18.10.2017, 09:08 Uhr

Lemböckgasse: Die Kapelle verwildert immer mehr

Derzeit kein prächtiger Anblick: Die Kapelle in der Lemböckgasse steht unter Denkmalschutz.

Verwachsen und zugeräumt: Der Denkmalschutz spielt in der Lemböckgasse in Liesing anscheinend wenig Rolle.

LIESING. Auf den ersten Blick wird in der Lemböckgasse 3 einfach ein ehemaliger Parkplatz verbaut. Der Rohbau steht, die Baustelle ist im Gange. Doch auf den zweiten Blick erkennt man im linken hinteren Eck des Grundstücks ein verwachsenes Gebäude: Eine unter Denkmalschutz stehende Kapelle aus dem 19. Jahrhundert. Bauschutt, Holzpaletten und Gerümpel türmen sich davor und versperren den Weg zur Tür. "Im Inneren steht noch eine Heiligenfigur", will Anrainer Erwin Hekelmoser wissen. Vor Ort feststellen lässt sich das derzeit nur schwer.

Hekelmoser sorgt sich um das Kulturgut und klagt an: "Seit Jahren verfällt dieses Schmuckstück. Der Eigentümer renoviert nicht!" Damit ist der Siebenhirtener nicht allein. Es gebe immer wieder Anfragen aus der Bevölkerung, heißt es beim Bundesdenkmalamt. "Aber wir haben kein Recht, dem Eigentümer eine Sanierung vorzuschreiben", sagt Wien-Referentin Elisabeth Hudritsch. Der Bauzustand wurde bereits schriftlich festgehalten. Immerhin sei das Dach in Ordnung und derzeit keine Gefahr in Verzug. Es hätte auch schon Gespräche mit dem Eigentümer gegeben, wo man auch auf Fördermöglichkeiten hingewiesen habe. Allerdings ohne Ergebnis.

Verein gegründet

Im angrenzenden Gasthaus Bauer scheint man auch zu wissen, warum das so ist. Der Eigentümer würde die Kapelle gerne verschenken, heißt es von dort. Vor nunmehr 24 Jahren hätte sich bereits ein Verein gegründet, der sich dem denkmalgeschützten Bauwerk annehmen wolle. Der neue Eigentümer, ein Austro-Vietnamese und Buddhist, hätte nichts dagegen, doch anscheinend gestaltet sich die Abtrennung des Gebäudes vom restlichen Grundstück als rechtlich schwierig. Der Eigentümer war bis Redaktionsschluss für eine konkrete Stellungnahme nicht zu erreichen. Doch im Gasthaus Bauer ist man zuversichtlich: Angeblich laufe bereits das Umschreibeverfahren auf den Verein. Auch der Bezirk hätte sich immer wieder um eine Renovierung bemüht, heißt es aus der Perchtoldsdorfer Straße 2. Seit 1999 sogar. Doch mit dem Eigentümer hätte man nie Kontakt gehabt.
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