15.11.2016, 16:03 Uhr

Die Frauenbewegung in den USA bis 1900

Um den Stellenwert der amerikanischen Frauenbewegung zu erfassen, ist es notwendig, sich die rechtliche und soziale Stellung der weiblichen Bevölkerung bis Ende des 19. Jahrhunderts zu vergegenwärtigen.

In Europa gab es vor 1848 für die Frauen keine Rechte. Es galt das Vaterrecht. Für Mädchen gab es keine höheren Schulen, Frauen durften kein Gewerbe besitzen, Schneidermeisterinnen werden oder ein Friseurgeschäft betreiben, nicht Vormünderinnen sein, durften keine Testamentszeugenschaft ablegen, sollten keine politischen Versammlungen besuchen; es fehlten alle staatsbürgerlichen Rechte. Kurz, die Frau war in allem und jedem rechtlos.

Es lag in der Natur der Sache, dass die Frauen bald die gleichen Ziele anstrebten, aber der Anlass für die Bewegung hatte andere Ursachen in den USA und Europa. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Frauen in den Vereinigten Staaten noch in der Minderheit, daher wurden sie höher geschätzt. Auch waren die wirtschaftlichen Verhältnisse günstiger, so dass die materielle Not keinen Anlass zu Protesten bot. Es war in erster Linie die soziale Zurücksetzung, die sie jenseits des Ozeans zu einer geschlossenen Abwehrstellung bewog.

Die Quäkerinnen hatten mit ihren Männern gemeinsam gearbeitet und bereiteten auch mit ihnen den gemeinsamen Kampf gegen die Sklaverei vor, als ihnen plötzlich die Redefreiheit und Gleichberechtigung entzogen wurde. Das war der erste Anlass zur Organisierung der Frauen.

Der amerikanische Bürgerkrieg wegen Beseitigung der Sklaverei hatte die Einstellung der Baumwollproduktion zur Folge. Darunter litt die gesamte Baumwollindustrie, die Spinnereien, Webereien und Druckereien waren gezwungen, die Produktion herunter zu fahren. Die Frauen der Kriegsversehrten verloren die Möglichkeit, die Familien zu ernähren. Der Krieg ging zu Lasten der Frauen aus.

Der XIII. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung über die Abschaffung der „Neger-Sklaverei“ in den Vereinigten Staaten, hatte keinen Einfluss auf den Status der Frauen. Das XIV. Amendement zur Konstitution gab weder den Frauen noch den Farbigen das Stimmrecht, nur das Bürgerrecht. Das vorgeschlagene XV. Amendement verbietet den einzelnen Staaten einen Unterschied beim Wahlrecht in Bezug auf die Rasse oder Hautfarbe zu machen, die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts blieb 1869 akzeptiert.

Bis 1870 hatte sich die Männerwelt nicht um die Frauen gekümmert. Es war selbstverständlich, dass der Herr des Hauses über die Erziehung der Kinder zu entscheiden hatte, dass die Frauen über die Ausgaben Rechnung legen mussten und Frauen Zielscheibe dümmlicher Witze waren.

Liest man heute alle die Beweisführung für den untergeordneten Intellekt der Frau, so kann man sich eines tiefen Bedauerns nicht erwehren. Denn Männern, denen ich nicht meine volle Wertschätzung entgegen bringe, führten folgende Absurditäten ins Feld. An erster Stelle stand die Behauptung, dass das Gehirn der Frauen leichter ist als das der Männer, ihre Denkleistung und Urteilsvermögen also geringer sein müsse. Professor Lorenz Stein tat 1872 den Ausspruch: “Dem Manne die Produktion, der Frau die Konsumtion.“ Das ließen die Frauen jedoch nicht auf sich sitzen.

Die Frauen organisierten sich und gründeten in Washington im Jahre 1888 den Frauen Weltbund, den IWC (Internationa Council of Women). Im Juni 1899 fand in London mit Susan Anthony die Generalversammlung statt. Österreichs Frauen waren durch Marianne Hainisch vertreten.

Im 21. Jahrhundert sind die Ketten der Ungleichheit theoretisch gesprengt, doch in der Praxis hinkt die Gleichberechtigung der Frauen noch immer hinterher. Obwohl Hillary Clinton vom Volk gewählt, wird ein frauenfeindlicher Kandidat durch Wahlmänner zum Präsidenten gekürt werden. Die rechtspopulistische, neoliberale Gesellschaft hat für Frauen neue Formen der Ausbeutung gefunden, gebunden durch Geldmangel, geplagt von Existenzängsten.
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 15.11.2016 | 18:01   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 15.11.2016 | 18:14   Melden
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 15.11.2016 | 19:08   Melden
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renate krska aus Neubau | 15.11.2016 | 19:59   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 16.11.2016 | 14:14   Melden
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