11.10.2017, 10:30 Uhr

Wehlistraße: Und plötzlich waren die Poller da

Die Absperrung in der Wehlistraße wurde von der Bezirksvorstehung installiert - eine Diskussion darum vermissen Anrainer und Bezirkspolitik.

In der Wohnstraße Wehlistraße im 2. Bezirk wurden Poller aufgestellt, um Raser abzuschrecken. Doch Infos dazu gab es nicht einmal für die Anrainer. Plötzlich war die Wehlistraße eine Sackgasse.

LEOPOLDSTADT. In einer Wohnstraße, so sieht es die Straßenverkehrsordnung vor, dürfen Kinder auf der Fahrbahn spielen. Fahrzeuge hingegen dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren – und das nur zur Parkplatzsuche. Die Wehlistraße in der Leopoldstadt ist eine solche Wohnstraße. Schilder an den Zufahrten weisen eindeutig darauf hin. Doch, darin sind sich die Mütter und Väter auf dem Spielplatz des großen Gemeindebaus in der Wehlistraße einig, ihre Kinder würden sie hier nicht auf der Straße spielen lassen. Ganz im Gegenteil, denn „hier rasen sie durch, weil das ein Schleichweg ist“, so eine Mutter. „Schrittgeschwindigkeit fährt hier niemand“, weiß sie zu berichten. Das soll nun ein Ende haben. Die grüne Bezirksvorsteherin Ursula Lichtenegger hat Taten sprechen lassen. Doch die SPÖ Leopoldstadt schäumt vor Wut. Denn Worte, die hätte man sich gewünscht - Informationen und Bürgerbeteiligung. Doch plötzlich standen die Poller da - und niemand wusste davon. Nun hängt über dem Wohnstaßenschild ein Sackgassenschild.

„Für die Wohnstraße Wehlistraße, zwischen Haussteinstraße und Mexikoplatz, wurde ein neues Konzept zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und Lärmreduktion ausgearbeitet“, steht auf der offiziellen Seite der Bezirksvorstehung Leopoldstadt. Und weiter: „Zahlreiche Anrainer und Anrainerinnen hatten sich beschwert, dass in der Wohnstraße Wehlistraße, zwischen Haussteinstraße und Mexikoplatz, viele Autos deutlich zu schnell unterwegs sind und dadurch die Sicherheit vor allem für Kinder gefährden."

Aufregung über Alleingang

Für große Aufregung sorgte die Maßnahme bei der SPÖ Leopoldstadt. „Die Bürger wurden nicht eingebunden. Wir haben von der Maßnahme einen Tag vor der Umsetzung erfahren.“ Bei der Bezirksvertretersitzung ließ Bezirksvorsteherin Lichtenegger demnach wissen, dass man noch auf den bescheid warte, der das Aufstellen der Poller genehmige. Am nächsten Tag standen die Poller da. Bei der SPÖ vermutet man, dass der Bescheid vor der Bezirksvertretersitzung schon ausgestellt war.

„An diesem Beispiel sieht man, wie unwichitg den Grünen die Bürgerbeteiligung und Mitbestimmung eigentlich ist“, so Christoph Zich, Klubobmann der SPÖ Leopoldstadt. Unverständlich sei die Vorgangsweise auch, weil im neuen Teil des Nordbahnhofviertels „über jeden Quadratmeter diskutiert wird“, so die SPÖ. Die Gemeindebaubewohner des alten Viertels hingegen, vermutet man bei der SPÖ, seien für die Bezirksvorsteherin weniger befragenswert und bekämen weniger Informationen.

Reaktionen der Anrainer

Die Anrainer der Wehlistraße reagieren unterschiedlich auf die Durchfahrtssperre. Die einen freut die Verkehrsberuhigung, die anderen ärgert die Tatsache, dass sie nicht informiert wurden oder auch, dass sie nun selbst nicht mehr durchfahren können. "Da stand eh immer die Polizei, die haben die Raster abgestraft", erzählt ein Mann. Er versteht die Maßnahme nicht. "Ich find's gut. Das ist eine Wohnstraße, dann muss man eben außen herum fahren", sagt ein anderer.

Auch am Spielplatz herrscht Einigkeit darüber, dass fast alle Auto- und Motorradfahrer zu schnell durch die Wehligasse fahren. Niemals würde man die Kinder zum Spielen auf die Straße lassen. Doch wie wirkungsvoll die neue Sperre ist, bleibt auch am Spielplatz fraglich. "Ich glaube, dass eine Ampel oder eine Radarbox besser gewesen wäre", sagt eine Mutter. Eine Andere hätte sich auf beiden Seiten der Wehlistraße Absperrungen gewünscht - und einen Schlüssel für Anrainer, um zufahren zu können. Die Vorschläge und Kritikpunkte der Mütter und Väter sind vielfältig. Doch die Diskussion darum bleibt wohl privat. Von offizieller Seite gefragt weden sie wohl nicht mehr.
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