09.08.2017, 14:24 Uhr

Eine Bergtour will geplant sein


(Foto: Bergrettung Vordernberg)

Die Bergrettung gibt wertvolle Tipps für mehr Sicherheit am Berg.

Immer mehr Menschen zieht es in die Berge. Ganz egal ob Mountainbiken, Klettersteiggehen, Bergsteigen, Klettern oder Wandern: Der Bergsport boomt. So erfreulich diese Entwicklung ist, sie hat auch ihre Kehrseite: Regelmäßig muss die Bergrettung ausrücken, um orientierungslosen oder verletzten Sportlern zu helfen.

Tragische Unglücksfälle

„Viele dieser Einsätze wären vermeidbar, wenn sich die Leute selbst besser einschätzen und vorbereiten würden“, behauptet Gunther Thor, Ortsstellenleiter der Bergrettung Vordernberg. Besonders im Gebiet rund um den Präbichl ist heuer schon viel passiert: Verletzte Wanderer, verstiegene oder völlig erschöpfte Personen. Erst kürzlich ist ein Einheimischer an seinem Hausberg, dem Eisenerzer Reichenstein, tödlich abgestürzt. Am Freitag zuvor sind zwei junge Frauen auf der Vordernberger Mauer in ein Unwetter geraten. „Sie hatten die Tour unterschätzt und waren mit der Situation komplett überfordert. Glücklicherweise konnten wir sie unverletzt mit dem Hubschrauber ins Tal bringen“, berichtet der Bergretter und betont dabei auch die hervorragende Zusammenarbeit mit den benachbarten Ortsstellen: Trofaiach, Mautern, Leoben, Eisenerz und Tragöß.
Dass solche scheinbar harmlosen Einsätze auch ganz anders ausgehen können, beweist die missglückte Hubschrauberbergung zweier Wanderer vom Grete-Klinger-Steig, bei der am 4. Juni eine Frau und ein junger Flugretter ums Leben kamen.


Appell an die Vernunft

„Unsere Leute sind bestens ausgebildet und hoch motiviert. Trotzdem bleibt bei jedem Einsatz ein gewisses Restrisiko“, gibt Gunther Thor zu bedenken. „Jeder Bergsportler, der sich fahrlässig in Not bringt, riskiert nicht nur sein eigenes Leben. Er bringt auch jene Menschen in Gefahr, die ihm zur Hilfe eilen.“ Deshalb appelliert die Bergrettung an die Vernunft der Leute und mahnt zur besseren Vorbereitung. Hier die wichtigsten Punkte, die man bei einer Bergtour unbedingt beachten sollte:


Tour gut planen

Jede Tour sollte gut geplant werden. Als Informationsgrundlage dienen Karten, Wanderführer und Berichte im Internet. Der Tipp von Gunther Thor: "Informieren Sie einen Angehörigen über das Vorhaben und sagen Sie Bescheid, wann Sie spätestens zurück sein willst. Bleiben Sie immer auf der geplanten Route und steigen Sie nie in unmarkiertes, wegloses Gelände ab. Auch eine steile Wiese kann schnell zum Verhängnis werden! Sie sollten immer genau wissen, wo Sie gerade sind. Nur so können Sie in einer Notlage gezielt Hilfe anfordern."

Vorsicht für Selbstüberschätzung

Die Länge und die Schwierigkeit der Tour richten sich nach dem eigenen Können. Die Überschätzung der eigenen Kräfte bzw. die Unterschätzung der Tour zählt zu den häufigsten Unfallursachen. Wichtig ist es, das Tempo der eigenen Kondition und der der Partner anzupassen. Thor: "Das schwächste Mitglied einer Gruppe geht voraus und bestimmt die Geschwindigkeit. Wer zu schnell geht wird früher müde. Die Gruppe sollte immer zusammenbleiben."

Wetterlage beobachten

Eine Bergtour sollte man nur bei schönem, stabilem Wetter unternehmen. Ganz wichtig: Die Wetterlage vor und während der Tour beobachten. Unwetter am Berg kommen schnell und unerwartet. Gewitter ziehen im Sommer oft schon zur Mittagszeit auf. Daher so früh wie möglich aufbrechen! Sollte sich das Wetter während der Tour verschlechtern, unbedingt rechtzeitig umkehren oder Schutz suchen. Ein Wettersturz am Berg kann dramatische Folgen haben: Regen, Eis und Schnee machen den Weg nass und rutschig. Nebel erschwert die Orientierung. Blitzschlag am Klettersteig ist lebensgefährlich! Unterkühlung führt auch im Sommer zu Leistungsverlust mit völliger Erschöpfung.

Nur gut ausgerüstet in die Berge

Ganz wichtig ist auch die Ausrüstung. Sie sollte sorgfältig nach Jahreszeit, Dauer, Art und Schwierigkeit der Tour zusammengestellt werden. Neben guten Schuhen und angepasster Kleidung sollte die Notfallausrüstung immer im Rucksack sein. Dazu gehören ein Handy mit vollem Akku, eine Stirnlampe und die Rucksack-Apotheke. Falls man doch mal unerwartet am Berg übernachten muss oder Unterschlupf sucht, leistet ein Biwacksack wertvolle Dienste. Außerdem wichtig: Sonnenschutz, sowie warme, trockene Reservekleidung. Auch Mütze und Handschuhe sollten das ganze Jahr über im Rucksack sein.

Thor: "Nehmen Sie ausreichend Getränke und energiereiche Nahrung mit. Vor der Tour sollte man gut frühstücken, den Magen aber nicht überfüllen. Unterwegs erhalten regelmäßiges Trinken und Verpflegungspausen die Leistungsfähigkeit. Dehydrierung ist neben Unterkühlung die häufigste Ursache für völligen Zusammenbruch. Kein Alkohol, denn Alkohol macht müde und leichtsinnig.


Was tun im Notfall?

Wer  trotz aller Sorgfalt in Not gerät: Sofort die Bergrettung anrufen – Telefonnummer 140. Thor: "Lieber früher als zu spät. Geben Sie am Telefon sofort den Standort durch, bevor Sie  weiter ausholen. So wissen die Retter sofort, wo Sie sind, auch wenn die Verbindung abreißen sollte."
Dann das Geschehen möglichst genau beschreiben: Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Art von Verletzungen? Wer ruft an? Bewahren Sie Ruhe, folge Sie den Anweisungen und warte Sie am Unfallort bis Hilfe eintrifft. Sparsam telefonieren, damit der Akku nicht leer wird. Leisten Sie Erste Hilfe und lassen Sie einen Verletzen nie allein. Verwenden Sie bei unklaren Ortsangaben das alpine Notsignal: Sechsmal innerhalb einer Minute ein optisches oder akustisches Signal absenden. Dann eine Minute Pause und in gleicher Folge wiederholen. Die Antwort auf ein solches Signal wird mit drei Zeichen pro Minute gegeben.
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