Auslandsleobener Heimo Ritzinger
Jennifer Lopez und Will Smith vor der Linse

Der Leobener Heimo Ritzinger wanderte 1984, mit einigen Unterbrechungen, aus. Heute ist er als begehrter Kameramann in Hollywood und auf der ganzen Welt tätig. Nach wie vor dreht er auch in Österreich, und zwar für Degn Film im Auftrag von Servus TV, etwa wie hier die "Hotellegenden".
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  • Der Leobener Heimo Ritzinger wanderte 1984, mit einigen Unterbrechungen, aus. Heute ist er als begehrter Kameramann in Hollywood und auf der ganzen Welt tätig. Nach wie vor dreht er auch in Österreich, und zwar für Degn Film im Auftrag von Servus TV, etwa wie hier die "Hotellegenden".
  • Foto: KK
  • hochgeladen von Astrid Höbenreich-Mitteregger

Der Leobener Heimo Ritzinger zog 1984 mit seiner Kamera los: Endziel Los Angeles. Heute lebt er in Utah, ist gefragter Kameramann, dreht mit Hollywoodstars und Sängern genauso wie Netflix-Serien oder Dokumentationen in Österreich.  

LEOBEN, PARK CITY. Park City ist eine Kleinstadt mit rund 8.000 Einwohnern inmitten dreier großer Skigebiete auf einer Seehöhe von 2.134 Metern im Bundesstaat Utah, USA. Hier lebt seit 25 Jahren der Leobener Heimo Ritzinger. Der heute 54-Jährige machte als Kameramann unter anderem in Hollywood Karriere, hatte Stars wie Madonna, Arnold Schwarzenegger oder Jennifer Lopez vor der Linse – und gestaltete sein eigenes Leben auch ziemlich „filmreif“.
„1983 starb meine Mutter plötzlich. Ich war noch in der Lehre bei Foto Wilke am Leobener Hauptplatz und musste auch noch das Bundesheer absolvieren. Im Juni 1984 habe ich abgerüstet und bin im Juli ausgewandert. Das war eine Flucht vor der Realität des täglichen Lebens, ich konnte das Weggehen nicht erwarten. Mein Bruder Volker war der Einzige, von dem mir der Abschied sehr schwer fiel“, erinnert sich Heimo Ritzinger, für den die Zukunft damals alles offen hielt.

Sprung ins kalte Wasser

„Es war ein Sprung ins kalte Wasser, ich wollte nur weg, aber mit der Sicherheit, etwas gelernt zu haben und jederzeit wieder retour kommen zu können.“ So landete der damals 18-Jährige in New York. „Ich hatte dort einen Kontakt, einen katholischen Priester, und wohnte für zwei Wochen in Queens. Danach wollte ich nach Kanada und schließlich nach Los Angeles. Am Abend, an dem ich ganz alleine in einer McDonald’s Filiale auf meinen Bus nach Toronto wartete und fasziniert war von all den Lichtern, hat mir jemand meine Fototasche, die ich am Nebensitz liegen hatte, gestohlen. Mein Herz ist in die Hose gefallen. Willkommen in Amerika“, erzählt der 54-Jährige. Mit der Tasche war die gesamte Kamera-Ausrüstung dahin, ebenso Pass und Reisetickets. Bis vom Konsulat die neuen Dokumente kamen, musste der Leobener noch einige Zeit in New York bleiben.

Unterwasser- und Hochzeitsfotograf

„Ich bin dann letztendlich aber doch in Los Angeles angekommen und arbeitete dort für fast zwei Jahre als Unterwasser- sowie Hochzeitsfotograf für eine Firma in Santa Monica. Ich hatte nur ein Sechs-Monate-Besucher-Visa und war total illegal unterwegs, arbeitete, zahlte Steuern, hatte einen Führerschein und Wohnung. Niemand kümmerte sich darum.“ Im Winter 1986/87 verschlug es ihn erstmals ins Skigebiet Park City, rund eineinhalb Flugstunden von Los Angeles entfernt. Dort arbeitete der sportliche junge Mann als T-Shirt-Bedrucker, in Restaurants sowie als Hotel-Nachtwächter. „Alles nur, um den ganzen Tag auf der Piste verbringen zu können.“ In diesem Winter kontaktierte ihn ein ehemaliger Berufsschulkollege aus Österreich und bot ihm einen Job bei der Filmproduktionsfirma Degn in Salzburg an.

