14.02.2018, 18:02 Uhr

Vom Burschensonntag bis nach Aschermittwoch

(Foto: Pixabay @RitaE)

Der Faschingssonntag heißt im niederösterreichischen Bergland und in der Steiermark Burschensonntag.

Der auf den Faschingssonntag folgende Montag heißt im niederösterreichischen und obersteirischen Gebiet der „Froschmontag“; nach der volkstümlichen Ansicht darf an demselben unter keinen Umständen Flachs gesponnen werden, sonst beißen die Frösche den nächsten Flachsanbau vom Feld ab und verursachen dem Bauer großen Schaden, daher der merkwürdige Name. Vielleicht steht diese Sage auch in einer Beziehung des Frosches zur Göttin Perchta und dem „Pfingstweibel“, das alles in der Fastenzeit Gesponnene auflöst. An diesem Montag war es Brauch, mit Bezug auf die Fastenzeit die Kirchen mit blauen Tüchern auszuschlagen, was den Ausdruck des „blauen Montags“ überhaupt erklärt.

Fastenzeit und Fastenbräuche

Um 1860 nährte sich der mittelsteirische Bauer größtenteils von Mais und Heidekorn, jedoch gehört auch Hirsebrei zu seiner Lieblingsnahrung. Kartoffeln werden häufig genossen. Zur Bereitung der Speisen werden Milch, Rind- und Schweineschmalz verwendet, und vorzüglich in der Zeit der vierzigtägigen Fasten Kürbiskernöl im kalten und warmen Zustand. In der Obersteiermark sind Erdäpfel nicht beliebt, lieber isst man die bei den slawischen Bauern bevorzugten Talken (Talggen).
Als Fastenspeisen zugelassen war alles was schwamm, nicht nur im Wasser, sondern auch in der Suppe: Fische aller Art, Krebse, Schildkröten etc. Im Mittelalter aßen die Jagdberechtigten auch Bieber, weil er als Wasserbewohner zu den Fastenspeisen zählte. Besonders beliebt war die Bieberschwanzsuppe.

Fastensuppen

Die Mehlsuppe wird aus geronnener Milch und Weizenmehl bereitet, diese findet man oft in der mittleren Steiermark. Um Straden, Gnas, Mureck und Leibnitz ist die sogenannte Verhackertsuppe, von den gehackten Fleischstücken darin so benannt, ein häufiges Gericht. Noch südlicher in Gegenden, die waldreich sind, darf die Schwammerlsuppe nicht fehlen, man isst sie häufig mit Sterz aus „Türkenmehl“, darum lautet auch ein Lied dort:
„Heh lusti, wohl auf,
der steirische Brauch,
A türkischer Sterz
Und a Schwammsuppen drauf.“
Diese Suppe ist hauptsächlich als Fastenspeise beliebt und das gleiche gilt auch von der „sauern“ Rahmsuppe. Noch sei zuletzt die Einbrennsuppe erwähnt, die mit Eiern vermengt in der Untersteiermark oft aufgetischt wird.

Der Fasttag-Vogel

Es ist ein Tier, welches man einem jahrhundertealten Brauch zufolge, auch an einem Fasttag zu essen pflegt. Es sind Vögel, die entweder von Fischen sich nähren, oder nach Pfuhl (Schlamm) schmecken, und dabei eine nicht sehr angenehme Speise abgeben, wie z. B. das Seeblässl (fulic atra, Lin.). Sowohl dieser Vogel, wie andere Arten von Rohrhühnern und Duckenten, haben einen unangenehmen Geschmack, was die Ursache ist, dass selbe auch an einem Fasttag zu essen, erlaubt wurden. Als solche Vögel zählen auch der Fischreiher, Meeracher, Schildvogel (anas clangula), das große Duckerl (anas marila), und das Wasserhendel (Rallus aquaticus).

Fasten aus religiösen Vorschriften war früher ein Geschmackerlebnis, im Vergleich zu dem, was Menschen sich heute freiwillig antun.
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 14.02.2018 | 18:26   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 14.02.2018 | 19:05   Melden
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