25.10.2016, 17:04 Uhr

Vorgeschichte des Restaurants Staribacher in Grottenhof

Am 31. Oktober 1517 nagelte angeblich Martin Luther seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Bereits zehn Jahre später waren diese auch bei uns angekommen. Die Lehre Luthers hatte in der Steiermark einen so großen und starken Anhang gefunden, dass der katholisch gebliebene Teil in den Ratskollegien der Städte und Märkte keine Vertretung finden konnte, der Landesfürst hatte sich längst auf die Seite der „Amtsreligion“ gestellt. Da standen sich beide Parteien schroff gegenüber, und jeder bezeichnete die gegnerische Meinung als Abfall von Gott. Der Grottenhof bei Leibnitz sollte sich zu einem Zentrum der protestantischen Lehre entwickeln.
So war die Situation im Gerichtsbezirk Leibnitz. Der landschaftliche Obersekretär Matthäus Amman, eine bedeutende protestantische Persönlichkeit, kaufte 1575 das Gut „Khrottendorf“. Amman errichtete oberhalb des alten Maierhofes am Südhang des Wiesberges das Schloss Grottenhofen als seinen Edelsitz. Amman hatte als praktizierender Lutheraner Schwierigkeiten wegen der Belehnung mit dem Erzbistum Salzburg. Besonders der Vizedom auf dem Seggauberg, Hans von Frauenberg, der höchste Beamte des Bischofs, war schon auf Grund seines Berufes ein Gegner Ammans.
Diese Probleme mehrten sich, als Amman 1579 an der Stelle des heutigen Gasthofes Staribacher eine protestantische Kirche zu bauen begann. Bauführer war Libethen von Siebenbürgen. Als Angehöriger der Landstände genoss der Bauherr Glaubensfreiheit, in der Errichtung eines Bethauses sah der Bischof aber eine Provokation. Der Vizedom beäugte misstrauisch Baufortschritt und legte darüber dem Bischof von Seckau Berichte vor, der als Generalvikar des Salzburger Erzbischofs diesem die Situation schilderte.
Der Bischof von Seckau, Georg (IV. Agricola) beschwert sich 1581 beim Erzbischof von Salzburg, dass ein gewisser Matthias Amman die Jurisdiktion über die Frauenkirche (Frauenberg) bei Leibnitz und die Filiale St. Sigmund in Heimschuh an sich ziehe, unter dem Vorwand, dass er die Vogtei über diese Kirchen gekauft hätte. Es sei zu fürchten, dass er auch dort sektische Prediger anstellen werde, wie ohnedies „in seinem Khrottenhof beflissen ist, die armen Untertanen auf die neue Religion zu ziehen. Denn, wenn die Untertanen dahin gefordert werden, müssen sie vor ihrer Handlung eine Predigt hören.“
Bei einer Vorsprache des Erzbischofs bei dem Erzherzog, dass dieser den Bau eines neuen lutherischen Bethauses bei Leibnitz untersagen möge, wurde die Antwort gegeben: „Auf das Schreiben, das Kirchengebäu, so Mathes Amman, Inhaber des Khrottenhofes bei Leibnitz aufzurichten und sektische Prediger darin halten zu lassen, Vorhabens sein solle, betreffend, geben wir hiemit soviel zu freundlicher Antwort zu vernehmen, dass wir solches Kirchengebäus halber notwendige Erkundigung einzuziehen, und alsdann darwider nach Gelegenheit der Befindung gebührende Ein- und Abwendung zu tun nit unterlassen wollen, wie Wir uns dessen von Landesfürstlichen Amtswegen schuldig erkennen usw."

Amman, einer der treuesten Protestanten, reagierte mit einer konzilianten Haltung gegenüber den Papisten. Er hielt den evangelischen Predigern 1584 unangebrachten Ehrgeiz vor. Sein Harmoniestreben sollte ihm wenig nützen.

Bald sah sich der Erzbischof genötigt, dem Erzherzog zu berichten: „Dass gedachter Amman ungehindert mit seinem Gebäude fortfahre. Demnach gelangt nochmals an E. L. unser freund- und dienstlich bitten, solchen des Ammans vorhabenden Bau mit allen Ernst abschaffen, und ihm denselben nicht zu gestatten.“
Der Bau wurde jedoch fortgesetzt. Der Salzburger Pfleger von Leibnitz denunzierte Amman mehrmals beim Erzbischof wegen des „Auslaufens“ der Leibnitzer Bürger nach der Kirche Ammans gegenüber dem Schloss Grottenhofen.

Aquilinius Julius Cäsar berichtet 1773 in seiner „Beschreibung des Herzogtums Steyermark“:
Krottenhofen, Herrschaft des Bistums Seckau, liegt zwischen Leibnitz und Wildon. Bei diesem Schlosse hat Herr Mathes Amman von Libeban aus Siebenbürgen, ehemals bischöflich seckauerischer zu Leibnitz, später landschaftlicher Sekretär in Graz, eine schöne, starke lutherische Kirche bauen lassen, und also die Bürger von Leibnitz und anderen Nachbarschaften dahin gezogen; diese wurde im Jahre 1600 am 28. Jänner zersprengt.
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 25.10.2016 | 17:47   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 25.10.2016 | 18:39   Melden
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Franz Binder aus Weiz | 26.10.2016 | 08:24   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 26.10.2016 | 12:52   Melden
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