Wieder retour nach Salzburg

„Ich habe zugesagt und dort die nächsten zwei Jahre als Kamera-Assistent und Tonmeister gearbeitet. Dabei war ich an tollen Dokumentationen auf der ganzen Welt beteiligt, bin mit Niki Lauda im Cockpit von Seattle bis Wien mit seiner ersten Maschine geflogen, habe die Sendungen Universum, Musikantenstadl oder einen Film über Bergsteiger Reinhold Messner gedreht.“ Danach zog es ihn wieder zurück in die USA. 1989 kam sein Bruder Volker und blieb ebenfalls in Utah.
1991 ging Heimo für eine Saison als Snowboard-Lehrer nach Argentinien, wo er seine Frau Victoria kennenlernte. 1992 entschieden sich die beiden, nach Salzburg zu übersiedeln, wo Heimo in den nächsten drei Jahren wieder für die Filmfirma Degn arbeitete und Sendungen wie „Meisterkochen“, „Sport am Montag“, ZiB und auch viel für das Deutsche Fernsehen, vor allem SAT 1, drehte.

Hochzeit in Leoben und zurück in die USA

1993 heirateten Heimo und Victoria in Leoben, Tochter Catalina kam im selben Jahr in Salzburg zur Welt. 1995 gingen er und seine kleine Familie wieder zurück in die USA. Diesmal mit ganz bestimmtem Ziel: "Ich war nun voll ausgebildeter Kameramann und wollte ganz bewusst in Hollywood arbeiten. Wir wollten aber nie in Los Angeles wohnen, weshalb wir wieder zurück ins unser gut bekanntes Park City gingen." Dort kamen 1997 und 2000 die Töchter Josefine und Franziska zur Welt.

Gelebter Traum

„Es ist einfach besser in einer herrlichen Gegend in den Bergen wie Park City zu wohnen und zu den Jobs zu fliegen. Und so haben wir es geschafft, seit mittlerweile 25 Jahren in einem Skigebiet der Rocky Mountains mit frischer Luft zu leben und doch meiner filmischen Berufung nachzukommen. Es ist unser Traumleben", sagt Heimo. Seine Frau liebe ihren Beruf als Schneeschuh- und Wanderguide, er selbst sei alle drei Monate einmal für zehn bis 20 Tage für Werbedrehs unterwegs. "Anfang März habe ich beispielsweise Dreharbeiten in Südafrika beendet."

Dreh der "Hotellegenden", Musikvideos mit Stars

Nach wie vor – „wenn es in Hollywood gerade keine Arbeit für mich gibt“ – dreht er im Sommer für Degn Film in Österreich die „Hotellegenden“ und andere Dokumentationen für Servus TV, meist kombiniert mit Familienurlaub in der „alten Heimat“.
Apropos Hollywood: „Durch viel Glück und gutes Timing hatte ich die Möglichkeit, mit tollen Regisseuren der Hollywood Musikvideo-Industrie zu arbeiten und so kamen Stars wie Madonna, Green Day, Jennifer Lopez, Marilyn Manson oder Eminem vor meine Linse.“ Gearbeitet hat er auch bereits mit Sport- und Filmstars wie Michael Jordan, Arnold Schwarzenegger, Will Smith, Serena Williams oder John McEnroe. Spielfilme wollte er nicht drehen, da man dafür bis zu acht Monate von der Familie getrennt sei. Deshalb hat sich Heimo Ritzinger auf Musikvideos und Werbespots, unter anderem für Pepsi, Maserati, Range Rover oder Nike, spezialisiert, die deutlich weniger Drehtage in Anspruch nehmen. „Mit diesen Kurzprojekten hat sich meine Karriere in den vergangenen 25 Jahren entwickelt“, sagt Ritzinger.

