14.09.2014, 15:35 Uhr

Buchrezension: Das Camp von Nick Cutter

Eine kleine Pfadfindergruppe ist mit ihrem Leiter auf einer Insel, um eine Prüfung abzulegen. In der Nacht taucht ein abgemagerter Fremder auf, dessen Hunger seinesgleichen sucht. Rasch wird klar, dass der Mann ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hat, und damit soll er nicht der Einzige bleiben. Verkürzt gesagt: Wem der Magen knurrt, der hat auf dieser Insel ein echtes Problem.

Im Vorwort des Buchs wird erwähnt, dass Nick Cutter das Pseudonym eines preisgekrönten Kurzgeschichtenautors sein soll. Man merkt, dass es nicht seine erste Geschichte ist, und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Ein wenig irritiert hat mich der Aufbau seiner Story, die immer wieder durch Zeitungsmeldungen, Verhörprotokolle und ähnliches unterbrochen bzw. ergänzt wird. Im Nachwort ist zu lesen, dass er dieses Stilmittel bei Stephen King "geklaut" hat. Ich will nicht behaupten, dass diese Einschübe das Buch besser machen, aber sie sind zumindest originell und stören nicht. Was die Schilderungen der Grausamkeiten betrifft, hätte gern ein wenig mehr der Leserfantasie überlassen werden können. Noch mehr Details würde ich meinem Magen nicht zumuten wollen. Aber das ist selbstverständlich reine Geschmacksfrage.

Sprachlich hat mich die Story positiv überrascht, und stellenweise hatte sie für einen Horror-Thriller sogar richtig Tiefgang. Vor allem die Beziehungen der Jugendlichen zueinander bzw. deren Veränderungen (das Hervorbrechen guter und böser Eigenschaften durch die Extremsituation) werden anschaulich beschrieben. Besonders gefallen hat mir, dass der Autor eine (teil-)wissenschaftliche Erklärung für das Grauen auf der Insel angedacht hat.

Fazit: Verglichen mit so manchem Mist, den ich von reinen Horror-Verlagen gekauft habe, verdient "Das Camp" durchaus eine Empfehlung. Man sollte allerdings einen starken Magen mit auf die Insel bringen - und keinesfalls Hunger.
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