02.06.2017, 13:53 Uhr

Der Wächter ist ein roter Kater: Am Bauernhof im Liesinger Gütenbachtal

Die 86-jährige Edeltraut Kamprath kümmert sich auch noch im hohen Alter um den Bauernhof und ihre Tiere.

Edeltraut Kamprath (86) lebt allein mit ihren Tieren am Bauernhof im Gütenbachtal.

Text und Fotos: Mathias Kautzky

Ein weitläufiger Hof, ein paar Gänse und zwei Ziegenkitze: so wird man am Bauernhof von Edeltraut Kamprath im Gütenbachtal empfangen. Einzig die Bäuerin selbst fehlt im Empfangskomitee. Doch sind vom Fenster aus Fernsehergeräusche zu hören. Nach dem Klopfen öffnet sich das Fenster langsam. Ein roter Kater schaut prüfend heraus.

„Moritz, geh her da und lass mich ans Fenster“, hört man sogleich Edeltraut Kamprath. Sie bewegt sich fast nur im Rollstuhl, lebt aber immer noch mit ihren Tieren auf dem Hof im Gütenbachtal. Die Landidylle findet man direkt an der Stadtgrenze – Wiesen, Wald und der Bauernhof mit Traktor, Hühnerstall und Holzvorräten inklusive. Ob wir Eier kaufen könnten, fragen wir sie, worauf uns die 86-jährige Frau hereinbittet und von ihrem Hofarbeiter, einem jungen Inder, in die Eierkammer führen lässt.

Beim Bezahlen erzählt sie ihre Geschichten. Von ihrer Kindheit in Rametzberg bei Kilb in Niederösterreich. Von ihrem Vater, dem Förster, und von ihrer Schule in Melk. Dass ihre schönste Kindheitserinnerung die gemeinsame Hausmusik mit ihren Eltern sei: der Vater an der Geige, die Mutter an der Zither und sie selber an der Ziehharmonika. Kamprath erzählt uns vom Krieg, als sie immer die Abkürzung über einen von den Russen besetzten Hügel in der Nähe ihres Elternhauses nahm und eines Nachts plötzlich neben einem riesigen Geschütz stand, mit dem auf Wien geschossen wurde. Mutig war sie immer schon, die Bäuerin vom Gütenbachtal – und unabhängig. In die Schule wollte sie nur selten gehen. Viel lieber hütete sie die Tiere am elterlichen Bauernhof oder machte Ausflüge mit ihrem gleichaltrigen Freund aus dem Dorf.



Vor fast vier Jahrzehnten erlaubte ihr der damalige Bezirksvorsteher, im Gütenbachtal einen Bauernhof zu errichten – trotz Bauverbot. „Der hat sich g’freut, dass es in Liesing einen Bauernhof gibt, und hat mich immer unterstützt“, sagt sie, während sich Kater Moritz auf ihrem Schoß kraulen lässt. Früher hat sie ihre riesigen Wiesen ganz allein abgemäht, war immer unabhängige Selbstversorgerin. Doch nach einem Unfall mit einer 700 kg schweren Kuh und einer gebrochenen Hüfte tut sie sich mit dem Gehen sehr schwer. Aber wenn es sein muss, behebt sie mit ihren kräftigen Händen auch heute noch Stromausfälle auf dem Hof oder lässt Einbrecher das Weite suchen.

Der Viehdoktor kommt

Hinter dem Haus stehen einige Schafe und Ziegen auf dem grasigen Hang, während gleich daneben eine Gänseschar in eine lautstarke Diskussion geraten ist. „Heut’ kommt noch der Viehdoktor und kastriert zwei junge Ziegenböcke, sonst hab’ ich zu viele. Ja, es is’ halt allerweil was zu tun", sagt die Bäuerin. Auch wenn sie und ihr Bauernhof schon einfachere Zeiten gesehen haben, hat sie ihre heitere Grundstimmung keineswegs verloren. „Lassen’s sich wieder einmal anschaun“, ruft sie zum Abschied. Auch der rote Kater blinzelt uns wie zur Bestätigung ein letztes Mal zu. Man spürt, dass Besucher auf Edeltraut Kampraths Bauernhof stets willkommen sind.

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