06.09.2016, 15:32 Uhr

Unerwünschte Erdarbeiten

Die antike Stadt Ephesos zog immer wieder Menschen an, die glaubten, in der Geschichte anschreiben zu können. So zündelte der Brandstifter Herostratos 356 vor Chr. am Artemistempel, mit der Hoffnung, so im Buch der Geschichte sein Andenken bewahren zu können. Der Apostel Paulus nutzte ebenfalls öfters Gelegenheit, sich mit Predigten in der Stadt einen Namen zu machen. Im 19. Jahrhundert, als noch zwischen Archäologen und Raubgräbern wenig Unterschied bestanden hatte, geriet Ephesos in das Visier von Männern, die in Schatzsuchermanier nach Artefakte gruben. Bald entstand eine Konkurrenz unter den Nationen und wer lieferte, erhielt höchste Anerkennung. Seit 1863 leitete der Engländer Wood Ausgrabungen auf dem alten Stadtgebiet. 1870 ließ er etliche bedeutende Ausgrabungsstücke in das Britische Museum schaffen. Seit 1895 begann auch Österreich-Ungarn mit ähnlichen Absichten, dort zu wühlen. Mittlerweile ist die Monarchie untergegangen, die Erste Republik Geschichte und wir leisten uns immer noch den Luxus, unsere Archäologinnen und Archäologen dort zu parken. Während wir zuhause bedeutende historische Objekte aus Geldmangel ignorieren, werden im antiken Ephesos Millionen begraben. Mittlerweile sind erst 15 Prozent der Ruinen ausgegraben, die, wenn es schlimm kommt, von islamistischen Kulturfeinden zerstört werden.
Die türkische Regierung hat mittlerweile die von Österreich finanzierten Ausgrabungen untersagt, was ihr gutes Recht ist. Ich frage mich, wie lange wir uns noch den Luxus leisten, den Türken einen unerwünschten Gefallen zu tun?
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 06.09.2016 | 16:03   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 06.09.2016 | 18:14   Melden
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Karl Pabi aus Bruck an der Mur | 06.09.2016 | 19:45   Melden
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