16.02.2015, 09:38 Uhr

Wie Computerspiele einem Junglehrer dabei helfen seine Schüler zu besseren Noten zu motivieren

Lehrer Christian Haschek (27) mit seinen Schülern Richard (16) und Verena (17). (Foto: Foto: Edler)

"Wollen Sie auch ein Stück Schokolade haben, Herr Professor?", fragt die 17-jährige Verena am Anfang der Informatikstunde in der Schottenbastei. Wenn man die Klasse betritt, ist wegen der entspannten Atmosphäre sofort klar, dass sich die Schüler auf den Unterricht mit Christian Haschek (27) freuen. Er schafft das durch ein Notensystem, dass auf dem Spiel "World of Warcraft" basiert.

"Wir starten mit den Hausübungen", beginnt Haschek. "Wer nach vorne an die Tafel kommt und ein Beispiel richtig löst, bekommt zehn XP-Punkte." XP-Punkte, "Experience Points" beziehungsweise "Erfahrungspunkte", verteilt Haschek für Mitarbeit, Anwesenheit oder sonstige Leistungen wie Referate. Der Begriff ist aus Computerspielen wie "World of Warcraft" bekannt, bei denen sich beim Sammeln von XP-Punkten der Spielercharakter weiterentwickelt.

Website zeigt Erfahrungspunkte und Level an

Die Schüler in Hascheks Unterricht können auf der von dem Informatiker eigens entwickelten Seite "Socialcube" jederzeit einsehen, wie viele Punkte sie bereits gesammelt haben. Und das ist wichtig: Eine bestimmte Anzahl an Punkten bedeutet das Aufsteigen in das nächste Level und somit eine bessere Note.
Eléanor (17) löst inzwischen bravourös die erste Aufgabe, es geht um Netzsicherheit und Passwörter, und erntet dafür Applaus von ihren Mitschülern.


"Extrem motivierend"

Hascheks Unterricht ist bei den Schülern beliebt. "Es motiviert Leute extrem, die Computerspiele spielen, weil sie das von zu Hause gewohnt sind", erklärt Sebastian (18). Das findet auch Verena (17): "Man weiß immer, was einem noch fehlt, um eine bessere Note zu bekommen. Wenn ich am Ende des Jahres zwischen 2 und 3 stehe, kann ich mir ganz leicht ausrechnen, was ich noch an Referaten und Hausübungen machen muss. Das ist ein super Ansporn." "Die Transparenz hat man in anderen Fächern nicht", ergänzt Richard (16).
Haschek selbst ist von seiner Methode überzeugt: "Mein Vater war im zweiten Bildungsweg auch Lehrer und ich habe ihm dieses System vorgeschlagen, aber er wollte es nicht ausprobieren. Darum habe ich beschlossen, das selbst zu machen. Man könnte also sagen, ich bin wegen des XP-Systems Lehrer geworden."

Haschek ist selbst Computerspieler

Haschek war seinerzeit selbst ein schlechter Schüler und glaubt, dass er mit XP-Punkten auch leichter zu motivieren gewesen wäre.
"Ich habe immer Computerspiele gespielt. Ich glaube, meine Eltern haben gehofft, dass das eine Phase ist", erzählt Haschek. "Jetzt bin ich 27 Jahre alt und spiele immer noch. Das kann man jetzt wohl keine Phase mehr nennen."
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