13.10.2017, 19:01 Uhr

"Ich hatte nicht die Absicht, so lange zu bleiben"

Maria Bäck aus Leoben-Hinterberg zog es schon früh in fremde Länder. In der Schweiz lebt sie seit 40 Jahren. (Foto: Höbenreich)

Die Lust auf Abwechslung führte Maria Bäck aus Leoben-Hinterberg 1975 zum ersten Mal als Aupair-Mädchen ins Ausland. Seit 1977 lebt sie in der Schweiz.

Rund 740 Kilometer oder siebeneinhalb Autostunden von ihrem ursprünglichen Heimatort Leoben-Hinterberg entfernt, liegt Maria Bäcks zweite Heimat, Luzern in der Schweiz. „Es begann alles 1975, als ich 18 Jahre alt war. Ich habe nach der Ausbildung in der Hotel- und Gastgewerbeschule in Bad Aussee Abwechslung gesucht, deshalb ging ich ein Jahr als Aupair-Mädchen nach Paris – fast ohne Französischkenntnisse. Anschließend verbrachte ich ein Jahr als Aupair-Mädchen in London, wo ich bei einer englischen Lehrerfamilie tätig war und in Cambrigde mein Englisch vertiefte. Zuvor war ich einer deutschen Familie zugeteilt, habe dann aber gewechselt, weil ich dort ja nur wenig Möglichkeit hatte, die Landessprache zu erlernen“, erinnert sich die heute 60-Jährige.

Neugierde

So richtig auf den Geschmack fremden Lebensstils gekommen, wollte die damals 20-Jährige nicht wieder zurück nach Österreich. „Mit einer Bekannten aus Kärnten ging ich deshalb in die Schweiz – aus Neugierde und keineswegs mit der Absicht, so lange zu bleiben.“ Die erste Station lag am Bregenzersee, mit einer Stelle als Servicekraft in einem Hotel. „Die Enttäuschung war groß. Erstens weil es eine schlechte Stelle war und zweitens weil wir mit dem dortigen Schweizer Dialekt und der Mentalität nicht zurecht kamen. Es war frustrierend“, sagt die gebürtige Leobenerin. Da Aufgeben aber nicht in Frage kam, wechselte sie in der zweiten Saison in ein anderes Hotel der Region, wo es ihr besser ging. Die folgenden fünf Jahre verbrachte sie in drei verschiedenen Hotels des berühmten Schiortes Crans Montana in der französischen Schweiz. „Hier waren die Menschen viel freundlicher und offener als in der deutschen Schweiz.“ Zwischen den Saisonen verbrachte sie ihre Zeit zu Hause bei ihrer Familie in Hinterberg. „Heimweh hatte ich allerdings nie. Die Lust auf Abwechslung war einfach zu groß“, gesteht sie. Nach den vielen Jahren wollte sie weg vom Service und begann eine Weiterbildung zur Rezeptionistin.

Erreichbar nur mit Gondelbahn

„Ich habe anschließend zwei Saisonen lang ein Praktikum im Schigebiet Melchsee Frutt im Kanton Obwalden gemacht, das nur mit der Gondelbahn erreichbar war. Das war eine wirklich spannende Zeit“, sagt Bäck. Schließlich bewarb sie sich in Graubünden im 80-Betten-Hotel „Post Hotel Julia“ in Tiefencastel, wo sie 20 Jahre lang als Direktionsassistentin tätig war. „Mein Tag hatte zwölf bis 14 Stunden“, erinnert sie sich. Nachdem das Hotel verkauft wurde, arbeitete sie ein Jahr lang in Luzern im Hotel Zentral. „Durch Zufall bin ich dann in eine Reha-Klinik im Kanton Zug gekommen und war dort zuständig für die Buchhaltung und Organisation. Da ich in Luzern wohnte, musste ich täglich 40 Kilometer für eine Strecke zurücklegen. Nach zehn Jahren wurde das Haus geschlossen und ich musste mich mit 55 Jahren wieder neu bewerben. Glücklicherweise konnte ich die Leitung der Mensa in einer Berufsschule für Bau und Gewerbe in der Stadt Luzern übernehmen“, berichtet Bäck, die mehrmals im Jahr zu ihren Eltern und Geschwistern nach Hinterberg kommt.

Freundeskreis

In zwei, drei Jahren winkt die Pension, in der viele Reisen am Plan stehen. Ganz nach Österreich zurückkehren möchte sie nicht. „Ich habe in der Schweiz meinen Freundeskreis aufgebaut und mich an das Leben dort gewöhnt. Der medizinische Standard ist in der Schweiz beispielsweise höher als in Österreich und das möchte ich nicht missen. Wie alles genau werden wird, das lasse ich auf mich zukommen.“ Der Begriff Heimat ist für sie ein flexibler. „Heimat ist für mich dort, wo ich gerade lebe“, sagt Maria Bäck.
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