17.10.2017, 16:18 Uhr

Armut ist mehr als nur ein Wort

Armut ist mehr als nur ein Wort
Armut hat viele Gesichter

Da ist der 10jährige Junge, der die Hausaufgaben für zwei seiner Mitschüler macht und die ihm dafür etwas von ihrem Taschengeld geben, damit er sich eine Jause kaufen kann oder die Mutter die zu ihren Kindern sagt, sie habe schon im Büro gegessen, damit diese nicht sehen, wie arm sie sind. Ein Vater der jeden Tag zeitig aus dem Haus geht, seiner Familie nichts von der Kündigung erzählt, die Post versteckt bis ein Delogierungsbefehl ins Haus flattert. Er wurde mit dieser Situation nicht fertig, hat sich seiner Familie gegenüber geschämt und sich vor wenigen Wochen umgebracht. Armut hat viele Gesichter!

Österreich gehört zwar zu den reichsten Ländern der Welt, trotzdem gibt es in Österreich 1.572.000 armutsgefährdete Menschen - ein Viertel davon, Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre.

Wien weist dabei mit 22,7% der Bevölkerung das größte Armutsrisiko auf.

Aber was versteht man unter Armut eigentlich?
Der Begriff bezeichnet allgemein einen Mangel von Grundbedürfnissen wie Nahrung, Kleidung, Gesundheit und einer Wohnung. Er bezieht sich vor allem auf den Lebensstandard des Einzelnen - im Vergleich zu den übrigen Mitgliedern einer Gemeinschaft.

Armut ist kein Verhängnis sondern hat Ursachen, die erkannt und beseitigt werden müssen!

Auswirkungen
Es kann sehr schnell gehen: Krankheit, Schicksalsschlag oder Jobverlust. Die Sozialleistungen reichen dann bei ständig steigenden Lebenshaltungskosten kaum aus. Das heißt nicht unbedingt, dass man auf der Straße lebt. Armut ist nicht immer sichtbar, trotzdem gibt es sie!

Der Hauptgrund für die Armut ist ein zu geringes oder gar kein Einkommen. Dadurch ergeben sich zwangsläufig Benachteiligungen in vielen wichtigen Lebensbereichen, wie soziale Kontakte, Wohnsituation, Gesundheitsvorsorge, Arbeitsmarktzugang, Bildung und Lebensgestaltung.

Armut macht krank und einsam. Sie grenzt aus und entwürdigt den Menschen. Mangelernährung, reduzierte Hygienemöglichkeiten, vermehrte Krankheitsanfälligkeit, soziale Isolation und Suchtprobleme kennzeichnen die Armutsspirale der betroffenen Menschen

Aber ist jeder der Arm ist, auch faul und selbst daran schuld?
Für Armut gibt es viele, sehr unterschiedliche Gründe und Ursachen. Manche ertragen die Welt nicht mehr, junge Leute aus schwierigen Familien ergreifen die Flucht. Es gibt keine Garantie auf ein sorgenfreies Leben nach Plan: Krankheit, Beziehungsprobleme, Schicksalsschläge, dann Wohnungsverlust, Drogen und Alkohol – das Leben kann schnell aus der Bahn geraten. Armut kann jede und jeden treffen.

Schützt Arbeit vor Armut?
Arbeit senkt das Risiko zu verarmen. Im Arbeitsleben gibt es aber auch schlecht abgesicherte Jobs. Bestimmte Branchen zahlen ihren Arbeitern und Angestellten sehr wenig oder stellen diese meistens nur geringfügig oder Teilzeit an. Trotz Arbeit lebt man dann oft am Rand der Armutsgrenze. So ein Einkommen reicht zum Leben oft nicht aus. Diese Menschen bezeichnet man auch als „Working Poor“ – arm, trotz Arbeit.

Je mehr man sich mit der Armut in Österreich befasst, umso stärker gewinnt man den Eindruck, dass sich der Staat das soziale System nicht mehr im notwendigen Umfang leisten kann.

Wie lange wird es dauern, bis die Gesellschaft, also wir alle, das bemerken und wir wieder lernen uns gegenseitig zu unterstützen und zu helfen?


Hier einige Beratungs- und Anlaufstellen für Menschen in Not
Beratungs- und Betreuungsstellen:                                                                                         Caritas Wien: 1160 Wien, Albrechtskreithgasse 19-21 - TelNr. 01/878 12-0
Hilfswerk Österreich: 1120 Wien, Grünbergstrasse 21 - TelNr. 01/40 57 500
Rettet das Kind: 1150 Wien, Pouthongasse 3 - TelNr. 01/982 62 16

Medizinische Behandlungs und Versorgung von Lebensmitteln
AmberMed: 1230 Wien, Oberlaaer Straße 300-306 - TelNr. 01/589 00-847
Le+O Lebensmittel: 1160 Wien, Albrechtskreithgasse 19-21 - TelNr. 01/878 12
Wiener Tafel: 1110 Wien, Simmeringer Hauptstr, 2-4 - TelNr. 01/236 56 87 

Beratung und Betreuung bei (drohendem) Wohnungsverlust
Wiener Wohnungslosenhilfe Fonds Soziales Wien: TelNr. 01/24 5 24
a-way Notschlafstelle für Jugendliche von 14 bis 18 Jahre: TelNr. 01/897 52 19
FrauenWohnZentrum: TelNr. 01/971 80 07
Immo Humana - Verein für Mütter in Wohnungsnot: TelNr. 01/524 80-0
Heilsarmee: TelNr. 01/890 32 82-0
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Richard P. aus Liesing | 18.10.2017 | 00:48   Melden
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