Schnellbahnen Wien: der Stepansplatz

Stepansplatz? Stephansplatz.
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  • hochgeladen von Kevin Mauch

Wien. Ich habe eine Vorliebe für Karten aller Art. Mich fasziniert der Gedanke eines bildhaften Gedächtnisses, digitale und/oder akustische Navigationsgeräte lehne ich ab oder habe ich mir bis dato immer erspart. Außerdem tut ein gelegentliches Training „on-the-task“ meines Orientierungssinns, des räumlichen Denkvermögens und des Verlassens meiner Komfortzone, nämlich das Um-den-Weg-fragen durch Ansprechen der Passanten, gut. Meine Frau fordert mich öfter dazu auf, als mir manchmal in den ersten Momenten lieb ist, schließlich bin ich „Mann“ und finde sowieso immer selbst dorthin, wo wir hinwollen.
Seit langem gehe ich wieder wahrnehmungsintensiver durch meine wunderschöne Wahlgemeinde Wien. In den letzten Wochen fokussierte ich mich scheinbar ausschließlich auf die Absolvierung meines Studiums. So fahre ich entspannt in der Wiener S-Bahn von Wien-Praterstern nach Wien-Floridsdorf zum Friseur, der mich von meiner studentisch-vernachlässigten Mähne trennen sollte.
Stehend in der S2 Richtung Mistelbach, studiere ich wieder einmal die Übersichtskarte des öffentlichen Verkehrsnetzes, die oberhalb aller Ein- und Ausgangstüren angeklebt ist. Der Stephansplatz als das Herz von Wien, die Markierung des Stadtzentrums, der „Kilometer Null“ der österreichischen Bundeshauptstadt sticht mir ins Auge. Es war weniger er selbst, aber seine Schreibweise – seine Orthographie (Rechtschreibung). Ich bin zwar der Meinung, dass es egal sei, wie etwas geschrieben sei, so lange es verständlich ist, jedoch kann die Kunst der Orthographie viel über etwas bzw. einen sagen.
„Stepansplatz“ (siehe linkes Bild). Stand: 25.09.2012. Autsch! Und das nach der mehrmonatigen Übergangslösung, in dem die Station Südtiroler Platz mit Hauptbahnhof Wien gelb überklebt wurde. Hey, ich bin ein begeisterter Fan öffentlicher Verkehrsmittel und regelmäßiger „VIP“-Fahrgast als stolzer Inhaber der ÖBB ÖSTERREICH-Card <26, wie einer Jahreskarte der Wiener Linien. Aber ein Rechtschreibfehler im Namen des magnetischen Anziehungspunktes aller Stadt-Wien-Touristen ist für uns Wiener eher peinlich unangenehm gegenüber den jährlich sechs Millionen Besucher. Gar fragen Ortsunkundige einen von uns nach dem Weg und wir zeigen ihnen mit Hilfe unseres Zeigefingers als analoge und akustische Navigationshilfe den Weg zum „Stepansplatz“. Unser Ranglistenplatz der PISA-Studie würde einmal mehr Thema in den (regionalen) Kaffeehäusern werden.
Was hat die Reform der deutschen Rechtsschreibung 1996 mit 7-jähriger Übergangsfrist tatsächlich gebracht? Das (rote) Österreichische Wörterbuch als verbindliches Regelwerk gibt Aufschluss über die korrekte Schreibweise: der Stephansdom, -(e)s: Wahrzeichen von Wien. Davon kann man ableiten: der Stephansplatz: Platz im Zentrum von Wien.
Die Kosten der Behebung betragen nach Schätzungen ca. EUR 25.000 an Materialkosten. Ich wollte mir keinen Korrekturleser für meine Zeilen leisten, die ÖBB-Personenverkehr AG würde jedoch gut daran tun, den Stich ins Auge der fünfhundert Millionen Fahrgäste zu vermeiden.

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