03.09.2016, 14:43 Uhr

„Wiederbelebung“ für Toaster & Co

Helmut Weissenbacher beim Reparieren eines Videorekorders.

Zum ersten Repair Café in Leoben kamen zahlreiche Menschen mit ihren defekten Geräten.

LEOBEN. Die Schlange ist lang, die sich bereits bei Öffnung des ersten Repair Cafés um neun Uhr vor den Räumlichkeiten des Altstoffsammelzentrums am Leobener Prettachfeld bildet. Jeder der Wartenden trägt ein elektrisches Gerät und füllt bei Bärbel Wacker, neben Christa Pölzl und Katharina Moritz eine der Initiatorinnen, einen Reparaturschein aus. Fritz Thallinger ist mit seiner 15-jährigen Tochter Anja aus Göss gekommen, um den streikenden Toaster einer Untersuchung unterziehen zu lassen. „Das Gerät lässt sich nicht ausschalten“, erklärt er. Helmut Weissenbacher, Fernseh- und Elektrotechniker sowie Informatiker, nimmt sich dessen an. Er hat vom Repair Café aus den Medien erfahren und sich gleich als ehrenamtlicher Helfer gemeldet. „Ich war 17 Jahre lang Fernsehtechniker und mir gefällt die Wegwerfphilosophie der letzten Zeit gar nicht. Deshalb biete ich hier meine Kenntnisse an“, sagt der Leobener, der bald herausgefunden hat, was dem Toaster fehlt. „Das Thermostat war verstellt, das kann mit der Zeit passieren.“ Nach nur einer Viertelstunde können Fritz und Anja Thallinger einen wieder funktionierenden Toaster mit nach Hause nehmen. „Ich finde dieses Repair Café eine wunderbare Idee. Wo sonst bekommt man noch die Gelegenheit, kleine Fehler bei Elektrogeräten reparieren zu lassen?“, freut sich Thallinger. Dasselbe denkt Roman Seitz, der zum Zuschauen gekommen ist. „Ich möchte hier von den Profis etwas lernen. Ich habe in meiner Jugendzeit selbst Röhrenradios repariert. Das Repair Café ist eine tolle Idee, ich habe nur mehr darauf gewartet, bis es bei uns hier startet“, sagt der Leobener. Andreas Höfler, ein weiterer ehrenamtlicher Helfer und seit 2013 Organisator eines Repair Cafés in Graz, öffnet währenddessen einen tragbaren Fernseher. „Da ist die Batterie ausgelaufen und hat Teile im Inneren zerstört“, erklärt der Softwareentwickler und Programmierer dem Besitzer. Er sei hier dabei, weil er Erfahrung weitergeben möchte. Katharina Moritz und Liese Esslinger sind weitere Helfer im Bunde, die mit elektronischem beziehungsweise textilem Können unterstützen. Für einen Trimmer von Karin Schneck kommt allerdings jede Hilfe zu spät. „Die Anschlussstelle zum Motor ist im Inneren eines Plastikteils abgebrochen, das ist nicht reparaturfähig“, bilanziert sie. Ulrike Mair und Marion Griesser sind mit ihren Stereoanlagen hier. „Das ist jetzt meine Gelegenheit, ich habe schon sehr auf ein Repair Café bei uns gewartet“, lacht Marion Griesser. Organisatorin Christa Pölzl kann gar nicht glauben, wie gut das Repair Café bei den Leuten ankommt. Die Grundidee des Cafés ging voll auf. „Wir möchten, dass nicht alles gleich weggeworfen wird, sondern dass man versucht, es gemeinsam zu reparieren. Das ist eine Art Nachbarschaftshilfe, wofür wir noch mehr freiwillige Mitarbeiter bräuchten“, so Pölzl. Das nächste Repair Café findet am Samstag, dem 1. Oktober, wieder von 9 – 13 Uhr im Altstoffsammelzentrum statt.
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