Auslandstrofaiacher Heinrich Hochfellner
Vom Krumpengraben nach Chicago

Heinrich Hochfellner wanderte 1955 von Hafning nach Chicago aus, wo er als Zimmermann tätig war. Seine Wurzeln in Trofaiach vergaß er nie, mit Verwandten in der alten Heimat hat er regen Kontakt.
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  • Heinrich Hochfellner wanderte 1955 von Hafning nach Chicago aus, wo er als Zimmermann tätig war. Seine Wurzeln in Trofaiach vergaß er nie, mit Verwandten in der alten Heimat hat er regen Kontakt.
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  • hochgeladen von Astrid Höbenreich-Mitteregger

1955 wanderte Heinrich Hochfellner mit seiner Frau Elisabeth von Trofaiach nach Chicago aus, heute wohnen sie in Twin Lakes, einer kleinen Stadt in Wisconsin.

Heinrich Hochfellner war 25 Jahre alt, als er von Trofaiach wegging, mittlerweile ist er 90 Jahre alt und topfit, seine Frau Elisabeth ist ein Jahr jünger. Die beiden gründeten in den USA ihre eigene Familie und sind Eltern von drei Söhnen und einer Tochter. Der ehemalige Trofaiacher, der in den USA Henry genannt wird, erzählt: „Ich bin als eines von elf Kindern im Gössgraben geboren und im Krumpengraben bei Hafning aufgewachsen.“ Als Beruf erlernte er Zimmermann. „Ich begann 1944 mit 14 Jahren als Lehrling bei der Trofaiacher Firma Stingl und arbeitete dort bis 1950. Zu dieser Zeit wurde die Arbeit immer weniger und ich und andere Arbeiter wurden entlassen, woraufhin ich bei einer staatlichen Firma in Donawitz zu arbeiten begann, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann“, sagt der 90-Jährige. Seine zukünftige Frau Elisabeth traf er, als sie und ihre Familie als Vertriebene aus dem damaligen Jugoslawien nach Trofaiach kamen.

Ganz anders als die anderen Mädchen

„Ich spielte Fußball mit ihren Brüdern und lernte so auch Elisabeth kennen. Ich erinnere mich noch gut, dass ich von Anfang an fasziniert war von ihr, weil sie so ganz anders war als all die anderen Mädchen, die ich zuvor traf. Wir heirateten 1951 und feiern heuer im Juli unseren 70. Hochzeitstag“, sagt der ehemalige Trofaiacher stolz. Da Elisabeths Familie Verwandte in Amerika hatte, die selbst kinderlos waren, ging ihr Bruder als Erster 1952 nach Amerika, um den Verwandten, die schon etwas älter waren, Hilfe und Unterstützung im Alltag zu sein. Drei Jahre später, 1955, entschieden sich Heinrich und Elisabeth, ihm zu folgen. „Wir sind für die Verwandten gegangen, aber natürlich war es auch eine Chance, Erfahrungen zu sammeln, mehr von der Welt zu sehen und das Abenteuer zu erleben, in ein anderes Land zu ziehen“, so Hochfellner.

Zweiwöchige Schiffsreise

Der Abschied von der Familie in Trofaiach fiel dem jungen Ehepaar sehr schwer. „Wir waren unentschlossen, wie lange wir bleiben wollten, aber wir wollten es versuchen. Nach einer zweiwöchigen Schiffsreise kamen wir auf Ellis Island in New York an und reisten anschließend nach Chicago, wo Elisabeths Verwandte wohnten.“ Englisch hatten die beiden zuvor von einem Lehrer in Trofaiach gelernt, trotzdem war der Start in den USA alles andere als einfach. „Die größte Umstellung für mich war es, nach dem ländlichen Leben in Trofaiach in einer so großen Stadt wie Chicago zu sein. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Wir hatten aber immer die Unterstützung von Elisabeths Familie.“
Mithilfe eines anderen ausgewanderten Österreichers fand er schließlich Arbeit bei der dortigen Zimmermanns-Vereinigung und begann, gut zu verdienen. „Wir konnten uns ein Auto kaufen und bald darauf ein eigenes Heim.“

Heimweh

Seine Heimat und die Familie in Trofaiach vermisste der junge Mann sehr. „Wir kamen in den ersten fünf Jahren zweimal nach Hause. Danach wurde das Reisen schwieriger, weil wir vier Kinder bekamen. Unsere eigene Familie war schließlich der Grund, fix in den USA zu bleiben“, erzählt der 90-Jährige. Nachdem die Kinder erwachsen waren, kamen er und seine Frau 1993 nach Trofaiach, und zuletzt 1999, als das 400-Jahr-Jubiläum der Familie Hochfellner bei einem großen Treffen gefeiert wurde.

Raus aus der Stadt

Als Heinrich Hochfellner mit 62 Jahren in Pension ging, ergriff er die Gelegenheit und zog aus der großen Stadt Chicago wieder hinaus aufs Land, rund eineinhalb Autostunden von Chicago entfernt. „Wir leben seitdem in der kleinen Stadt Twin Lakes in Wisconsin, an einem wunderschönen See.“ Selbst mit 90 Jahren fährt er noch Ski, genießt am See das Fischen, Schwimmen und Eislaufen. Im Frühling und Sommer pflanzt er leidenschaftlich gerne Blumen und Gemüse. Was ihm fehlt, sind längere Aufenthalte seiner Kinder mit Familien bei sich, die aufgrund von Corona derzeit nicht möglich sind.

Auf der "Steirer Alm"

An seine alte Heimat denkt Heinrich mit viel Liebe. „Wir sind hier in Amerika Mitglieder eines ‚Steirer Clubs‘ und sind, wenn möglich, bei den jährlichen Treffen auf der ‚Steirer Alm‘ dabei, wo es österreichisches Essen und Musik gibt.“ Mit seiner Familie in der Steiermark steht er über soziale Medien in Kontakt, über Verwandtenbesuch aus Trofaiach, wie etwa dem seines Großneffen Mario Kullnigg und dessen Freundin, freute er sich riesig. „Auch wenn ich Amerika inzwischen ebenfalls zu meiner Heimat zähle, die steirischen Traditionen werden von mir bis heute gelebt und geliebt“, sagt Hochfellner.


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