08.01.2018, 18:11 Uhr

Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen

Kleiber - Spechtmeise (Foto: Regionaut Hans Baier)

Sprachprobleme herrschen nicht nur unter Menschen, auch Tiere leiden unter Verständigungsproblemen. Jede Population ist mit einer selbständigen Sprache ausgestattet. So zwitschern die Vögel, selbst wenn sie verwandt sind, jede Art ihren eigenen Dialekt.

Die Kohlmeise (Párus májor), diese hübsche, kluge und listige, neugierige, doch gleichzeitig vorsichtige Meise ist äußerst beweglich, fast immer begleitet sie die Futtersuche mit fröhlichen Lauten. Von den vielen dieser Meise eigentümlichen Tönen hört man am häufigsten ein gellendes „pink, pink“, dem meistens noch ein „trärärä“ folgt, weiter ein oft wiederholtes „zizida“ und ein ebensolches „zitit zitit“, das durch „zititn zititn“ modifiziert wird, sowie das fast wie ein Frage klingende „zitihuid?“ Die Blaumeisen (Párus coerúleus) und die Tannenmeisen (Párus áter) haben wiederum ihre eigene Mundart.

Der Goldammer (Emberiza citrinélla), von der Familie der Ammern, ist zwar kein hervorragender Sänger, doch klingt seine Sprache sehr lieblich. Sie enthält meist sechs kurze, im Klang gleiche Töne „djitt djitt djitt djitt djitt djitt“, an die nach einer kleinen Pause der etwas höher liegende Schlusston „djiet“ angereiht wird. Goldammern zwitschern in unterschiedlichen Dialekten, wenn in verschiedenen Gegenden sich aufhalten, was experimentell bewiesen ist. Ein solches Experiment wurde am 20. Oktober 1986 im österreichischen Fernsehen gezeigt. Es ging um die Frage, ob Vögel je nach Standort Dialekte ausbilden. Als Versuchsobjekte wählte man am Wilhelminenberg Goldammern aus mehreren Gegenden Österreichs. Ihr Gezwitscher wurde mit Hilfe eines Oszillographen dargestellt. Das Experiment ergab eindeutig, Goldammern zwitschern in einem Dialekt, der je nach Standort, wo sie leben, unterschiedlich ist. Ob sich diese Vögel trotzdem untereinander verstehen war nicht festzustellen. Für das menschliche Ohr sind diese Abweichungen nicht hörbar.

Sicher ist, es gibt Mundarten unter den Goldammern, doch keine gemeinsame Hochsprache. Es handelt sich um getrennte Sprachentwicklungen, die wahrscheinlich auf Kontaktverluste durch die räumliche Trennung zurückzuführen sind, ein natürlicher Vorgang, dem auch der Mensch ausgesetzt ist.

Sicher ist, es gibt Mundarten unter den Goldammern, doch keine gemeinsame Hochsprache. Es handelt sich um getrennte Sprachentwicklungen, die wahrscheinlich auf Kontaktverluste durch die räumliche Trennung zurückzuführen sind, ein natürlicher Vorgang, dem auch der Mensch ausgesetzt ist.
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 08.01.2018 | 18:39   Melden
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Karl Aldrian aus Graz-Umgebung | 09.01.2018 | 14:14   Melden
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Karl Pfurtscheller aus Stubai-Wipptal | 29.01.2018 | 10:19   Melden
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