15.12.2017, 11:54 Uhr

Canale für alle: Bürgerinitiative befürchtet Ausverkauf des Donaukanals

Der Donaukanal ist ein Stück innerstädtischer Freiraum und wird von Anrainern, Besuchern und Sportlern ganz unterschiedlich genutzt. (Foto: Alois Fischer)

Dem Donaukanal drohen Ausverkauf und Großprojekte ohne Mitsprache der Bürger, so die Befürchtung der Initiative.

LEOPOLDSTADT. Die lukrativen Flächen am Donaukanal in der Innenstadt, die sich in den letzten Jahren zu einer äußerst belebten Fortgehmeile entwickelt haben, wecken derzeit wieder Begehrlichkeiten. Bestehende Verträge - mit unter anderem Badeschiff, Adria Wien und Hafenkneipe - werden ab Oktober 2018 neu vergeben. Das ärgert, wie berichtet, zum einen die derzeit am Donaukanal tätigen Unternehmer.

Nun kommt aber auch noch von anderer Seite Kritik an den Ausschreibungen, für die man sich bis heute, 15. Dezember, bewerben konnte. Die Bürgerinitiative Donaucanale für alle befürchtet, dass nur Unternehmer zum Zug kommen, die ihre Projekte auf Profitmaximierung ausrichten. "Die Investitionssumme steht im Ausschreibungstext im Vordergrund und wird stark gewichtet", sagt Sprecherin Marlene Reisinger dazu, "und wer viel investiert, muss auch viel einnehmen." 

Der Donaukanal, so Reisinger, sei aber ein Gebiet von großem Interesse für die Stadtplanung. Immerhin handelt es sich um ein großes innerstädtisches Freiraum-Gebiet, das unterschiedlich genutzt wird, nicht nur für Gastronomie, sondern auch für Sport und Erholung. Dass die Anrainer und die Bezirke gar nicht mitreden dürfen, wenn sich am Kanal Grundlegendes verändert, stößt "Donaucanale für alle" sauer auf. Es gebe, so Reisinger, eigentlich ein Konzept, das verhindern sollte, dass am Donaukanal eine Nutzung überhand nehme - die sogenannte Donaukanalpartitur. Diese von der Stadt Wien in Auftrag gegebenen Leitlinien würden hier völlig missachtet, sagt Reisinger - warum, könne sich sich nicht erklären.

Schon einmal Erfolg gegen Großprojekt

Vor etwas mehr als einem Jahr ist der Initiative Donaucanale für alle schon ein Erfolg gelungen: Damals sammelte sie Unterschriften gegen das 600-Sitzplätze-Gastroprojekt Sky and Sand, das auf der letzten verbliebenen innerstädtischen Wiese am Kanals, neben dem Otto-Wagner-Schützenhaus, geplant war. Die Unterschriften wurden dem Petitionsausschuss der Stadt vorgelegt, der das Projekt schließlich kippte.

Jetzt möchte man, so Reisinger, wieder Unterschriften sammeln um die Neuvergabe noch zu stoppen: "Wir haben schon viel Resonanz und Interesse gespürt und sind zuversichtlich." Man wolle die Nutzung des Donaukanals offen diskutieren und sicherstellen, dass die Bürger sich an den Überlegungen aktiv beteiligen können. Außerdem solle es auch eine Möglichkeit geben, dass gemeinnützige Projekte umgesetzt werden können.
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