26.10.2016, 19:44 Uhr

Übung für den Bürgerkrieg

Am 19. März 1927 fand in Retznei eine sozialdemokratische Wählerversammlung statt. Tags darauf, am 20. März, fand es der deutvölkische Turnverein von Leibnitz für zweckmäßig, einen kriegerischen Marsch nach Ehrenhausen, und zwar über Retznei, anzutreten. Ausgerechnet vor der Fabrik wurden mit Trommelwirbel und Hurra regelrechte Kriegsfeldübungen, Auflösen in Schwarmlinien, Sturmangriff mit Handgranaten usw. vorgetäuscht. Anführer waren ein paar ausrangierte Offiziere der Vergangenheit und ein Handwerksmeister aus Leibnitz. Die Truppen bestanden größtenteils aus 14- bis 18jährigen Knaben, die Mehrzahl Lehrlinge aus dem Leibnitzer Gebiet. Dass die Hakenkreuzler es nicht unterlassen können, fortwährend zu provozieren, sind wir schon gewöhnt. Dass hiezu aber Schulkinder und Lehrlinge gepresst und in Gefahr gebracht werden, dürfte doch über die Grenzen der Verantwortung gehen, da es doch einmal passieren könnte, dass bei solch offenkundiger Provokation die Arbeiterschaft Ruhe und Besonnenheit verliert. Wir wünschen nur, die Meister der Lehrlinge mögen diese auch dann mit Würsteln bewirten, wenn keine kriegerischen Aktionen anberaumt werden.
Arbeiterwille vom 23. März 1927.
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