Musikkultur
Qing-Zhao Chen: Geigerin aus Leidenschaft

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Die Geigerin Qing-Zhao Chen kam aus China nach Wien, um ihren Lieblingskomponisten nahe zu sein.

LIESING. "Mein Vater gab mir meinen ersten Geigenunterricht, als ich fünf Jahre alt war", erzählt die Geigerin Qing-Zhao Chen. Aufgewachsen ist sie in der chinesischen Stadt Tianjin, wo sie auch am Musikgymnasium war. "Am Konservatorium in Tianjin habe ich dann begonnen, Geige zu studieren." Ab 1989 folgten Auftritte mit der Jungen Philharmonie Chinas, als Solistin bereiste sie das ganze Land. "Damals habe ich auch den nationalen Jugendwettbewerb gewonnen", sagt Chen stolz. Ihr Geigenstudium schloss sie schließlich in Peking ab - mit Auszeichnung.

"Schon als Kind bin ich in China jedes Jahr vor dem Fernseher gesessen und habe mir das Wiener Neujahrskonzert angeschaut", erzählt sie gerührt. "Dass Österreich mit Wien das weltweite Zentrum der klassischen Musik ist, weiß in China jeder." Chen traf den österreichischen Musikprofessor Walter Klasinc, der zu ihrem Mentor wurde. "Er bestärkte mich in meinem Wunsch, nach Wien zu gehen." So wechselte Chen zum Perfektionieren ihres Geigenspiels an die Wiener Musikuni und besuchte Meisterkurse bei Zakhar Bron und Christian Altenburger.

1999 war ein besonderes Jahr für Chen: "Ich schloss nicht nur die Musikuni mit Auszeichnung ab, sondern bekam auch die österreichische Staatsbürgerschaft." In Wien nahm ihre Karriere als Geigerin dann richtig Fahrt auf: Sie gründete das Max-Reger-Streichtrio, ist Mitglied der "Original Wiener Donau Schrammeln", des Damenensembles "Johann Strauss" und verschiedener Quartette. Zehn Jahre lang war sie Substitutin bei den Niederösterreichischen Tonkünstlern.

200 Jahre alte Geige

Besonders stolz ist sie auf ihre mehr als 200 Jahre alte Geige der Geigenbauerdynastie Klotz. "Der Name Klotz ist nicht so bekannt wie der von Stradivari, aber die Geigen sind mindestens ebenso gut." Auf ihr übt sie auch heute noch etwa zehn Stunden pro Woche. "Das ist nicht viel, früher waren es sechs Stunden pro Tag."

Hat Chen einen Lieblingskomponisten? "Sogar drei: Mozart, Haydn und Schubert", schmunzelt die Mutter einer Tochter. "Aber ich liebe alle österreichischen und ganz besonders die Wiener Komponisten."
Auch in ihrer Freizeit ist Chen ganz auf Musik eingestimmt: "Ich organisiere jedes Jahr ein Musikfestival in Wien, zu dem junge Musiker aus China eingeladen werden. Der internationale Kulturaustausch liegt mir sehr am Herzen."

Damenkapelle „Johann Strauß“

Schon zum 11. Mal spielt Chen mit ihrer Damenkapelle „Johann Strauß“ ein Neujahrskonzert im Bezirksmuseum Liesing. "Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Ruth Müller (Violine), Gisela Lackner (Cello) und Maria Rom (Klavier) bietet Chen dabei Stücke von Johann Strauß und anderen bekannten Komponisten dar", freut sich der ehrenamtlich agierende Museumsleiter Maximilian Stony. "Unsere Damenkapelle gibt es schon seit 25 Jahren, ich bin aber erst 15 Jahre dabei", erzählt Chen. "Vor unseren Auftritten proben wir miteinander immer sehr intensiv."

An ihrer Wohnung im 3. Bezirk schätzt sie nicht nur die Nähe zur Musikuni, "sondern auch die vielen anderen Musiker, die auf der Landstraße leben - das schafft eine ganz besondere künstlerische Atmosphäre. Für Musiker ist Wien ein magischer Ort!"

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