Trofaiacher Stimmungsbilder
Tanja Kristl: "Werde versuchen, Dinge nicht mehr aufzuschieben"

Tanja Kristl hält sich an die Vorgaben der Regierung und das Tragen der Mundmaske, denn sie ist überzeugt: "Man kann auch mit den Augen lächeln."
  • Tanja Kristl hält sich an die Vorgaben der Regierung und das Tragen der Mundmaske, denn sie ist überzeugt: "Man kann auch mit den Augen lächeln."
  • Foto: KK
  • hochgeladen von Verena Riegler

Der dritte Teil des Projektes "Trofaiacher Stimmungsbilder" von Jacqueline Juri zeigt, wie sich das Leben der Trofaiacher in der dritten Woche der Ausgangsbeschränkungen verändert hat. 

TROFAIACH. Das Projekt von Jacqueline Juri, der Obfrau des Museumsvereins Trofaiach, geht bereits in die dritte Runde. Das Ziel: Das Stimmungsbild einiger Menschen in einer kleinen Stadt in einer Krisenzeit zu archivieren. Nachdem Tanja Kristl ihre Gedanken und Erfahrungen bereits nach den ersten beiden Wochen der Ausgangsbeschränkungen geteilt hat, folgt nun ein weiteres Fazit nach Woche drei.

Fällt Ihnen zu dieser Situation, in der wir uns nun befinden, ein Zitat, eine Geschichte, ein Bild oder vielleicht eine Textzeile von einem Lied ein, um Ihre Gefühlslage oder Ihre Gedanken gut zu beschreiben? 
TANJA KRISTL:
 Zu Beginn der Situation ist mir gleich ein Spruch aufgefallen: „Wir alle müssen da durch und jeder kann für sich entscheiden, ob er es mit einem Lächeln macht oder mit Depression beziehungsweise Grant. Ich habe mich da gleich auf das Positive konzentriert. Dieser Spruch begleitet mich seither. (Der Orginalspruch wurde nachgereicht: "Die Wahrheit ist: Du musst da durch. Du hast aber die Wahl, ob du das lächelnd oder jammernd machst.")

Hat sich der Umgang mit der für Sie zur Verfügung stehenden Zeit in irgendeiner Form, sei es nun im privaten Bereich, als auch auf beruflicher Ebene, verändert? Bezogenen auf die Qualität der Zeit in Ihrem Alltag.
TANJA KRISTL: Mit der Zeit vor der Krise ist es nicht zu vergleichen. Von 100 auf null, was den Job betrifft und von null auf 100, was die Freizeit betrifft. Zu der Zeit davor, kann ich eigentlich keinen Vergleich ziehen. In diesen drei Wochen hat sich nicht viel verändert. Wir haben nach wie vor unseren Ablauf. Jetzt im Moment sind gerade Osterferien, das heißt für die Schule ist, was meine Tochter betrifft, nichts zu tun. Ansonsten machen wir recht spontan, über den Tag verteilt, was uns gerade einfällt. Ob wir kochen, ob wir backen, ob wir spazieren gehen. Ich habe mich, gleich zu Beginn über die Gemeinde für den ehrenamtlichen Einkaufsdienst beworben, weil ich meine Zeit sinnvoll zur Verfügung stellen wollte. Das wird sehr gut angenommen.

Was wollen Sie mir in der dritten Woche erzählen?
TANJA KRISTL:
Was mich eigentlich in dieser Situation immer wieder beschäftigt hat, ist die Erkenntnis, dass ich versuchen werde, soweit es für mich möglich ist, nichts mehr vor mich hin zu schieben. Dinge, die ich machen möchte oder sagen will oder erledigen muss, gleich machen werde. Man lebt so vor sich hin und dann kommt plötzlich so eine Situation, wie wir sie jetzt haben. Ich möchte es vermeiden, dass ich mir denke: Hätte ich das nur gemacht oder auch gesagt. Wer weiß, wann ich es dann wieder machen kann, ich Personen wiedersehen kann oder ob ich überhaupt nochmals die Gelegenheit dazu bekomme, etwas auszusprechen oder zu erledigen. Berührend ist für mich im Moment dieser Zusammenhalt in Trofaiach. Es gibt mir total viel, für die Leute einkaufen zu gehen. Wie man sich begegnet, wie dankbar die Menschen sind, aber auch wie abhängig die Leute sind, was Hilfe anbelangt.  
Das ständige Kritisieren und das Schlechtreden von manchen Menschen, man kann das auf den sozialen Plattformen lesen, gefällt mir nicht. Keiner hat sich die Situation ausgesucht, wenn es um das Tragen der Masken geht. Ich finde, jeder ist gefordert mit der Situation halbwegs spontan umzugehen, es ist für jeden das erste Mal. 

Sie haben die Möglichkeit Ihren Mitmenschen eine Frage zu stellen, welche wäre das?
TANJA KRISTL:
Das ist wirklich eine schwierige Frage. Ich würde gerne wissen, was die meisten Menschen aus dieser Situation mitnehmen können – für sich und ihr weiteres Leben. Es würde mich wirklich interessieren, welche guten Vorsätze die Menschen für die Zukunft haben. Meine Frage wäre: Was lernst du aus dieser derzeitigen Situation und was nimmst du daraus für deine persönliche Zukunft mit?
Wenn ich das gleich selbst beantworte, dann nehme ich aus dieser Zeit mit, dass ich es zu schätzen weiß, dass ich Arbeiten gehen darf, dass ich einen Kaffee trinken gehen kann und mich mit meinen Freunden treffen kann, wann immer ich es will, dass ich diese Freiheiten habe! Ich nehme für mich sicher mit, dass man sich die gemeinsame Zeit mit der Familie einfach nehmen soll, auch wenn man selbst im ärgsten Strudel steckt und aus dieser Stress-Spirale aussteigen kann. Das bewusste Zeitnehmen für Familie und das bewusste Zeitnehmen, um Freunde zu treffen, finde ich wichtig. Was ich auch noch mitnehme ist, dass materielle Dinge nicht so wichtig sind, wie ich immer geglaubt habe. Natürlich wird man wieder in gewisse Muster zurückfallen. Diese Zeit ist nicht das Allheilmittel, dass wir alle zu besonders guten Menschen werden, aber man sollte vielleicht versuchen, bestimmte Teile mitzunehmen.

Interview: Jacqueline Juri

>>Hier gibt‘s weitere Stimmungsbilder und die Interviews der vergangenen Wochen<<

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen