25.11.2017, 14:56 Uhr

Teufel zu Besuch bei Bergbauern

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(Foto: Pixabay @go4gentur)

Noch vor einem Jahrhundert trieben tückische Geister in den Bergbauernhöfen ihr Unwesen. So ein sonderbarer Dämon, der in den Schlafstuben der Bergbauern ein schalkhaftes Spiel veranstaltete, war die Trud oder Truta.

Die Trud ist eine Gestalt des steiermärkischen Volksglaubens, die boshafte Eigenschaften verfügen soll. Sie ist es, die das sogenannte Alpdrücken verursacht und die Menschen in der Nacht quält, so dass sie keine Ruhe finden können. Wie Pater Romuald Pramberger aus St. Lambrecht in der Steiermark zu wissen glaubte, stamme das Wort Trud entweder vom weiblichen Vornamen Trude oder vom gotischen Trudia (jemand plagen, drücken), was als Begründung unzureichend erscheint. Wenn in Alpengegenden die Bäuerin am Unglückstag, den 28. Oktober, Simon und Judas, ihre Küche vernachlässigte, geriet sie selbst in Verdacht eine Hexe zu sein:
„Simon und Jud,
Backt die Bäurin keine Nudl.
So ist´s eine Trud!“

Das Schrättle in Vorarlberg.

Während der Spätherbstabende auf dem Lande ruhte auf Feld und Flur die Arbeit. In Vorarlberg fanden sich die Hausleute in den Stuben zu gemeinsamen Arbeiten zusammen, um gemütlich die langen, öden Herbstabende zu verplaudern. Da wurde von fröhlichen und trüben Ereignissen gesprochen. Eines der beliebtesten Thermen war das „Schrättle“ oder Albdrücken.
Unter „Schrättle“ versteht man in Vorarlberg einen gefürchteten, quälenden Hausgeist, der seine Freude daran hat, nachts in die Schlafräume zu schleichen, und die Leute im Bett zu drücken, dass ihnen der Atem schier vergeht und sie nichts anderes glaubten, als es liege ein Mühlstein auf ihnen. Um alle Schätze der Welt war es im Augenblick des Druckes dem Heimgesuchten nicht vergönnt, laut aufzuschreien, sich zu recken und zu strecken. Das Schrättlein soll seine Gestalt nach Belieben verändern können. Bald schlich es als Strohhalm zum Schlüsselloch in das Vorhaus, bald trippelte und tappte es zum verschlossenen Fenster herein und näherte sich leise dem Schlafenden. Die ärgste Sorge des Gedrückten war, vom Schrättle im Gesicht mit der Zunge beleckt zu werden. Auf solch unwillkommenes Gelecke und Geschlecke folgten oft sogenannte schwer zu beseitigende „Hungermäler“ (Krätze, Schuppenflechte, lat. Psorias) im Gesicht.
Mit einem kräftigen Sprüchlein konnte man jedes Schrättlein verscheuchen, es lautet im

Original:

„Schritt, Schratt!
Über alle Wässer watt´,
Alle Hagstöcke* zell´!
Denn ka-n-as kumm´, wenn es wöll.“
* Baumstümpfe
War das geplagte Individuum im Stande, fragliches Verslein auszusprechen, so musste der Unhold eilends das Schlafgemach räumen und sich davonmachen wie die Katz´ aus dem Taubenschlag. Manch ehrenfeste Hausmutter glaubte an die Existenz dieses vermeintlichen Hausgeistes steifer und fester als an die Wahrheit des Satzes, dass drei mal drei Neune geben. Hin und wieder stieg einem helleren Kopf doch der Gedanke auf, all´ dies sei weiter nichts als Larifari, Einbildung; denn wenn es wirklich ein Schrättlein gäbe, so müsste man doch mit der Zeit schon eines oder das andere gefangen worden sein. Wer es wagte, über diesen Aberglauben zu spotten, dem wurde die Türe gewiesen.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 25.11.2017 | 15:23   Melden
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Hans Baier aus Graz-Umgebung | 25.11.2017 | 19:18   Melden
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 25.11.2017 | 23:00   Melden
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eva kravanja aus Bruck an der Mur | 26.11.2017 | 18:10   Melden
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