01.12.2016, 18:22 Uhr

Über das Geburtsfest Jesu

Unsere Bräuche sind meistens das aktuelle Stadium einer langen Entwicklung, die bis in die Antike zurückreicht. Doch vieles ist auch jünger als man glauben möchte, wenigstens in der jetzt üblichen Form. Die gerade stattfindende Adventzeit ist mir Anlass, das Christfest kulturgeschichtlich zu betrachten und darüber zu berichten.

Es ist zwar nicht unbestritten, aber es wird allgemein angenommen, dass das erste Geburtsfest Jesu in Rom am 25. Dezember 354 gefeiert wurde. Für Deutschland wurde es im Jahre 813 durch die Synode von Mainz angeordnet. Aber erst 200 Jahre später erscheint das Fest unter dem Namen Weihnacht. Früher rechnete man in Nächten und nicht in Tagen, deshalb der Name Weihnacht und nicht Weihtag. Die Tiroler verwenden heute noch fallweise statt gestern, „nachten“.

Um das Jahr 1400 wird vom Brauch berichtet, sich gegenseitig mit einem „Christabend“ zu beschenken. Aus dem Jahre 1568 stammt die erste Nachricht von der Beschenkung der Kinder. Anfangs wurden die Geschenke in ein Bündel zusammengebunden und ein Zweig beigefügt; das waren die „Christbürden“ mit der „Christruthe“. Die Bezeichnung „Weihnachtsbaum“ und „Christbaum“ entstammen erst dem Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Verbreitung des Christbaumes
Später als man allgemein glaubt oder behauptet wird, ist die Tanne zum Christbaum geworden. Vorher verwendete man junge Kirsch- und Weichselbäume, die ins Wasser gestellt, ähnlich wie die Barbarazweige, zu Weihnachten zu blühen begannen. Die erste Aufzeichnung über den Christbaum als allgemeinen Brauch stammt aus Straßburg, aus dem Jahre 1605. Deutsche Auswanderer in Nordamerika verwendeten eiserne Christbäume wie die Engländer. Im Jahre 1890 brannten in Paris über dreißigtausend Christbäume.

Der Christbaum kommt nach Wien
Für Österreich ist, wenn man auf den Boden der Tatsachen bleibt, für den Christbaum eine nicht allzu lange Vergangenheit nachweisbar. Am Anfang ging seine Verbreitung sehr langsam. Der berühmte Wiener Hofschauspieler Heinrich Anschütz, der den Christbaum jedenfalls in seiner Heimat Niederlausitz kennen gelernt hatte und, sechsunddreißig Jahre alt, 1821 nach Wien kam, war hier einer der ersten, die im bürgerlichen Kreis einen Christbaum im heutigen Sinne aufputzten, worüber er in seinen „Erinnerungen“ erzählt. Erzherzogin Henriette, Protestantin und geborene Prinzessin von Nassau-Weilburg, die Gemahlin des Siegers von Aspern und Mutter des Erzherzogs Albrecht, stellte den ersten Wiener Christbaum 1817 im damaligen erzherzoglichen Palais an der Seilerstätte auf. Ihr Sarkophag steht in der Kapuzinergruft in Wien. In den kleinbürgerlichen Kreisen Wiens war noch gegen 1830 die Weihnachtstanne etwas Ungewöhnliches. Nach dem Revolutionsjahr 1848 war der Christbaum in Wien schon ganz volkstümlich, während er den Innsbruckern im Jahre 1851 noch neu war. Hier vertrat noch die traditionelle Familienkrippe den Baum.

Der Christbaum bei uns
Erst um 1900 fand die Christbaumsitte in den katholischen Ländern allgemein Eingang. Auch bei den Slowenen stand um diese Zeit schon ein mächtiger Christbaum im Zimmer. 1870 hatte er bereits die deutsche Sprachgrenze nach Ungarn und Slowenien überschritten. Am 24. Dezember 1872 verkauft der Leibnitzer Lebzelter Sailler in seinem Haus am Hauptplatz um 40 Gulden Christbaumkerzen und Lebzelt, ein Beweis für seine Verwendung im Bezirk Leibnitz. Damals war es hier noch üblich die Christtanne an der Stubendecke aufzuhängen.
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