Die Hütte, die ein Heuriger ist
Der "Wiesenheurige" von Liesing

Franz Dörrer vor seinem idyllischen Hütten-Heurigen, dem Treffpunkt des Grätzels.
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  • Franz Dörrer vor seinem idyllischen Hütten-Heurigen, dem Treffpunkt des Grätzels.
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Die Ketzergasse kennen viele nur vom Durchfahren. Es lohnt sich aber, auch einmal stehen zu bleiben.

LIESING. Vor rund 50 Jahren, als Liesing eigentlich noch Land war, siedelte sich hier Franz Dörrer an. Er betrieb ein kleines Fuhrunternehmen und da die Technik der Lkw damals noch ein wenig anfällig war, errichtete er eine Hütte um seine Fahrzeuge unterzustellen und zu reparieren.

Jahr um Jahr wuchs die Stadt und schließlich lag das kleine Grundstück inmitten von Häusern. Vor rund 15 Jahren zog sich der Fuhrunternehmer aus dem Geschäftsleben zurück und übertrug den Grund samt Hütte an seinen Sohn Franz. Der wusste damit aber nicht wirklich etwas anzufangen. "Eigentlich bin ich nur hie und da zum Rasenmähen vorbeigekommen", erinnert er sich heute. Doch dann griff das Schicksal ein.

Vom Standl zum Heurigen

Gegenüber dem Grundstück in der Ketzergasse 100 betrieb ein Mann namens Gerhard Beranek ein Standl, an dem er Obst und Gemüse, aber auch Most und Sturm feilbot. Als dieser den Platz räumen musste, fragte er bei Franz Dörrer an, ob er denn nicht das Grundstück nutzen dürfte. Er durfte.

Nach und nach entwickelte sich das idyllische Plätzchen zum Treffpunkt im Grätzel. Und dann wurde es für den Besitzer des Grundstücks plötzlich Zeit, sich beruflich neu zu orientieren. "Ich wurde arbeitslos und habe meinen Freund gefragt, ob man denn von so einem Standl leben kann." Auf die positive Antwort folgte die Gastgewerbeprüfung und der Schritt in die Selbstständigkeit als Heurigenwirt.

Das Standl war bald zu klein und so beschloss man, aus der Hütte einen Heurigen zu machen. "Alle Gäste haben mit angepackt. Wir haben Leitungen gelegt und einen Kanal angelegt. Es war wirklich ein Gemeinschaftsprojekt. Selbst den Name Wiesenheuriger hat er seinen Stammgästen zu verdanken. "Sie haben halt gefunden, dass er passt", schwelgt Franz Dörrer in der Erinnerung.

In bester Heurigentradition

Beim Wiesenheurigen sitzt man entspannt unter alten Nussbäumen, aus deren Früchten so manch ein Stammgast Schnaps brennt. Der Wein kommt von Franz Winkler aus Lengenfeld und ist süffig. Kleinigkeiten wie Aufstrichbrote werden serviert, wobei es hier aber auch erlaubt ist, sein eigenes Essen mitzubringen. "Ich bin darüber gar nicht böse. Ich bin nämlich kein Freund des Brotestreichens", erklärt der Wirt.

Nur eines sucht man hier vergeblich: "Coca Cola gibt es bei mir nicht." Schuld daran ist Wolfgang Ambros. Er sang ja in seinem Lied "Des kannst net machen" folgende Zeilen: "Na, Alter, wirklich, i sag des net per Hetz, du kannst doch beim Heurigen ka Cola trink'n." Übrigens: Das Lied gibt es zu späterer Stunde oft live zu hören, wenn Franz Dörrer selbst zur Gitarre greift.

Wiesenheuriger
23., Ketzergasse 100
Mo. bis Fr. und So. 15 bis 22 Uhr
Samstag Ruhetag

Autor:

Ernst Georg Berger aus Hernals

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