Österreichische Traditionen

In den USA lebt er noch immer viele österreichische Bräuche. „Wir haben Gmundner Geschirr, wir kochen österreichische Speisen, machen einen Adventkranz, singen österreichische Weihnachtslieder – und ich habe mich lange bemüht, den Christbaum erst am Heiligen Abend und nicht bereits Ende November aufzustellen. Damit hatte ich aber nicht lange Erfolg, heute stellen wir den Baum um den 15. Dezember auf. Kompromisse sind gut, wenn man der einzige Mann unter vier Frauen ist, das erspart viel Kopfweh“, lacht der dreifache Vater.
„Wir gehen auch immer noch Schwammerl suchen, das macht ja hier niemand. Gemeinsam mit meinem Bruder Volker, der auch hierher – nach Kamas, rund 20 Autominuten von uns entfernt – ausgewandert ist.“ Was ihm aus der Heimat besonders fehlt? „Gösser Bier natürlich! Und die wunderschönen Seen- und Berglandschaften, der Christkindlmarkt, die Krampusse, der Gösser Kirtag, Fasching, Freunde und Gemütlichkeit.“ Jeden zweiten Sommer versucht er mit seiner Familie für einige Tage nach Leoben zu kommen, wo auch sein Vater Alfred Ritzinger lebt, der seinerseits jedes Jahr für 90 Tage in die USA fliegt, um bei seinen Söhnen zu sein.

Veggie-Familie

Das Essen in Amerika sei nicht annähernd so gut und qualitativ wie in Österreich. „Es ist schockierend, was man hier isst, wenn man nicht bewusst seine Produkte wählt. Darum sind wir als Familie sehr wählerisch geworden, meine Frau kocht zudem wunderbar. Wir kaufen nur in bestimmten Kaufhäusern Bio-Ware, gehen auf Bauernmärkte und verwenden die Eier von Nachbars Hühnern. Wir essen sehr bewusst und zu 80 Prozent vegetarisch“, erzählt der 54-Jährige. Was neben argentinischen Speisen seiner Frau auch sehr gerne auf den Tisch kommt, sind gefüllte Paprika, „nach Rezept von Frau Stadlober aus Judendorf, meiner Arbeitskollegin bei Foto Wilke“.

"Meine Wurzeln sind in Göss"

Nach Leoben zurückzukehren sei ausgeschlossen, auch wenn Göss immer seine Heimat bleiben werde. „Im tiefsten Herzen bin ich von dort und jedesmal, wenn ich nach Göss komme, kommen Gefühle auf, die ich nicht beschreiben kann. Ich zeige auch jedes Mal den Kindern das Haus in der Hans-Kudlich-Straße, in dem ich aufgewachsen bin und mein Herz klopft immer laut. Meine Wurzeln sind dort und werden es immer bleiben“, sagt Heimo Ritzinger.
Übrigens: Sein Bruder Volker ist mit frischen Backwaren aus der eigenen Bäckerei "Volker's Bakery", in der es Apfelstrudel, Stollen und knuspriges Brot gibt, sehr erfolgreich und beliebt. "Jeder kennt Volker persönlich - und sein Brot!", so Heimo.

Lustige Anekdoten

  • "Als ich das Eminem-Musikvideo von meinem Agenten in New York angeboten bekam, saß ich beim Mittagessen mit meiner Tochter Catalina. Ich fragte verwundert, warum man ein Musikvideo für Schokolade drehen wolle, als mir Catalina mit großen Augen zuflüsterte, dass Eminem ein Rapper ist und keine Schokolade. Das war wirklich lustig", lacht Heimo Ritzinger.
  • Eine andere bemerkenswerte Geschichte: "Ich war vor ungefähr drei Jahren in Los Angeles, um beim österreichischen Konsulat meinen Pass zu erneuern, als mich eine sehr attraktive Dame meines Alters ansprach und sich mit Ulrike Ritzinger, Generalkonsulin der österreichischen Regierung in Los Angeles, vorstellte. Und: Sie hatte nicht nur den selben Namen, sie war auch aus Leoben! Ich konnte es nicht glauben. Sie wuchs in Leitendorf auf, also wenige Kilometer von meinem Zuhause entfernt, mit dem gleichen Namen und ähnlichem Alter, ohne dass wir miteinander verwandt wären. Wir hatten uns nie zuvor in Leoben getroffen oder voneinander gehört. Mittlerweile sind wir gute Freunde. Nach vier Jahren in Los Angeles ist sie nun in Wien im Außenministerium tätig", erzählt Ritzinger. 

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