Stolperstein-Verlegung in Leoben
„Wäre sie heute hier, wäre sie sehr glücklich“

Aya Zarfati, Enkelin von Alice Werdisheim, Geschichtelehrerin Anna Rath, Kulturreferent Johannes Gsaxner, Schüler der 8 C des Alten Gymnasiums Leoben, Lehrerin Nina Pongratz und Martin Baumann, provisorischer Leiter (v.l.), bei der Verlegung der sechs Stolpersteine am Waasenplatz 1 in Leoben.
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  • Aya Zarfati, Enkelin von Alice Werdisheim, Geschichtelehrerin Anna Rath, Kulturreferent Johannes Gsaxner, Schüler der 8 C des Alten Gymnasiums Leoben, Lehrerin Nina Pongratz und Martin Baumann, provisorischer Leiter (v.l.), bei der Verlegung der sechs Stolpersteine am Waasenplatz 1 in Leoben.
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Zu Ehren von Leobener Opfern des Holocausts wurden „Stolpersteine“, versehen mit Namen und Daten, von Künstler Gunter Demnig vor deren letztem Wohnort verlegt. Auch Angehörige waren anwesend.
LEOBEN. Insgesamt wurde neun Personen aus Leoben, die im Nationalsozialismus vertrieben, deportiert, ermordet wurden, Namen und Identität zurückgegeben. Und zwar in Form von „Stolpersteinen“ – quadratische Messingplatten aufgesetzt auf Betonwürfel –, die mit Namen und Daten der jeweiligen Personen in jene Straßen eingelassen wurden, in denen die Opfer zuletzt wohnten beziehungsweise arbeiteten. In der Franz Josef-Straße 18 bzw. der Timmersdorfergasse 8 bekamen David Spiess sowie Hans Gideon Röhr als jüdische Opfer ihre Gedenksteine. In der Lorberaustraße 11 liegt nun ein Stolperstein für Roman Cebaus, am Waasenplatz 1 wurden sechs Steine für die jüdische Familie Werdisheim verlegt, die dort das Geschäft Scheck führte.
Somit ist Leoben die erste steirische Stadt nach Graz, die mit Stolpersteinen an die Opfer des Holocausts gedenkt. Verlegt wurden die speziellen, markengeschützten Steine persönlich von Künstler Gunter Demnig, der das Projekt "Stolpersteine" 1992 startete. Organisiert hatte die Verlegung der Verein für Gedenkkultur Graz, unterstützt durch die Stadt Leoben sowie das MuseumsCenter Leoben.

Enkelin Aya gefunden

Dass man die Geschichte der Familie Werdisheim aufrollte, ist einem Projekt einer Oberstufenklasse des BG/BRG Leoben Alt unter Geschichtelehrerin Anna Rath zu verdanken. Sie initiierte dieses gemeinsam mit ihren Schülern im vergangenen Schuljahr. Im Zuge dessen konnte Aya Zarfati, die Enkelin von Alice Werdisheim, einer überlebenden Tochter des ermordeten Geschäftsmannes Max Werdisheim, in Berlin ausgeforscht und im Juni nach Leoben eingeladen werden. Wie die gebürtige Israelin erzählte, wuchs ihre Oma Alice nach ihrer Vertreibung aus Leoben bei einer ebenfalls überlebenden Schwester in Israel auf, wo sie ihre eigene Familie gründete. Alice starb 2017.

Familie kam aus Israel

Zur Stolpersteinverlegung kam Alices Sohn Miki Zarfati, 66, mit seiner Frau Bat-Sheva und Sohn Amos aus Israel angereist, Mikis Tochter Aya Zarfati kam mit ihrer kleinen Familie aus Berlin. „Wir waren vor 20 Jahren mit meiner Oma Alice hier in ihrer Heimat Leoben. Sie war damals so enttäuscht, weil das Haus am Waasenplatz, in dem sie aufgewachsen war, kurz zuvor abgerissen worden war. Sie wünschte sich so sehr, dass es für ihre Familie einen Stolperstein geben würde. Nun ist ihr Wunsch erfüllt. Wäre sie heute hier, würde sie sehr glücklich sein“, sagte Aya Zarfati. Für sie und ihre Familie war die Verlegung sehr berührend. "Traurig und schön zugleich." Die Schüler der 8 C, die die Patenschaft für einen Stein übernahmen, sehen das Ziel ihres Projektes erfüllt, nämlich niemals zu vergessen.

"Stolpern wir darüber!"

„Es hat mich unheimlich gefreut, die ganze Familie Zarfati kennenzulernen, die den Schülern mit solch einer Offenheit gegenübergetreten sind. Auch die rege Teilnahme der Leobener an der Verlegung der Stolpersteine freut mich. Sie weist darauf hin, dass es in die richtige Richtung geht“, sagte Geschichtelehrerin Anna Rath. Und Johannes Gsaxner, Kulturreferent der Stadt Leoben, betonte: „Die Stolpersteine sind wichtiger denn je mit ihrer Botschaft, niemals zu vergessen und wachsam zu bleiben. Stolpern wir also darüber!“

Autor:

Astrid Höbenreich-Mitteregger aus Leoben

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