Der alte Jüdische Friedhof
Ein Ort der Stille und Vergangenheit

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Das Laub raschelt unter den Schuhsohlen, ein Eichhörnchen huscht auf einen Baum und die Vögel zwitschern. Die Ruhe wird von einem Flugzeug gestört das über unsere Köpfe hinweg donnert. Rundherum stehen und liegen Grabsteine, manche Inschriften sind nur mehr schemenhaft leserlich oder unter einem Wulst aus Gestrüpp versteckt.  Im Herbst des vergangenen Jahres, begaben wir uns auf eine Entdeckungsreise, auf dem alten jüdischen Friedhof am Wiener Zentralfriedhof.

Tor 1

Im Jahre 1877 erhielt die Israelitische Kultusgemeinde das Grundstück im westlichen Teil von der Gemeinde Wien. Natürlich gegen einen Ablösebetrag und zwar um etwa 36.929 Kronen. Ab März 1879 wurde mit der Belegung begonnen. Der Friedhof erstreckt sich über eine Fläche von ca. 260.000 m2 und bis 1916 wurden hier an die 80.000 Verstorbene in Grabanlagen oder Mausoleen beigesetzt. Zahlreiche prominente jüdische Bürger Wiens haben dort ihren letzten Ruheplatz gefunden. Arthur Schnitzler, Friedrich Torberg und Viktor Frankl liegen hier begraben.

Verwüstung

Während der 30er Jahre wurde der jüdische Friedhof mehrmals geschändet. 1938 wurde in der Reichspogromnacht die Zeremonienhalle des Friedhofs vollständig niedergebrannt. Danach wurde das Grundstück durch die Nationalsozialisten zwangsenteignet. Auch weisen zahlreiche Grabsteine massive Zerstörungen auf die bei Kriegsende durch Bombeneinschläge und Granatsplitter verursacht wurden. Seit 1991 werden Ehrengräber, Mausoleen und Gräber vom unabhängigen Verein „Schalom“ saniert und restauriert. Der Verein kümmert sich auch um die allgemeine Instandhaltung des Geländes.

Nie aufgegeben

Da in der jüdischen Tradition Gräber für immer den Verstorbenen gehören, blieb dieser besondere Teil des Wiener Zentralfriedhofes weitgehend erhalten. Gräber dürfen nicht verlegt, verändert, bebaut oder aufgegeben werden. Und so ruhen sie beim Tor 1 in einem Dornröschenschlaf, versunken vor langer Zeit und heute wieder voller Leben. Es finden nämlich wieder Besucher immer öfter auch wieder den Weg von den Ehrengräbern in anderen Teilen des Zentralfriedhofes hinüber zum jüdischen Teil.

Beeindruckend ist vor allem die Atmosphäre gemischt aus Faszination für das Erscheinungsbild dieses versunken Ortes und der Mystik die ihn umgibt. Und nicht zuletzt auch wegen der Geschichte Österreichs, wie zahlreiche Inschriften auf den Steinen mahnend weisen, wenn da steht: „Märtyrer der Nazizeit.“

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