Zwei Bürgermeister, zwei Lokführer: Jede Menge Verantwortung

Zwei Bürgermeister, zwei gleiche Berufe: Johann Marak (Niklasdorf) und Manfred Lenger (Spielberg) sind Triebfahrzeugführer bei den ÖBB.
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  • Zwei Bürgermeister, zwei gleiche Berufe: Johann Marak (Niklasdorf) und Manfred Lenger (Spielberg) sind Triebfahrzeugführer bei den ÖBB.
  • hochgeladen von Peter Wagner

NIKLASDORF/SPIELBERG. Seit jeher waren die österreichischen Eisenbahner politisch interessiert und teilweise auch aktiv in der Politik tätig. In den Gemeinden Niklasdorf und Spielberg arbeiten zwei Lokführer „nebenbei“ auch als Bürgermeister: Johann Marak und Manfred Lenger.

Ähnliche Strukturen

Die Industriegemeinden Niklasdorf und Spielberg sind sich neben dem Beruf der Bürgermeister auch sonst nicht ganz unähnlich – abgesehen von der Größe. Flächenmäßig mit knapp 30 km² ist Spielberg fast doppelt so groß wie Niklasdorf und Bürgermeister Manfred Lenger ist dort Ansprechpartner für rund 5.300 Einwohner. „Da hat es mein Kollege Hans Marak vielleicht etwas einfacher. Bei knapp 2.600 Einwohnern kennt man ja noch fast jeden beim Namen“, sagt er mit einem leichten Schmunzeln. Der Niklasdorfer Bürgermeister kontert wortgewandt: „Dafür hast du auch einen zweiten Vizebürgermeister. Der nimmt dir ja ein Drittel der Namen ab!“
Über die große Anzahl an Arbeitsplätzen im Ort sind beide Bürgermeister naturgemäß mehr als glücklich. "Aber die Wohnqualität darf keinesfalls darunter leiden“, sind sie sich einig.

Jobs mit Verantwortung

Begonnen hat die politische Laufbahn bei beiden im Jahr 2000 als Gemeinderat, Marak war ab 2004 Gemeindekassier und ist seit Februar 2012 Bürgermeister von Niklasdorf. Manfred Lenger war zusätzlich ein Jahr als Stadtrat tätig und von 2011 bis 2013 erster Vizebürgermeister der Gemeinde Spielberg. Zum Bürgermeister wurde er im März 2013 gewählt.
Den zeitlichen Aufwand in ihrem „Nebenjob“ als Bürgermeister bewerten die zwei mit rund 40 Wochenstunden. Aufgrund der Gemeindegröße ist der Niklasdorfer Johann Marak ein wenig darunter angesiedelt und Manfred Lenger beziffert seinen Zeitaufwand mit etwas mehr als 40 Stunden pro Woche. Der steigert sich in Spitzenzeiten noch einmal erheblich. Ab November bis zum Jahresende erhöht sich bei beiden Ortschefs das Arbeitspensum auf bis zu 60 Stunden – zusätzlich zum Dienst als Lokführer.
„Das wäre auf Dauer natürlich nicht zu schaffen“, sind Lenger und Marak diesbezüglich einer Meinung, „da ist es von Vorteil, wenn man noch auf einige Tage Urlaub bei den ÖBB zurückgreifen kann.“ Beide sind als Lokführer in Teilkarenz, der anstrengende und verantwortungsvolle Schichtdienst wäre im „Vollbetrieb“ auch keinesfalls durchführbar. Bürgermeister Marak sieht sogar einige Parallelen zwischen den beiden Tätigkeiten: „Wir übernehmen da wie dort Verantwortung für Menschen und fremdes Eigentum. So gesehen sind sich der Beruf des Lokführers und die Tätigkeit als Bürgermeister gar nicht unähnlich.“

Lebenswerte Gemeinden

Während Niklasdorf – wie viele andere Gemeinden auch – mit einem leichten Einwohnerrückgang kämpft, ist dieser Trend in Spielberg kein Thema. Lenger: „Wer in Spielberg lebt, lebt sehr zentral mit guten Anbindungen an die Ballungszentren wie Graz und Leoben. Und andererseits ist man aber auch schnell in der Natur und findet dort viele tolle Erholungsmöglichkeiten.“
Die Infrastruktur ihrer Gemeinden bewerten beide Bürgermeister mit "ziemlich gut", ein zusätzlicher Pluspunkt sei die hohe Vereinsdichte und die damit verbundenen Veranstaltungen für die heimische Bevölkerung.
Aufgrund der internationalen Großveranstaltungen auf dem Gelände des Red Bull Rings hat sich Spielberg diesbezüglich in einer ganz anderen Liga etabliert. Bei der Frage nach Hobbys und wieviel Zeit dafür noch übrig bleibt, sind sich Lenger und Marak beinahe einig. Beide widmen die wenigen Stunden ohne Termine am liebsten der Familie und bevorzugen das Wandern oder Mountainbiken in der unmittelbaren Gegend. Spielbergs Ortschef ist zusätzlich noch ab und zu mit dem Motorrad unterwegs, der Niklasdorfer Bürgermeister musiziert seit über 40 Jahren in der örtlichen Werkskapelle oder entspannt mit seiner Frau in einer Therme.

Kurz gefragt

Welche Projekte in der Gemeinde liegen euch im Moment besonders am Herzen?
JOHANN MARAK:
W-Lan am Hauptplatz und im Freibad, eine E-Tankstelle am Hauptplatz, die Planungsarbeiten für das Projekt für einen neuen Turnsaal.
MANFRED LENGER: Die Sanierung von Straßen, Wasser und Kanal, Neubau und Sanierung von Kinderspielplätzen, Ausbau von Rad- und Gehwegen gemeinsam mit dem Land und Red Bull; die Errichtung eines neuen Handels- und Gewerbeparks steht vor der Umsetzung.

Gibt es Entwicklungen in der Gemeinde, die euch Sorgen bereiten?
MARAK: Ich habe ein Problem damit, wenn andere Gemeinden Projekte in unserer Gemeinde errichten wollen, wie das von der Pietätgruppe in Niklasdorf geplante Krematorium.
LENGER: Mich ärgert es, wenn Oppositionsparteien die Parteipolitik über die Gemeindeinteressen stellen.

Beschreibt euch mit Stichworten selbst
MARAK:
Pragmatisch veranlagt, schnellste und kürzeste Lösung ist meist die beste, Bürgernähe, ich neige leider zu cholerischen Anwandlungen.
LENGER:
Teamplayer, offen, kontaktfreudig, konsequent, ungeduldig.

Werdet ihr 2020 noch einmal kandidieren?
MARAK:
Vorbehaltlich eines Fraktionsbeschlusses, ja.
LENGER: Aus heutiger Sicht würde ich diese Frage mit einem "Ja" beantworten.

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