21.11.2016, 15:23 Uhr

Trumpelstilzchens Albtraum

Die Klimakonferenz in Marrakesch ist vorbei. Politiker aus 124 Staaten besuchten die Stadt, die sich Marrakesch el Hamrah, „die Schöne“ nennt. Da wäre ich auch gerne hingefahren. Das Ergebnis erinnert an die biblische Baustellenbesprechung von Babylon: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer reden an einander vorbei, und das tun sie mit Absicht, denn in der Praxis beeindrucken weder Umweltzerstörung noch die Auswirkungen auf die Völker die Mächtigen: alles bleibt schlimmer.

Dem neugewählten US-Präsident fehlt ebenfalls das Problembewusstsein für die Folgen menschlicher Gier. Mit 8.7 Milliarden Vermögen gehört er zum sagenannten „Establishment“, der Reichen und Beklopften. Der Traum des Egomanen, Ausbeutung auf Kosten der Dummen, könnte sehr bald zum Albtraum werden, und zwar durch vom Menschen verursachte Erdbeben.

Der Bau riesiger Stauseen führte in den USA, in Ägypten, Indien und China bereits zu fatalen Bewegungen in den Erdschollen. Der Assuan-Staudamm löste ein Beben der Stärke 7.8 nach der Richter Skala aus. Neben Krisendämmen gibt es noch weitere menschliche Ursachen für Plattenbewegungen. Ein thermisches Kraftwerk in Basel löste durch Verpressung von Wasser laufend kleinere Beben aus, die zu erheblichen Gebäudeschäden führten. Das lässt Trump und seine kommende Regierung sicher kalt, jedoch braut sich mittlerweile eine verhängnisvollere Katastrophe zusammen, die bereits in den USA wirksam ist.

Wir manipulieren ein System, das wir nicht ganz durchschauen und betreiben so unseren Untergang. Die unüberlegte Öl- und Gasgewinnung beispielsweise, das „Fracking“, wie es die USA in Oklahoma durchführen. Dabei pumpen die Förderer toxisches Abwasser in drei Kilometer tiefe Bohrlöcher zurück. Diese laufenden Verpressungen von Wasser machen die Erdschichten brüchiger. Die Wassermengen bewirken bereits eine Instabilität in der Tektonik. Hat die neue Fördermethode Schuld daran, wenn im Gebiet von Oklahoma, in dem es seit Jahrhunderten keine Erschütterung gab, sich plötzlich hunderte schwächere Beben ereignen, dem dann ein Unglück folgt? Am 5. November 2006 kommt es mit 5.8 auf der Richter Skala in Oklahoma zum schwersten Beben seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Überall dort, wo das Fracking eingestellt worden ist, gingen die Beben zurück und umgekehrt. Gerade in Kalifornien ist die San Andreas Verwerfung eine starke Bedrohung für die USA. Präsident Trump sollte besser auf Warnungen der Seismologen hören als seine Vorgänger und diesen Raubbau beenden.

Die Leserinnen und Leser mögen sich fragen: Was geht das uns an? Vielleicht mehr als wir vermuten. Die Plattentektonik betrifft den gesamten Planeten und bereits geringfügige Änderungen der Druck- und Spannungsverhältnisse kann, besser gesagt wird, zu einer unglaublich verheerenden Erdbebenkatastrophe führen. Das gab es schon in historischer Zeit ohne Zutun des Menschen, denken wir nur an die Ereignisse in Eurasien um 1350, die auch in Kärnten wirksam waren. Weltweite Erdbeben, die durch menschliche Eingriffe außer Kontrolle geraten, sind wohl das Schlimmste, was wir uns vorstellen können. Wir müssen schonendere Methoden der Ressourcengewinnung erfinden, wir haben der Erde bereits zu viel zugemutet.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 21.11.2016 | 15:33   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 21.11.2016 | 18:24   Melden
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Erwin Paier sen. aus Südoststeiermark | 21.11.2016 | 18:41   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 22.11.2016 | 14:09   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 23.11.2016 | 18:21   Melden
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Erwin Paier sen. aus Südoststeiermark | 23.11.2016 | 21:44   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 24.11.2016 | 08:27   Melden
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Erwin Paier sen. aus Südoststeiermark | 24.11.2016 | 11:12   Melden
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