbauschule Marburg – anstrebt, und von der Durchführung dieser einheitlichen Organisation die in Aussicht genommene Subvention abhängig macht. Der Lehrplan der Landes- Obst- und Weinbauschule bedarf zur Entsprechung des Wunsches der k. k. Regierung nur einer kleinen Änderung, welche darin besteht, dass die grundlegenden Fächer in entsprechender Weise vor den durch sie zu begründenden Lehrern zur Behandlung kommen.

Das Kuratorium und der Landesausschuss stimmten dieser Änderung bei, und werden dieselben in der Weise durchgeführt werden, dass die grundlegenden Fächer in dem II. Jahrgang, eigentlichen Fachgegenstände (wie: Obst-, Weinbau-, Kellerwirtschaft und spezieller Pflanzenbau), im III. Jahrgang gelehrt werden.

Den Grundsätzen der k. k. Regierung entsprechend werden neu eingefügt:
Religionslehre im ersten und zweiten Jahrgang wöchentlich je eine Stunde.
Geographie und Landesgesetzkunde wöchentlich je eine Stunde.
Die Anzahl der wöchentlichen Lehrstunden wird demnach in allen 3 Jahrgängen zwischen 20 und 30 betragen. Für diese neuen Gegenstände wird ein Aushilfslehrer mit einer Remuneration von 210 Gulden und ein Religionslehrer mit einer Remuneration von 160 Gulden jährlich in Aussicht genommen. Der Beginn des Schuljahres wird in der Dauer von elf Monaten auf den 15. September verlegt.
(…)
Nachdem die k. k. Regierung in einer besonderen Vorlage gebeten wird, Rebschulen mit amerikanischen Reben zu pflanzen und diese Reben den Weinbauern unentgeltlich abzulassen, so wird auch an der Landes- Obst- und Weinbauschule in Marburg die unentgeltliche Abgabe von amerikanischen Schnittreben an bedürftige Weingartenbesitzer des Landes stattfinden müssen.
Der Landes-Ausschuss stellt daher den Antrag:
a) der Bericht des Landes-Ausschusses über die Landes- Obst- und Weinbauschule in Marburg wird zur Kenntnis genommen;
b) der Änderung des Lehrplanes an dieser Schule im Sinne des Erlasses des k. k. Ackerbauministeriums vom 2.- März 188, Z. 10.972, wird die Zustimmung erteilt;
c) der Landesausschuss wird ermächtigt, amerikanische Schnittreben an bedürftige Weinbauer unentgeltlich abzugeben und den Preis dieser Reben überhaupt zu ermäßigen.

Abg. Wunder stellt den Zusatzantrag, der Landes-Ausschuss wird beauftragt, mit allen Mitteln dahin zu wirken, dass der Erfolg des Unterrichtes in der deutschen Sprache hinter den früheren Jahren nicht zurückbleibe.

Dieser Antrag wird hinreichend unterstützt, worauf der Antragsteller denselben in längerer Auseinandersetzung motiviert, auf dem vom Abgeordneten der Grazer Handelskammer Grafen Wurmbrand im Reichsrat eingebrachten Antrag bezüglich der deutschen Staatssprache hinweist und betont, dass das Zurückdrängen der deutschen Sprache an Hunderten von Orten vorkam, deshalb der Zusatzantrag angenommen werde.

Abg. Morre [Deutschnationaler] spricht gegen diesen Antrag und meint, dass er der Ansicht sei, man solle die Slowenen nicht zwingen, deutsch zu lernen, denn dadurch schaffe man den Deutschen nur eine gefährliche Konkurrenz; wenn man den slowenischen Kindern zwangsweise deutsch lehrt, dann hat man nicht die Zahl der Deutschen vermehrt, denn die Slowenen bleiben Slowenen, und vermehren nur die Zahl der Kompetenten.
Die Deutschen schaden sich selbst, wenn sie fort und fort darauf dringen, den Slowenen Deutsch zu lernen, denn sie rauben dadurch ihren eigenen Kindern das Brot. Man sollte lieber die Slowenen verhindern, deutsch zu lernen, denn dann müssten dieselben in ihren Sprachbezirken verbleiben; es sei deshalb schade, dass keine slowenische Universität besteht!
Redner beantragt bezüglich des Antrages des Abg. Wunder den Übergang zur Tagesordnung. Abg. Pfrimer unterstützt den Antrag Wunder, bemerkt aber, dass an dem Rückgang der deutschen Sprache nur die Volksschule in der Untersteiermark schuld sei.“

Die Polemik der Deutschnationalen Abgeordneten führte zur Spaltung der Bevölkerung und beförderte den Untergang der k. k. Monarchie.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 29.01.2018 | 15:31   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 29.01.2018 | 16:09   Melden
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