Denise Raisp aus St. Peter-Freienstein
Eine junge Frau im Kampf gegen zu starke Gefühle

Denise Raisp mit ihren drei veröffentlichten Büchern, einer Life-Story über ihr Leben mit "Borderline" sowie zwei Jugendromanen aus einer Trilogie. Weitere Werke sind in Arbeit.
  • Denise Raisp mit ihren drei veröffentlichten Büchern, einer Life-Story über ihr Leben mit "Borderline" sowie zwei Jugendromanen aus einer Trilogie. Weitere Werke sind in Arbeit.
  • Foto: Julian Krinner
  • hochgeladen von Astrid Höbenreich-Mitteregger

Die 17-jährige Denise Raisp aus St. Peter-Freienstein veröffentlichte vor kurzem ihr drittes Buch. In einem davon erzählt sie von ihrer Krankheit, dem Borderline-Syndrom.

ST. PETER-FREIENSTEIN. „Emotional (in)stabil“ titel das erste Buch der jungen Obersteirerin, das vor einigen Monaten veröffentlicht wurde. Sie erzählt darin von ihrem Leben mit der Borderline Persönlichkeitsstörung, möchte damit die Krankheit enttabuisieren und anderen Jugendlichen Mut machen, sich Hilfe zu suchen. „Bei mir hat es angefangen, als ich etwa zwölf Jahre alt war. Borderline macht sich durch starke Stimmungsschwankungen bemerkbar, alle Gefühle – ob positiv oder negativ – erlebt man vielfach verstärkt. Von einem Moment auf den anderen geht dann nichts mehr. Das zu kontrollieren, ist nicht einfach. Und da war dann noch zusätzlich die Provokation von anderen“, erzählt Denise Raisp.

Verheimlicht

In der ersten Zeit versuchte die Gymnasiastin ihre Probleme zu verheimlichen, verletzte sich selbst. „Es hat kaum jemand darüber Bescheid gewusst. Durch Mitschüler war die Schule aber noch vor meinen Eltern informiert. Es ist bis zu meinem 15. Geburtstag so gegangen, dann haben mich meine Eltern in die psychiatrische Klinik in Graz eingewiesen“, sagt die 17-Jährige. Dort habe sie auf „alles super“ gemacht, nur um bald wieder nach Hause zu kommen. Ein Monat verbrachte sie in einer Wohngruppe, wo sie die Erfahrung gemacht hat, dass auch andere Probleme haben. Die stationären Aufenthalte hätten ihr aber gesundheitlich nicht viel gebracht. „Stationär, das ist viel zu weit weg von der Realität. Es geht einem drinnen vielleicht besser, aber nicht mehr, wenn man wieder draußen ist.“ Richtig geholfen hat ihr erst die Therapie in der Tagesklinik in Leoben, die von der Schule organisiert worden ist. „Ich ging bis Mittag zur Schule und hatte am Nachmittag die Therapie. So konnte ich meinen Alltag leben, ich habe mich viel wohler gefühlt“, betont Denise, die mittlerweile Borderline gut im Griff hat.

Kontrolle über Gefühle

„Es gibt natürlich Rückschläge, aber ich kann meine Gefühle nun besser kontrollieren. Große Freude ist schön, wenn aber die Leere und die Trauer da sind, muss man wissen, wie man wieder herauskommt. Mir hilft dabei das Ablenken mit ‚Skills‘, das ist etwa mein Igelball oder ein Gummiband. Durch deren Verwendung werde ich quasi wieder ‚wach‘“, erklärt Denise. Ihre Umwelt muss damit auch zurechtkommen – manche seien überfordert. „Wenn ich in eine solche Situation komme, muss ich alleine sein, brauche meine Ruhe. Das funktioniert aber schon gut, weil die anderen jetzt über Borderline Bescheid wissen.“

Ein Buch für andere junge Betroffene

Was sich die 17-Jährige wünscht, ist, dass Betroffene nicht auf die Krankheit reduziert werden. Grundsätzlich haben Vorurteile sie dazu veranlasst, ihr erstes Buch zu schreiben. „Es gibt sicher viele in meinem Alter, denen es gleich geht. Ich möchte mit dem Buch Jugendlichen Mut machen, sich Hilfe zu suchen. Man soll nicht zuwarten, wenn man merkt, dass etwas nicht stimmt. Eine psychische Krankheit ist so ‚normal‘ wie eine körperliche“, sagt Denise. Neben ihrem ersten Buch schrieb die Schülerin inzwischen auch noch zwei Jugendromane: „Das Mädchen im schwarzen Pullover“ und „Das Mädchen im grauen Pullover“. Letzterer wurde im Jänner veröffentlicht.

Sprudelnde Ideenquelle

„Der letzte Band der Trilogie 'Das Mädchen im weißen Pullover' ist gerade im Entstehen. In den Romanen übertrage ich teilweise Autobiografisches als auch Erfahrungen von Freunden auf die Protagonistin Maya und ihr Umfeld.“ Jeder Jugendroman ist über 200 Seiten stark. Woher kommen die Ideen? „Das frage ich mich selbst oft. Und ich habe noch so viele Ideen für weitere Bücher. Eines ist übrigens bereits fertig, aber noch nicht veröffentlicht. Die Hauptrolle darin spielt ein Transgender. Mehr wird nicht verraten.“ Im Herbst möchte Denise eine Lehre zur Buch- und Medienwirtschafterin beginnen. „Nach dem Schnuppertag weiß ich, dass das das Richtige für mich ist“, sagt die Jungautorin überzeugt.

Erhältlich sind die Bücher unter anderem bei Morawa im LCS Leoben oder online.


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