Er kocht auf den Meeren der Welt

Philip Heßl aus Traboch: Wenn er auf Yachten kocht, werden in den Häfen die Zutaten dafür gekauft.
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  • Philip Heßl aus Traboch: Wenn er auf Yachten kocht, werden in den Häfen die Zutaten dafür gekauft.
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Die Weltkarte, die Philip Heßl auf seinem Handy gespeichert hat, ist übersät von gelben Pünktchen, vor allem entlang der Küsten. All die Markierungen stellen Orte dar, die der 27-Jährige im Zuge seiner Arbeit in den vergangenen sieben Jahren besucht hat. Darunter finden sich sogar Dubai und Shanghai. „Mit Shanghai hat alles angefangen. Es war meine erste Destination, nachdem ich im Gasthof Meisenbichler in Traboch meine Lehre zum Koch und Kellner abgeschlossen und das Bundesheer absolviert hatte. Ich war damals 20 Jahre alt und wollte weg. So weit weg wie möglich, deshalb habe ich mir aus der Branchenzeitung „Rollin‘ Pin“ gleich Shanghai ausgesucht, wo ich für ein Münchner Cateringunternehmen als Jungkoch bei der dortigen Weltausstellung EXPO 2010 tätig war“, erinnert sich der Trabocher.

800 Schweinshax'n

Die Chinesen seien vor dem Deutschen Pavillon Schlange gestanden für eine der rund 800 Schweinshax’n täglich. Der abenteuerlustige Steirer schaffte es als Demichef de cuisine sogar in die VIP-Lounge der EXPO. „Ich traf dort die Prinzessin von Thailand, der man sich nur auf Knien nähern durfte, und Schauspieler wie Robert de Niro.“ Nach sechs Monaten kehrte er nach Österreich zurück, wo er die Wintersaison in Lech am Arlberg verbrachte. Das Fernweh ließ ihn aber nicht los. In der folgenden Zeit arbeitete Heßl auf dem amerikanischen Kreuzfahrtsschiff „Crystal Serenity“, machte eine 192 Tage dauernde Weltreise als Postenchef mit. Seine Kollegen kamen aus allen Teilen der Welt. „Ich war mit 21 Jahren der Jüngste von ihnen und mich durchzusetzen, war nicht immer lustig und einfach“, sagt er.

Free Lancer und Feuerwehrmann in Dubai

Von kurzen Abstechern in die Heimat unterbrochen, gab Heßl konsequent seiner Abenteuerlust und dem Fernweh nach. Auch als Free Lancer, also als freier Mitarbeiter des österreichischen Cateringunternehmens Do & Co, kam er in viele fremde Länder, wo er das Catering für die Formel 1 übernahm. Einer der Höhepunkte war das Jahr, das der damals 23-Jährige von August 2013 bis 2014 in Dubai verbrachte: als Berufsfeuerwehrmann. „Der erste Einsatz war aufgrund der Hitze schon ziemlich hart. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran“, erinnert sich Heßl. Rund fünf Einsätze waren täglich zu bewältigen, darunter Verkehrsunfälle oder Schiffsbrände. „Würde ich keinen Job als Koch bekommen, würde ich wieder als Feuerwehrmann in Dubai arbeiten.“

Yacht-Job

Vor zwei Jahren winkte schließlich der erste Yacht-Job bei einem saudiarabischen Bauunternehmer, wo Heßl auf der „Lady Moura“, einer 105-Meter-Yacht, vor Monaco für die 80-köpfige Crew täglich Köstliches auf den Tisch zauberte. Im Mai vergangenen Jahres „heuerte“ er auf der Motoryacht „Christina“ an, die einer vierköpfigen, deutschen Familie gehört. Über Monate hinweg ging es durch das Mittelmeer. „Die Familie ließ sich gerne überraschen, was ich koche. In den Häfen habe ich immer die Zutaten dafür besorgt.“ Nach der Wintersaison im Tiroler Ötztal geht es am 22. Mai nun wieder zurück auf die „Christina“, die vor Kroatien ankert.

Immer mehr Heimweh

„Mein Vertrag auf der Yacht läuft bis September. Ich finde es wunderschön, meinen Beruf mit Reisen verbinden zu können. Ich möchte das noch einige Jahre so machen, um mir später nicht vorzuwerfen, etwas versäumt zu haben, und schließlich gibt’s noch einige unmarkierte Stellen auf meiner Landkarte. Nach meinem 30er möchte ich aber doch zur Ruhe kommen und in meiner Heimat eine Familie gründen“, sagt der 27-Jährige, der das Heimweh immer stärker spürt, je älter er wird. „Ist man im Ausland, fehlen einem grundsätzlich die heimischen Traditionen. Und je länger man irgendwo ist, desto mehr weiß man die Heimat mit ihrer guten Luft, den Bergen, dem sauberen Trinkwasser und der wunderbar klappenden Müllbeseitigung zu schätzen“, sagt Heßl.

Autor:

Astrid Höbenreich-Mitteregger aus Leoben

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