07.05.2018, 14:19 Uhr

Sargfabrik Liesing: Die letzte große Party?

Marlene Engel kuratiert das Hyperreality Festival. Die Zukunft der Sargfabrik sieht sie kritisch. (Foto: Apollonia Bitzan)

Das Hyperreality Festival gastiert in Liesing. Die Kuratorin des Festivals für experimentelle elektronische Musik, Marlene Engel, zeigt sich besorgt um die Zukunft der Sargfabrik.

LIESING. Die Sargfabrik, das Veranstaltungszentrum in Liesing, das vom Verein "F23.wir.fabriken" bespielt wird, hat bald einen neuen Eigentümer. Die Soravia Immobiliengruppe wird ab Sommer für die denkmalgeschützte Anlage verantwortlich sein. Wofür sie die Gemäuer nutzen wird und ob die kulturellen Veranstaltungen dort weiterhin stattfinden werden, das steht noch in den Sternen. "Wir stehen nach wie vor in Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer. In den nächsten Wochen wird sich Neues ergeben", heißt es von der Betreiberinitiative F23. Man wolle aber auch mit dem neuen Eigentümer in Zukunft zusammenarbeiten. Zuletzt haben die Wiener Symphoniker die Halle mit einem "Grätzl-Konzert" bespielt. Das Konzert war ausverkauft.

Die letzte große Party?

Die nächste große Party wird bereits von 24. bis 26. Mai stattfinden. Im Rahmen der Wiener Festwochen gastiert das Hyperreality Festival in der Sargfabrik. Die Wiener Festwochen setzen dabei drei Nächte lang experimentelle elektronische Musik in den Kontext globaler Clubkulturen und öffnen einen Raum für Projekte an der Schnittstelle zu Performance, Pop und bildender Kunst. Aber auch die politische Botschaft hinter dem Festival ist eindeutig: "Der Club als Ort, an dem gesellschaftliche Zwänge und Mechanismen außer Kraft gesetzt werden, eine neue Gesellschaft erdacht und erprobt werden kann – das ist die verbindende Idee des Programms von Hyperreality", steht auf der Homepage der Veranstaltung.

Richtige Entscheidung?

Die Kuratorin des Festivals, Marlene Engel, kritisiert die strenger werdenden Restriktionen in der Clubkultur. Auch die Zukunft der Sargfabrik macht ihr Sorgen: "Wenn Firmen oder Institutionen Räume übernehmen, wird unabhängig davon, ob die Nutzung nun gemeinnützig oder kommerziell ist, auch eine gewisses Reglement mitgeliefert." Oft können dann nur unter Vorgabe von bestimmten formellen und zeitlichen Abläufen Projekte umgesetzt werden, sagt sie.

"Nur weil der größte gemeinsame Nenner von öffentlichen Interessen in der Übernahme der Sargfabrik durch einen Immobilienentwickler liegt, heißt das noch lange nicht, dass das auch die richtige Entscheidung ist", zeigt sich die Kuratorin kritisch. Es sei auch die Aufgabe der Sozialdemokratie, im gleichen Ausmaß auch Initiativen mit Nischenprogrammen und -inhalten zu unterstützen. Ihr persönlich sei es wichtig, dass der Raum, den sie für das Hyperreality Festival nutzt, weitgehend paradigmenfrei ist. "Eine kommerzielle Eventlocation kann so etwas nicht bieten, das F23 hingegen schon. Und wir freuen uns wirklich darauf, mit unserem Programm Orte in Wien zu entdecken, die für uns noch zu entdecken sind."

Mehr dazu:
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